Saturday, January 27, 2007

Great Ocean Road & Grampians


Montag Vormittag traf ich alle meine Reisegefaehrten fuer die naechsten vier Tage: Annika und Viola aus Deutschland und James aus Wales. Gegen Mittag kamen wir von Melbourne los, und fuhren zunaechst ueber den Freeway nach Geelong, wo die Great Ocean Road ihren Anfangspunkt hat.
Erster Stopp war das Surfermekka Torquay, in dem ein Surferladen am anderen ist: Billabong, Ripcurl, Roxy, und wie sie alle heissen. Sowas hatte ich noch nirgendwo gesehen, nichtmal an der Gold Coast! Auch der Strand war schoen, wenn auch die Wellen ein Witz waren. Vielleicht kniehoch...
Naechster Stopp: Bells Beach, an dem viele Surfmeisterschaften, u.a. auch die Surf World Championships ausgetragen werden. Da waren die Wellen schon besser!
Irgendwann begann die Strasse, sich wunderschoen immer direkt an der Kueste entlangzuwinden. Teilweise sah es so aus wie auf dem Highway #1 in Kalifornien. Nachdem wir das Staedtchen Lorne passiert hatten, kamen wir zu einem tollen Strand bei Fairhaven, an dem wir uns zwei Stunden aufhielten und Annika, Viola und ich gebadet haben. James fand es zu kalt. Die Wellen waren super, hatten richtig viel Schub!
Als wir zum Auto zurückkehrten, hatten wir erstmal direkt einen Strafzettel ueber sieben Dollar am Scheibenwischer klemmen!
Die erste Nacht verbrachten wir in Apollo Bay. Im Backpacker Hostel war zwar kein Bett mehr frei, aber der Herbergsvater hatte im Garten zwei Campingkabinen. Eine davon hat er uns angeboten, zum gleichen Preis wie der Schlafraum gewesen waere. War toll! Abends sind wir nochmal zum Strand gelaufen, haben einen unglaublich schoenen klaren Sternenhimmel gesehen und etwas Mysterioeses, das aussah wie ein Komet (Halley oder wie der damals hielt). Was es war, haben wir nicht herausgefunden (spaeter allerdings fand ich heraus, dass es wirklich ein Komet war! Wow! Aber an dem Abend hat James mich deshalb ausgelacht "if that was a comet, we would be f**ked" ...).

Dienstag standen die 12 Aposteln, Loch Ard Gorge, The Arch, und London Bridge auf dem Programm. Alles Sandsteinformationen an der Kueste, einfach ueberwaeltigend. Allerdings kann man nur noch sechs Apostel sehen, zwei sind glaube ich versteckt und vier erodiert oder so.




Unter den Wellen, die sich an der Kueste brachen, waren z.T. riesige Brecher, deren Gischt gigantisch hoch und weit spritzte. Das sah toll aus! Schwimmen wollte ich da allerdings nicht (und das will was heißen!!!)! Als wir auf der Great Ocean Road durch den Otway NP fuhren, sahen wir ploetzlich auch ganz viele Koalas in den Baeumen ringsherum! Meine ersten Koalas in freier Wildbahn, juhu! Total suess, ab liebsten haette ich mir einen gepflueckt. Einige waren sogar wach und frassen!
Abends fuhren wir durch's Inland von Victoria nach Halls Gap, welches in den Grampians liegt, und wo wir in einer Oeko-YHA dieNacht verbringen wollten. Das Inland war unglaublich flach und braun, bis dann in der Ferne die Huegel der Grampians auftauchten. Unterwegs sahen wir oft das typische australische Outback-Klischee: braune Wiesen mit Merino-Schaf-Herden vor einer alten verfallenen Holzhuette mit rostigem Grundwasser-Windrad. Total schoen, so ein Foto haenge ich mir spaeter mal in mein Zimmer!
Abends planten wir noch den naechsten Tag, den wir komplett in den Grampians verbringen wollten.

Mittwoch verbrachten wir dann in den Grampians, sahen die McKenzie Falls, einen schoenen, wenn auch kleinen Wasserfall, und genossen die Aussicht von verschiedenen Lookouts, u.a. Boroka und Reeds Lookout. Die Sicht war toll, und da der Boroka Lookout sich fast genau ueber Halls Gap befindet, konnten wir von dort das Dach der YHA mit den Solarzellen sehen. Vom Reeds Lookout fuehrte ein Weg zu "The Balconies", einer Art "ueberdachtem" Felsvorsprung. Da ich von dort ein Foto von mir als kleinem Kind darauf habe, wollte ich quasi nochmal genau das gleiche Bild aufnehmen, 16 Jahre spaeter. Aber heute ist das alles weitraeumig mit Gelaender abgezaeunt, damit man da ja nicht mehr raufkann. Man koennte ja zu dicht an die Kante gehen und runterfallen... Grrr... ein Verbotsschild steht dort allerdings nicht:-)
Nachmittags fuhren wir zum Mt William, dem hoechsten Berg der Grampians. Man kann bis fast oben fahren, den Rest laeuft man auf einer SEHR steilen, kurvigen Asphaltstrasse hoch. Frueher konnte man bis auf's Gipfelplateau rauffahren, heute ist die Strasse allerdings fuer Autos gesperrt. Richtig so! Wer hoch will, kann auch laufen;-)
Der Ausblick war sehr schoen, zur einen Seite lagen die Grampians in mehreren Bergketten hintereinander, zur anderen das unglaublich weite viktorianische Flachland, platt bis zum Horizont. Toll!


Allerdings rissen meine Sandalen da oben an vierter Stelle aus. Bis zur YHA musste ein Gummiband provisorisch das abgerissene Stueck ersetzen, bevor ich es abends (wie ueblich) mit der weissen Nylonschnur ersetzte. Irgendwann fragte mich mal jemand aus meinem Hostel, warum ich denn die ganzen Schnuere an meinen Sandalen haette;-)
Im Anschluss an den Mt William fuhren wir noch zum Ngamadjidj Shelter, einem Felsen mit Felsmalerei der Aboriginals drauf.
Abends war auf der Dorfwiese von Halls Gap eine Leinwand aufgebaut: Kino! Das ganze Dorf war zusammengekommen und sass auf der Wiese, um einen neuen australischen Kinofilm zu sehen: "Kenny"! Eine herrliche Pseudo-Dokumentation ueber das Leben von Kenny, der fuer eine Klohaeuschenfirma arbeitet. Klasse, wirklich zum Wegwerfen, vor allem, weil in der Originalfassung noch alle Wortspiele und Witze rueberkommen...:-)

Donnerstag stand dann vor allem viel Fahrerei auf dem Programm. Die ganze Zeit durchs unglaublich flache Inland, von den Grampians in Victoria bis nach Adelaide in South Australia. Mittags gabs dann noch einen Streit, da James, auf den Annika, Viola und ich sowieso schon einen Groll hatten, ploetzlich ohne Vorwarnung anfing, herumzuzicken, und dann beleidigte Leberwurst spielte, als wir sagten, lass uns lieber normal reden, als uns gegenseitig Beschimpfungen an den Kopf zu werfen... Ein Idiot, mit dem wir uns spaeter auch nochmal herumaergerten. Aber das gehoert hier nicht hin. Wir anderen drei verstanden uns jedenfalls super:-) Wer genauere Ausfuehrungen hoeren moechte, muss bis April warten:-)



Am fruehen Abend machten wir noch einen Zwischenstopp in Hahndorf, 40 km vor Adelaide. Erst waren wir in einem Weingut, in dem Annika und Viola Wein probierten und ich wieder an diese "DLG Siegergala Deutscher Ehrenweinpreis" denken musste, auf der wir letztes Jahr mit dem Chor gesungen und uns koestlich ueber die Weinprobe amuesiert hatten... soviel nur dazu, auf diesem Weingut in Hahndorf sollte ein Rosewein nach Muscheln, Garnelen und Krabben schmecken, ein anderer nach Ananas und Mango, und der dritte nach Kokosnuss... Wozu dann der ganze Aufwand? Da kann man doch gleich Kokosnussmilch trinken...
Hanhdorf jedenfalls ist wohl die aelteste deutsche Siedlung in South Australia, und im "German Arms Hotel" wurde Loewenbraeu serviert, es hingen Bayern-Fahnen draussen, und ueberall gab es "deutsche Wurst": Mettwurst, Leberwurst, Wiener(!), Frankfurter, Krainer...



Schliesslich erreichten wir gegen 18 Uhr Adelaide, und nisteten uns im "Adelaide Backpackers Inn", einem kleinen familiengefuehrten Hostel im Zentrum der Stadt, ein. Ich hatte von unterwegs mehrere Hostels angerufen, und dies war das Einzige, das Unterkunft fuer 4 Personen hatte, da am naechsten Tag Australia Day war (dritthoechster Feiertag nach Karfreitag und Weihnachten) und ausserdem ein Cricket-Match zwischen England und Australien stattfand. Wir wurden jedenfalls sehr herzlich empfangen, und kannten an dem Abend schon alle anderen aus dem Hostel. Eine richtig nette freundliche Atmosphaere herrschte dort. Abends war fast das ganze Hostel zusammen im Pub, um zu feiern, dass Paul, ein Englaender, endlich einen Job gefunden hatte. Das gefaellt mir viel besser als diese grossen anonymen Hostels, in denen niemand miteinander redet. So freute ich mich auch schon darauf, ein paar Tage in Adelaide und diesem Hostel zu bleiben!

Melbourne


Launceston war ganz schoen, klein und alt. Viel mehr kann ich dazu nicht sagen, weil ich dort nicht viel mehr getan habe als mir die Innenstadt anzuschauen und auf der Wiese im City Park zu chillen;-)

Nachmittags wurde ich vom Airport Shuttle abgeholt, das mich zum winzigen Launceston Airport gebracht hat. Die Zeit bis zum Abflug habe ich damit verbracht, einen Fragebogen fuer Tourism Tasmania auszufuellen: wo ich war, was mir gefallen hat und was man verbessern koennte, um einen Urlaub in Tassie noch angenehmer zu gestalten. Ich habe geschrieben, dass die Tasmanier freundlicher und relaxter sein koennten...;-), und, dass ich die Natur mehr genossen habe als die Staedte.

Um halb fuenf liefen wir uebers Rollfeld zur Virgin Blue-Maschine, und starteten zehn Minuten spaeter. Von meinem Fensterplatz aus konnte ich wunderschoen die Kuestenlinie von Tasmanien sehen, als wir dieses hinter uns liessen, und danach den tiefblauen Ozean. Viel zu schnell kamen wir in Melbourne an. Dort wartete gerade der Fahrer des Shuttlebusses vom Hotel Bakpak, sodass die Entscheidung, in welches Hostel ich gehen wuerde, schnell gefallen war.
Mit im Bus waren noch zwei Daenen, die gerade aus Kopenhagen angekommen waren und sich ueber den Linksverkehr amuesierten. Auf dieser Fahrt bekam ich auch endlich einmal das Melbourne-spezifische Rechtsabbiegen zu sehen, von dem ich schon viel gehoert hatte: moechte man an einer Kreuzung nach rechts abbiegen, muss man sich auf der aeussersten linken Spur einordnen, mitten auf der Kreuzung stehen bleiben, und wenn die Ampel dann wieder rot ist, darf man abbiegen...
Das klingt jetzt vielleicht ziemlich sinnlos, ist es aber nicht, weil in Melbourne in der Mitte der Strasse die Strassenbahnen fahren und man nicht moechte, dass die Abbieger die Schienen blockieren und den ganzen Tram-Verkehr stauen. Denn da faehrt eine Strassenbahn hinter der anderen, Schnauze an Schwanz.

Das Hotel Bakpak war sehr gross und deshalb leider auch ziemlich anonym. Aber in meinem 10er-Zimmer waren zwei nette Schweden, mit denen ich mich oefters unterhalten habe. Ansonsten noch vier ThailaenderInnen um die 40, und ein grimmiger "aelterer" Herr, der jeden Tag betont hat, was fuer ein "f**king shitty place" das Hotel doch sei. Die anderen habe ich in der Zeit nicht kennengelernt.

Den ersten Tag in Melbourne habe ich damit verbracht, einfach durch die Stadt zu laufen und in verschiedenen Hostels Zettel auszuhaengen, die besagten, dass ich Leute suche, die ueber die Great Ocean Road nach Adelaide fahren und noch einen Platz im Auto frei haben.




Die vier Tage in Melbourne waren alle grau, kuehl und nass. Ganz Victoria bekam Regen ab, was sehr gut war, da die riesigen Buschfeuer eingedaemmt, bzw einige sogar ganz geloescht wurden, was der Feuerwehr in wochenlanger Arbeit nicht gelungen war.
Einen Tag bin ich mit der Strassenbahn nach St Kilda gefahren, habe "die Achterbahn mit den Zwiebeltuermen" gesehen, und bin anschliessend am Strand entlang nach Port Melbourne gelaufen, von wo aus ich wieder eine Strassenbahn zurueck in die Stadt genommen habe. Unterwegs gab's am Strand kostenlos "Splice"-Eis (sowas wie Capri). Lecker!;-)
Ansonsten war ich im Melbourne Museum, wo ich den angeblich letzten Thylacine (Tasmanischen Tiger) -ausgestopft- und Phar Lap, des bekannte australische Super-Rennpferd -auch ausgestopft- angeguckt habe. Im Anschluss daran war ich auf dem Melbourne Observation Deck und habe mir die Stadt von oben angeschaut, gefolgt von einem Spaziergang ueber den Federation Square und am Ufer von Southbank entlang.

Zu dieser Zeit fanden in Melbourne auch die Australian Open statt, und auf dem Federation Square wurde alles auf Maxi-Leinwand uebertragen.

Letztendlich habe ich dann eine Mitfahrgelegenheit nach Adelaide gefunden: fuer Montag, den 22.1., zusammen mit einem Jungen und zwei Maedels, die sich fuer die Strecke vier Tage Zeit nehmen wollten. Das war ganz nach meinem Sinn. Viel laenger wollte ich sowieso nicht in Melbourne bleiben - auf geht's!

Wednesday, January 17, 2007

Der Osten Tasmaniens

Vorgestern verliess ich morgens frueh gegen halb acht Hobart, um mit "Under Down Under Tours" drei Tage lang den Osten der Insel zu erkunden. Das Programm des ersten Tages fand allerdings im Sueden von Hobart statt, sodass wir die erste Nacht wieder in der Stadt waren.
Und zwar stand das ehemalige Gefaengnis Port Arthur auf der Tasman Peninsula auf der Tagesordnung.
...


Es war einmal vor langer Zeit (fast schon in grauer Vorzeit:-), da war Australien eine Straeflingskolonie. Verbrecher, die von England aus dorthin verschifft wurden, landeten in einem der Gefaengnisse bzw Gefaengnisdoerfer auf dem Festland. Nun gab es jedoch ein paar dreiste Gemueter, die -da sie ja sowieso schon am anderen Ende der Welt waren- dort gleich nochmal eine Straftat veruebten. Und da das Verschiffen von Straeflingen damals wohl gerade der neueste Hit war, baute man solche Gefaengnisse zweiten Grades auf Stationen ausserhalb des australischen Kontinents, sodass man sie nochmal mit dem Schiff woandershin schicken konnte. So gab es z.B. gleich drei auf Tassie (das damals noch Van Diemens Land hiess), und eins auf Norfolk Island.
Viel war nicht mehr uebrig, einige Ruinenmauern, die aber recht gut ueber den Platz verteilt waren, sodass man einen Eindruck bekam, wie gross das Ganze einmal war.
Zudem erfuhr man sehr viel ueber das Gefaengnis und das Leben dort, sodass wir jetzt einiges mehr wissen als zuvor.
Auf dem Rueckweg sind wir noch an der Kueste spazieren gegangen, haben die Felsformationen "Tasman Arch" und "Devils Kitchen" gesehen, und ein Blowhole. Die Wellen waren schon recht imposant, da das Meer dort sehr weit ist und die naechsten Landmassen Neuseeland bzw die Antarktis sind.
Auch niedlich war der Ort namens "Doo-Town": jedes Haus im Ort trug einen Namen statt einer Strassen- und Hausnummer, und in jedem Namen kam "doo" vor, z.B. waren dabei: "Didgeri-doo", "How'd you doo", "What to doo", "Doo-me", "Yabba-dabba-doo"...
Unser Tourfuehrer Peter, "the big fat bloke", wie er sich selbst nannte, war sehr lustig und hat die ganze Tour mit viel Humor und spontanen Witzen aufgelockert.

Tag 2: Der Osten der Insel von Hobart im Sueden bis Bicheno im Osten. Erster Stopp war in Ross, einer kleinen niedlichen Stadt mit vielleicht 500 Einwohnern und einem vorbeifahrenden Auto in zehn Minuten.
Auf dem Programm stand unter anderem auch die Wineglass Bay im Freycinet Peninsula National Park, deren Strand von den Amis zu einem der weltbesten zehn Straende gezaehlt wird. Wir hatten vier Stunden Zeit und konnten entweder hoch zum Lookout laufen, von dem man einen tollen Blick ueber die Bay hatte, oder auch auf der anderen Seite den Berg runter zum Strand, und nachher wieder ueber den Huegel rueber zurueck. Ich lief mit Katrin(D) und Barbara(CH) erst hoch zum Aussichtspunkt, und da noch sehr viel Zeit war, anschliessend zum Strand runter. Das Wasser war super, ganz klar und blau, und mit tollen Wellen!!! Der Sand war weiss und fein. Das Meer war so verlockend, dass ich schwimmen gegangen bin. Es war klasse in den Wellen, bis auf einmal Katrin nach einer Unterhaltung mit ein paar Wanderern zum Meer runtergerannt kam. Da wusste ich, dass irgendetwas nicht stimmen kann, und bin vorsichtshalber aus dem Wasser raus gegangen...


Die Wanderer erzaehlten, dass aufgrund der Meeresstroemung die Bucht voller Bluebottles sei (eine Quallenart, deren Tentakeln sehr schmerzhaft sind, und ausserdem sind sie lang und ganz fein und brennen auch dann noch wie Feuer, wenn sie schon seit langem von der Qualle abgetrennt sind. "Brennt wie Feuer": ist wahrscheinlich noch untertrieben, nach allem, was ich bisher ueber die Biester gehoert habe...). Ich bin also lieber rausgegangen, und ploetzlich sahen wir auch recht viele angespuelt am Strand liegen. Mistviecher!:-)
Abends uebernachteten wir im Bicheno Backpackers, einem ganz gemuetlichen kleinen Hostel in einem kleinen Dorf. Hauptattraktion dort: Zwergpinguine, die nach Einbruch der Dunkelheit an Land gehen!!! Uns wurde angeboten, abends um zehn eine Tour mitzumachen, und diese Gelegenheit liess ich natuerlich nicht aus. Eigentlich waere ich nach Phillip Island gefahren (bei Melbourne), um dort die Pinguine zu sehen, aber hier war das alles viel weniger touristisch und "naeher", sehr toll!
Die Pinguine waren so goldig, es waren sowohl Kueken als auch erwachsene Tiere dabei. Putzig!



Und heute war auch schon der letzte Tag meiner Tour (einige aus der Gruppe fahren im Westen von Tassie wieder nach Hobart zurueck, aber da sie zwei Tage am Cradle Mountain bzw Lake St Clair verbringen, die ich ja beide schon vom Overland Track kenne, hatte ich mich entschieden, nur bis Launceston mitzufahren). Erster Punkt auf dem Programm war der Besuch eines Tierparks. Was hier auf Tasmanien natuerlich eine besondere Attraktion ist: Tasmanische Teufel! Wir waren zur Fuetterungszeit da, was auf jeden Fall super und mal etwas anderes war! Ich fand sowohl die ausgewachsenen Teufel als auch die Jungen sehr suess, und bin davon ueberzeugt, dass sie ein gutes Haustier abgeben wuerden, das auch einen Wachhund ersetzen koennte.
Leider sind sie vom Aussterben bedroht:-(


Anschliessend ging's weiter zur Bay of Fires, einem Strand mit Felsen an beiden Seiten. Die Wellen heute waren gigantisch, und brachen sich mit voller Wucht an den aeussersten der Felsen. Ich bin mit Katrin ein bisschen darauf herumgeklettert, und zum Schluss haben wir dort oben noch "geduscht", da wir wegen der Bluebottles nicht schwimmen wollten. Es war klasse, dort haette ich den ganzen Tag verbringen koennen; einfach nur den sich brechenden Wellen zuschauen.
Zum Mittagessen (Fish'n'Chips) sind wir in den Fischerort St Helens gefahren, in dem wir uns anschliessend noch eine Stunde umsehen konnten. Dann ging's weiter, erst zu den St Columba Falls, dem hoechsten Wasserfall Tasmaniens, und anschliessend zu einem Pub, dessen besondere Attraktion das Bier trinkende Hausschwein ist. Man kann gegen das Schwein antreten: schafft man es, mehr Bier als das Schwein zu trinken, bekommt man alle Getraenke gratis. Verliert man aber, muss man die des Schweins mitbezahlen...
Die Flasche, die wir ihm angeboten haben, trank es innerhalb von fuenf Sekunden aus.


Anschliessend ging's weiter durchs tasmanische Nichts, durch winzige 100-Einwohner-Staedtchen und vorbei an einer Lavendelfarm, bis wir abends Launceston erreichten und ich mich von der Gruppe trennte. Schade, die Tour hat sehr viel Spass gemacht, und die Gruppe war bis auf eine Ausnahme ("Eckhardt"...) super!

Morgen habe ich noch den Vormittag Zeit, mir Launceston anzusehen, bevor es nachmittags zurueck aufs Festland geht! Jippie!!!!:-)

Saturday, January 13, 2007

Hobart


Das Wochenende in Hobart war ganz schoen; die Stadt wirkt sehr historisch, mit vielen alten Gebaeuden und rustikalen Segelbooten im Hafen.

Samstag verbrachte ich den Vormittag damit, meine mueffelnde Waesche vom Overland Track zu waschen und E-Mails zu lesen, bevor ich nachmittags auf die Salamanca Markets ging, die nur dann stattfinden. Sie gefielen mir sehr gut, die Atmosphaere war schoen, und es gab dort sehr leckere Ofenkartoffeln:-)
Anschliessend bummelte ich noch etwas durch die Stadt und spuerte dabei die Blasen an meinen Fuessen doch recht heftig. Deshalb hob ich mir den ganzen Touristenkram fuer Sonntag auf.

Hier in der Stadt ist es richtig warm, ich laufe in T-Shirt und Boardies rum, ganz anders als waehrend der letzten Woche in den Bergen! Selbst abends friere ich draussen nicht!

Sonntag fruehstueckte ich erst im Zimmer, da noch einiges an Essen vom Track uebrig ist. Anschliessend schaute ich mich in der Stadt um: im historischen Viertel "Battery Point" mit vielen alten, schmucken Wohnhaeusern, am Hafen (wo ich Fish(!)'n'Chips gegesen habe - allerdings habe ich in Australien schon besseren Fisch gehabt), und im Stadtzentrum. So viele alte Haeuser habe ich lange nicht mehr auf einem Fleck gesehen!
Die Szene in Hobart ist sehr alternativ.
Nachmittags kochte ich mir im Hostelzimmer etwas zu essen auf dem Campingkocher (ich habe noch viel zu viel Gas uebrig und kann es im Flugzeug nicht mitnehmen), und setzte mich danach an den Computer, um diesen und den Bericht ueber den Overland Track zu schreiben.

Heute Abend muss ich meine Sachen zusammenpacken, und morgen frueh geht es um 7.30Uhr los, mit "Under Down Under Tours" die Ostkueste hoch nach Launceston. Von dort aus fliege ich dann am Donnerstag nach Australien zurueck...

Bis dann!

Overland Track





Am 5.Januar nahm ich abends, bei immer noch ekligen 37 Grad, eine Strassenbahn von der Southern Cross Railway Station runter zum Station Pier, von dem aus die Faehre nach Tassie abfahren wuerde. Diese war riesig und erinnerte mich an die "Blue Star Ferries" in Griechenland! Um 20.40 Uhr, mit 20 Minuten Verfruehung, legten wir ab und fuhren durch die Dunkelheit ueber den Port Melbourne zur Tasmanischen See hinaus, waehrend Melbournes naechtliche Skyline sich immer weiter zu entfernen schien. Abends erkundete ich noch ein bisschen das Schiff und kaufte mir im Touristeninformationsbuero (ja, sowas gibt's da!) einen National Parks Pass fuer Tasmanien. Dann versuchte ich, ein bisschen zu schlafen, was auch relativ gut ging.




Tag 1

Um 5.20 Uhr morgens weckt mich eine schnarrende Stimme aus dem Lautsprecher, die die Uhrzeit ankuendigt und uns darueber informiert, dass wir um 6.10 Uhr in Devonport eintreffen wuerden. Einerseits denke ich, Mist, ich wollte doch bis halb sieben schlafen, da planmaessige Ankunft erst um sieben Uhr sein sollte. Andererseits war ich aber auch froh ueber die Verfruehung, da um 7.45 Uhr mein Bus abfahren wuerde und man mir gesagt hatte, zum Aussteigen solle ich 45 Minuten einkalkulieren, da ich durch die tasmanischen Quarantaene-Kontrollen muesste. Ich erwartete also in etwa so etwas wie bei der Einreise nach Australien am Flughafen von Sydney. Doch die tasmanischen Quarantaenekontrollen sind der Witz: statt der angekuendigten Sniffer-Beagles fragt mich nur eine Frau, ob ich Obst, Gemuese oder Pflanzen dabeihaette. Ich verneine und darf Tasmanien betreten.
Es ist erst 6.45 Uhr, und somit habe ich noch eine Stunde bis zur Abfahrt des Tassie-Link-Busses. Diese verbringe ich im Terminal und ziehe mir schonmal meine Wanderklamotten an.

Im Gegensatz zum 38 Grad heissen Melbourne ist es in Devonport richtig kuehl und windig (15 Grad). Das hatte ich schon morgens auf der "Spirit of Tasmania" festgestellt, als ich auf dem Oberdeck von den "roaring fourties'-Winden herumgeschubst wurde und mir der Milchschaum vom Cappuccino wegflog.

Am Devonport Info Centre muss ich umsteigen und noch einmal eine halbe Stunde auf den Bus zum Cradle Mountain Visitor Centre warten . Eine Tasche hatte ich gleich mit dem ersten Bus nach Hobart weitergeschickt, mit all dem Kram, mit dem ich mich auf dem Overland Track nicht tragen wollte. So sitze ich nur mit meinem grossen Rucksack (mit so wenig Gepaeck wie lange nicht mehr) und bekleidet mit Leggins, Shorts, Gaiters, Wanderstiefeln, langaermligem Thermo-Unterhemd, T-Shirt, Windjacke und Regenhose im Nieselregen und warte auf den Bus. Obwohl das ja fuer 15 Grad verhaeltnismaessig dick angezogen ist fror ich etwas. Nach acht Monaten auf dem australischen Festland aber wahrscheinlich auch kein Wunder:-)

8.30 Uhr. Der TassieLink-Bus faehrt puenktlich in Devonport ab. Wir fahren ins tasmanische Huegelland hinein; die Wolken haengen unglaublich tief. Ab und zu schauen Bergspitzen oben raus, was sehr schoen aussieht. Im historisch wirkenden Sheffield machen wir eine Pause an einer Baeckerei. Ich esse einen Apfel-Zimt-Muffin (normaler Groesse!), das letzte Frische fuer eine Woche. Gegen 10.30 Uhr erreichen wir den Eingang des Cradle Mountain NP. Direkt hinter der Parkgrenze kreuzt ein Schnabeligel die Strasse, schonmal ein guter Anfang!
Im Visitor Centre checke ich ein und bekomme meinen Overland Track-Pass. Die Wettervorhersage sagt Regen ab dem Nachmittag voraus. Ich hoffe, davor an der ersten Huette, meinem Tagesetappenende, anzukommen, und steige in den kostenlosen Shuttlebus ein, der mich noch ca 5 km weit in den Park hineinbringt, zum Ronny Creek Car Park.
Dort trage ich meinen Abmarsch ins Logbuch ein und beginne gegen elf Uhr meine Reise auf dem Overland Track durch die Wildnis Tasmaniens.



Das Schwerste in meinem Rucksack ist das Essen. Meine Verpflegung fuer die naechste Woche sieht folgendermassen aus: 1 Packung Reis, 1 Tuete Polenta, 1 Tuete Haferflocken, 1 Tuete Instant-Kartoffelpueree, 1 Tuete getrocknete gruene Erbsen, 4 Tuetchen Suppenpulver, 3 Paeckchen 2-min-Noodles, 20 Teebeutel, 1 Packung Pumpernickel (!!!), 2 Packungen Knaeckebrot, 1 "Glas" (aus Plastik) Honig, eine Packung Schmelzkaeseecken, 8 Muesliriegel, 1 Sesamriegel, 1 Pck Walnuesse, 1 Pck Paranuesse, 1 Pck Cashew-Kerne, 3 Tafeln Schokolade und Gewuerze.

Am Anfang fuehrt der Track ueber einen ordentlichen, gut gebauten Holzbohlenweg, bevor er beginnt, anzusteigen. Noch bin ich die Einzige mit einem grossen Rucksack, die anderen sind alles Tagesausfluegler. Trotzdem habe ich bald die meisten ueberholt. Bereits nach einer halben Stunde stehe ich am Ufer des wunderschoenen, von alpinen Bergen umgebenen Crater Lake.

Der Weg steigt weiter an, wir muessen heute rauf aufs Cradle Plateau. Ein Stueck ist richtig steil, man muss Felsen hinaufklettern. Zum Glueck gibt es ein Drahtseil, an dem ich mich hochziehe. Die Wolken haengen sehr tief, trotzdem ist der Ausblick klasse. Endlich mal wieder Berge!
Am Marions Lookout, schon fast oben auf dem Plateau, mache ich Pause, wie viele andere Wanderer auch. Dann geht es weiter. 15 Minuten nach Passieren der urigen Kitchen Hut, die heute nur noch tagsueber benutzt werden darf, bin ich oben auf dem freien, weiten, ungeschuetzten Cradle Plateau.
Die Wolken verdichten und verdunkeln sich in rasanter Geschwindigkeit, hier oben bin ich dem Wetter schutzlos ausgeliefert. Schliesslich beginnt es erst leicht, dann bald staerker an zu regnen. Sofort ziehe ich Regencape und -hose an. Auch der Wind frischt auf. Einige Boen sind so stark, dass ich ins Taumeln gerate. Der grosse Rucksack scheint als Windfang zu fungieren.
Langsam geht es leicht bergab. Ich lerne meine erste Lektion: Regen kann schoen sein, und Wandern im Regen kann sehr viel Spass machen. Auch ein Regencape kann im Regen sicher recht nuetzlich sein. Aber hier im Wind ist es eher ein Aergernis. Es flattert nutzlos um mich herum , statt den Regen abzufangen.

An einer besonders holprigen und steinigen Stelle schaue ich direkt nach unten auf den Weg, um keinen falschen Schritt zu machen, als sich ploetzlich nur 1 Meter vor mir etwas bewegt, etwas recht Grosses. Ich erschrecke etwas, sehe dann aber, dass es ein Wombat ist! Gleich am ersten Tag! Es steht mitten auf dem Weg, frisst in aller Ruhe und laesst sich durch mich ueberhaupt nicht stoeren.



Schliesslich geht es treppenstufenartig bergab. Auch hier, wie an vielen anderen Stellen zuvor, laeuft man eher in einem Bach statt auf einem Weg. Gegen 16 Uhr erreiche ich die Waterfall Valley Hut, meinen ersten Uebernachtungsort. Sonst ist noch niemand da. Ich haenge meine nasse Kleidung auf und ziehe mich um. Nach und nach kommen mehr Wanderer an, all die, die den Overland Track am selben Tag begonnen haben wie ich. Die Huette fuellt sich, und ich belege einen Platz auf einer der oberen Holzplattformen mit meiner Isomatte.
An diesem Abend lerne ich die meisten der anderen Wanderer kennen. Bis auf zwei Berlinerinnen sind nur Australier da. Toll!:-)

Abends gibt es Suppe mit Reis, und es macht auch Spass, den anderen beim Kochen zuzusehen. Neben der Huette aest friedlich ein sehr goldiges Bennetts Wallaby.

Tag 2

Regen, Regen, Regen. Die Etappe fuer heute: 7,75 Kilometer zur Windermere Hut. Die kuerzeste Etappe des gesamten Tracks, passend zum Wetter. Da es kontinuierlich regnet, verzichte ich auf den Abstecher zum Lake Wills, ich komme auch so an genug Seen vorbei. Schon gestern konnte ich leider keinen Abstecher machen, weder zum Gipfel des Cradle Mountain, noch auf den Barn Bluff, da die Gipfel wolkenverhangen und das Wetter zu unbestaendig war.

Der Weg geht mal aufwaerts, mal abwaerts. Die Holzbohlen sind sehr morsch, oft eingebrochen, und manche schwimmen auf dem Wasser unter dem Boardwalk. Tritt man darauf, versinkt man im Nass. Meine Stiefel haben sich laengst vollgesaugt, ich fuehle, wie das Wasser beim Laufen hin und her schwappt. Auch meine Klamotten waren morgens immer noch nass vom Vortag. Durch das Laufen wurde mir aber schnell warm. Nur beim Stehenbleiben wird es rasch kuehl. Es regnet und regnet. Meistens ist es nur ein leichter Nieselregen, und das Wetter passt zur Landschaft, einem Hochmoor. Schon um 11 Uhr vormittags erreiche ich die Huette.
Den Nachmittag vetreibe ich mir mit Tagebuch schreiben, Fotos angucken, Unterhaltungen mit Mitwanderern und einem kurzen Ausflug zum Lake Windermere.
Abends sehe ich an der Huette mein erstes Pademelon. Suess!



Am zweiten Abend kenne ich bereits die meisten Wanderer mit Namen. Cindy und Coral, zwei Schwestern aus den Blue Mountains (45 und 51) sind sehr nett, ebenso wie die beiden Berlinerinnen Claudia und Sabina, oder Nick aus Wagga Wagga mit seinen Soehnen Royce und Doug (16 und 14). Und ihr erratet ja nicht, wen ich noch auf dem Track getroffen habe!!! Na...? Na...? OPA HOPPENSTEDT!!! Corals und Cindys Vater, schon Mitte 70, aber fit wie ein Turnschuh. Und lustig, sag ich euch! Ich habe die ganze Zeit ueberlegt, an wen er mich so stark erinnert. Erst dachte ich, Ottos Grossvater aus dem "Katastrofenfilm", aber dann kam ich darauf, dass es Opa Hoppenstedt ist, wie er leibt und lebt!!!

Mit ihm, seinen Toechtern, und Royce und Doug unterhalte ich mich an dem Abend. Sie sind alle sehr nett, und unsere Gespraeche drehen sich um Krokodile, Schlangen, australische Poesie... vor allem der Alte bringt mich und alle anderen staendig zum Lachen.
Ploetzlich ist es 20.30 Uhr, und ich mache mich bettfertig. Draussen ist es noch taghell, das ist so ungewohnt! In Australien ist es um diese Zeit laengst dunkel! Drueben im Zimmer wird unter grossem Hallo noch das australische Partyspiel "stinky coin" oder auch "cracker jack" gespielt.
Ich moechte schlafen - morgen liegt eine lange Etappe vor mir, und ich habe vor, frueh loszuziehen. Hoffentlich hoert der Regen auf!

Tag 3

Nachts graupelt es sogar. Verdammt. Dieser Niederschlag muss doch mal aufhoeren! Tag 3 ist der laengste Tag, 17 Kilometer. Im Regen sicher kein grosser Spass.
Als ich morgens aufwache, sehe ich aus dem Fenster strahlend blauen Himmel und die Sonne scheinen. Jippie! Anderthalb Stunden spaeter bin ich abmarschbereit und laufe los. Bei Sonnenschein ein ganz anderes Gefuehl, und die Landschaft wirkt voellig neu auf mich. Da es trocken ist, stoppe ich oft fuer Fotos. Anfangs windet sich der Weg wunderschoen durch kleine Waeldchen, auf und ab ueber Huegel, waehrend er sich ganz allmaehlich den Berg hinaufschraubt. Bald bin ich auf der Hochebene angelangt, einer wunderschoenen, weiten Buttongrass-Ebene. In der Ferne sehe ich Berge, doch dort, wo ich laufe, ist es flach. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen, und ich geniesse es, alleine durch diese Weite, in dieser wunderschoenen Landschaft zu wandern.



Unglaublich viele Seen, kleinere und groessere, und Rinnsaele verstecken sich hier im Gras. Wie schoen, mal wieder so viel Suesswasser zu sehen! Bald zweigt links ein kleiner Pfad zum Forth Valley Lookout ab. Es ist ein winziger Abstecher, den ich mitnehme. Der Blick hinab ins Tal ist grandios. Tief unter mir ist das Land von gruenen Baumkronen bedeckt, und in der Luft sehe ich einen wedge-tailed eagle, eine Adlerart. Am Lookout treffe ich Sabina und Claudia, die gerade Rast machen. Fuer mich geht es gleich weiter, heute liegt noch eine weite Strecke vor mir. Ich ueberquere einige Baeche und wandere auf hoelzernen Boardwalks durchs Pine-Forest-Hochmoor. Der Zustand der Boardwalks ist mal besser, mal schlechter. Oft sinke ich mitsamt der Holzplanke, auf die ich gerade trete, im Morast ein. Schwipp-schwapp.

Bald schon geht es bergab, der Weg schlaengelt sich durch nassen Wald ueber schlammigen Lehmboden am Mt Pelion West entlang, immer weiter hinab, bis ins Tal. Frog Flats. Eine tiefe, warme Senke, der tiefste Punkt, den ich waehrend des Overland Tracks passieren werde.
Anschliessend geht es wieder bergauf, durch wunderschoenen Regenwald. Der Weg ist klasse, ich geniesse den Wald und das Laufen, das inzwischen fast zur Gewohnheit geworden ist. Aber die Strecke heute ist weit, und ich spuere den -nicht gerade ergonomischen- Rucksack schmerzhaft auf die Schultern druecken. Doch bis zur Huette kann es nicht mehr weit sein.

Die New Pelion Hut ist riesig. Ich lade mein Zeug ab und ziehe mich um. In der Sonne trocknet meine Kleidung schnell. Es ist sehr warm, und mir steht der Sinn nach Schwimmen, da ich seit 3 Tagen nicht geduscht/gebadet habe (die Huetten sind sehr einfach: einige Holztische und -baenke, Schlafplattformen, eine Biotoilette, bei denen man eine Tasse Reishuelsen auf seine Hinterlassenschaften kippen soll, und ein Regenwassertank. Dieses kostbare Regenwasser sollte man aber nicht zum Waschen verwenden). Unweit der Huette fliesst der Douglas Creek, und 20 Minuten weiter, an der Old Pelion Hut, einer historischen Huette, soll es ein tolles Badeloch geben.
Der Weg dorthin ist sehr morastig, ich sinke oefters tief ein.
Am Bach angekommen, stecke ich erst meine Fuesse ins Wasser. Es ist eiskalt und schneidet richtig in die Haut an den Knoecheln ein. Gebirgsbach. Ich wasche mich erst, um mich an die Kaelte zu gewoehnen, und springe dann mit einem Satz hinein. Brrr! Ich mache einige schnelle Schwimmzuege und strecke meinen Kopf unter Wasser. Anschliessend bin ich gut durchblutet! Ich setze mich auf die Felsen und lasse mich von der Sonne trocknen. Spaeter kommen noch Nick und Doug fuer ein Bad vorbei.



In der Huette sind mittlererweile fast alle aus unserer "Wanderfamilie" angekommen. Abends erzaehlen wir wie ueblich und tauschen die Erlebnisse des Tages aus. Walter aus einer 5-koepfigen Maennertruppe bietet Oel-Fussmassagen an. Seine Gruppe hat mich als eine Art Maskottchen adoptiert:-)

Hoffentlich bleibt das Wetter so schoen, denn morgen bietet sich die Gelegenheit, den Mount Ossa, den hoechsten Berg Tasmaniens, zu erklimmen! Diese Gelegenheit moechte ich nicht auslassen, zumal die Etappe morgen sonst sehr kurz waere - nur neun Kilometer.

Tag 4

Beim Aufstehen, wie ueblich gegen halb sieben, haengen die Wolken sehr tief. Neiiiin! Verzieht euch bitte, ich moechte doch auf den Gipfel des Mount Ossa! Naja, erstmal fruehstuecken und auf den Pelion Gap rauf, bis dann kann es ja ganz anders aussehen.
Gegen acht Uhr komme ich von der Huette los. Der Weg zum Pelion Gap geht recht steil bergauf. Ich mache oft kurze Pausen. Bei einer Muesliriegel-Pause ueberholt mich sie super family aus Queensland mit den langen Beinen: Vater, Mutter und vier Kinder zwischen 15 und 21, die alle riesig sind und mit ihren langen Beinen unglaublich schnell laufen:-)



Nach ca. anderthalb Stunden stehe ich auf dem Pass, dem Pelion Gap. Dort laedt die super family gerade ihre Rucksaecke ab. Ich tue dasselbe und packe alles Wichtige in meinen kleinen Rucksack: Esen, Trinken, Regenzeug, Muetze, Kamera. Rechts von uns ragt nur ein Berg auf, an dessen Gipfel ab und an Wolken vorueberziehen. Das muss er sein, und so sehr hoch ist er gar nicht. Ich laufe los, und anfangs ist der Weg toll, sehr angenehm und nur maessig ansteigend. Das aendert sich bald, es wird steiler, felsiger, und auf halber Strecke fuehrt der Weg um den Berg herum. Nanu, das ist ja komisch, warum geht's nicht direkt hinauf? Da taucht ploetzlich vor mir ein anderer Berg auf, ein viel hoeherer. Das ist dann wohl der Mount Ossa! Oh, dann dauert's aber doch noch etwas, bis ich da oben bin! Der Weg ist recht steil, serpentinenartig und felsig, und wieder taucht ein neuer, ein hoeherer Gipfel auf. Ahhh!

Es ist bewoelkt und frisch, ehrlich gesagt, schweinekalt. Ich habe meine Windjacke bis zum Kragen geschlossen und meine Muetze aufgesetzt. Der Blick ins Tal ist wunderschoen. Ploetzlich stehe ich vor einer hohen, recht glatten steilen Felswand. Das muss das letzte Stueck sein! Ich muss richtig die Felsen hochklettern. Es macht Spass, ist aber auch sehr anstrengend.


Dann bin ich oben!!! Ich stehe auf einem mich ans Felsenmeer erinnernden Gipfelplateau. Auf einem grossen Felsen sitzt die super family, ich suche mir einen anderen aus.
Der Blick ist atemberaubend, die Schoenheit der Landschaft wird von hier oben nochmal mehr deutlich. Ich mache viele, viele Fotos... Ab und zu pfeift eine eisige Windboe uebers Plateau, aber wenn die Sonne bei Windstille zwischen den Wolken hervorkommt, ist es richtig warm.



Nach und nach kommen mehr Wanderer an: erst Opa Hoppenstedt, der wie ein junges Reh von Felsen zu Felsen huepft, und dann noch meint, er wuenschte, er waere noch so beweglich wie ich, und dann die Maennergruppe von Walter.
Ich klettere auf den hoechsten Felsen, den "richtigen" Gipfel, was mir von Royce den Spitznamen "mountain girl" einbringt, da ich einen glatten, recht schraegen Felsen hinaufmuss und man sich mit den Fingern in einer kleinen Spalte festkrallen muss:-)

Ich bleibe ca. zweieinhalb Stunden oben und geniesse es, das Gefuehl, auf dem Dach Tasmaniens zu stehen, die Aussicht, die Kletterei auf den Felsen. Wir koennen den Cradle Mountain und Barn Bluff sehen, am Beginn des Tracks, und zur anderen Seite in der Ferne den Lake St Clair, an dem unsere Reise enden wird. Beim Abstieg treffe ich andere aus unserer "Familie".


Vom Pelion Gap geht es nun bergab zur Kia Ora Hut, unserem Nachtlager. Wissend, dass es nur 4,5 Kilometer sind geht es recht zuegig, auch wenn die Wanderstiefel mit jedem Tag enger zu werden scheinen. Bei einer kurzen Pause im Moor sehe ich, wie sich eine tiger snake davonschlaengelt. Fuer einen Moment klopft mein Herz schneller, diese Schlange ist doch recht giftig. Es gibt nur drei Schlangenarten auf Tassie, und alle drei sind giftig.

Neben der Kia Ora Hut fliesst der Kia Ora Creek ins Tal. An diesem Nachmittag schwimme ich im perfektesten Badeloch ueberhaupt: unterhalb eines Wasserfalls in dessen kleinem, ruhigen "plunge pool". Meine Wanderklamotten sind in der Sonne schon wieder getrocknet. Da es wunderbar warm ist, lege ich mich auf die Terrasse der Huette und lasse mich trocknen. Doch sobald die Sonne hinter der Huette verschwindet wird es kuehl.

Nach dem Abendessen fordert Walters Team alle auf, auf der Terrasse das beliebte australische Spiel "broom" zu spielen. Da wir keinen Besen haben nehmen wir einen Wanderstock. Es ist sehr sehr lustig, wir sind alle nur am Lachen (bis man selbst an der Reihe ist... :-) Und vor allem, durch die Bank weg sind Leute jeden Alters dabei. Das Spiel ist simpel, eigentlich ziemlich bescheuert, aber macht unglaublich viel Spass. Das kommt dann auf euch zu, wenn ich wieder in Deutschland bin:-)
Im Anschluss wird der Wanderstock zur Limbostange umfunktioniert und alle machen mit... herrlich.

Abends ueberlege ich, ob man diese australischen Spiele auch in Deutschland spielen koennte, und ob in so einer gemischten Gruppe auch alle dabei waeren.
Zwei aus Walters Gruppe schlafen im Zelt - da dieser fieserweise Brotkrumen drumherum gestreut hat werden die beiden die ganze Nacht von Possums und Wombats wachgehalten und stolpern gegen drei Uhr in die Huette: "some bastard put food around our tent and the platform is full of possums and wombats!"

P.S.: Nachmittags hatten wir von der "commercial group", der gefuehrten Wandergruppe, die abends in privaten Huetten schlafen, 3-Gaenge-Menues gekocht bekommen und abends warm duschen, frisches Brot geschenkt bekommen... frisches Brot!!! Sie dafuer von uns den Namen "pretenders"... Diese privaten Huetten sind verdammt gut versteckt, obwohl sie auf der Karte eingezeichnet sind und ich immer versucht habe, sie zu erspaehen, war ich jedes Mal erfolglos.

Tag 5

Heute liegen wieder nur zehn Kilometer vor mir, bis zur Windy Ridge Hut, der vorletzten Huette des Tracks. Das Wetter ist strahlend schoen, und vor allem, es ist trocken. Wooo-hoo!
Abstecher gibt es heute zwei kuerzere, die zu drei verschiedenen Wasserfaellen fuehren. Ich nehme mir alle drei vor.
In dem Wissen, dass die Strecke heute kurz sein wird, faellt es mir schwer, um halb sieben den Schlafsack zu verlassen. Letztendlich laufe ich erst um halb zehn los.

Das Laufen faellt heute so leicht wie an keinem anderen Tag zuvor. Anscheinend hat sich mein Koerper jetzt an die Anstrengung gewoehnt. Ich komme zuegig voran. Der Weg fuehrt in etwa eben durch wunderschoenen gruenen moosigen Wald. Am ersten Abzweig lasse ich meinen Rucksack stehen und laufe durch den Wald bergab. Von unten kommt mir die super family entgegen und raet mir, erst den rechten Wasserfall zu nehmen, dann den linken. Ich befolge ihren Rat. Das rauschen der "Fergusson Falls" ist schon von Weitem zu hoeren. Ploetzlich stehe ich davor und bin gebannt. So viel Wasser kommt da runter! Einen so grossen Wasserfall habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen! Man kann direkt an der Kante stehen, in die Schlucht hinunterblicken, es gibt keinen bloeden Zaun oder Gelaender. Hier ist man weit weg von den Massenbesuchern (und Japanern mit Fotoapparaten), es ist Natur pur.

Der linke Wasserfall, die "D'Alton Falls", sind noch schoener. Wow! Statt eines einzigen grossen Falls platscht hier ein Teil des Wassers stufenartig, aber doch sehr steil, ueber mehrere Felsen hinweg hinab ins Tal. Mir gefaellt er besser als der erste, ich stehe am Rand der Schlucht, hoere das Rauschen des Wassers, fuehle die kuehle, frische feuchte Luft. Ich koennte laenger hier bleiben!



Oben am Rucksackabstellpunkt ist gerade Opa Hoppenstedt angekommen, der hier auf seine "langsamen" Toechter warten wird. Er macht sich mit seinem Billy auf in den Wald, um Wasser fuer seinen morning tea zu holen, und um zu schauen, was der Busch "sonst noch so zu bieten" hat. Vielleicht wieder ein paar Eukalyptusblaetter fuer den Tee wie am Tag zuvor...?

Ich laufe weiter durch den schoenen Wald. Teilweise ist der Boden sehr schlammig. Schliesslich gelange ich an den naechsten Abzweig, der zu den "Hartnett Falls" fuehrt. Wieder stelle ich meinen Rucksack ab und laufe los. Erst steige ich in die Schlucht hinab, um den Bach von nahem zu sehen und den Wasserfall von unten im Ganzen. Dann klettere ich wieder hinauf und stelle mich direkt neben die Kante, ueber die das Wasser nach unten stuerzt. Ein Wahnsinns-Gefuehl und - ausblick! Es geht senkrecht hinunter.

Von den Kilometern her habe ich schon die Strecke halb geschafft, allerdings muss ich noch ueber den Du Cane Gap hinueber, bevor es zur Windy Ridge Hut hinabgeht. Der Weg stegt maessig-angenehm an, doch mit dem grossen Rucksack wird auch das bald anstrengend. Eine halbe Stunde spaeter stehe ich auf dem Pass, neben mir ragt die Du Cane-Range auf.

Nach einer weiteren halben Stunde maessigen Bergabs sehe ich die Huette: klein, und mitten im Wald gelegen. Ich bin alleine dort, gehe hinein, und esse Mittag. Meine Wanderstiefel lasse ich an, ich spiele mit dem Gedanken, weiterzulaufen, da es erst 15 Uhr ist und ich irgendwie keine Lust habe, den Nachmittag in der Huette zu verbringen.

Bis zur naechsten Huette, der Narcissus Hut, waeren es nochmal neun Kilometer, und das waere dann schon die letzte Huette, am Lake St Clair gelegen. Ich bin sehr unentschlossen. Nach und nach kommen mehr Wanderer an; ich ueberlege, was ich machen soll, und lese die letzten Eintragungen im Huettenlogbuch. Dieser Willi Schroeder zum Beispiel, der bestimmt deutsch ist, und der immer einen Tag Vorsprung hatte, ist heute erst hier durchgekommen! Schliesslich faellt mein Entschluss: ich werde weiterlaufen.
Die ersten Schritte nach dieser doch recht langen Pause sind etwas steif und staksig, aber bald ist wieder alles geschmeidig gelaufen. Es ist 15.45 Uhr, und ich weiss, dass ich erst spaet an der naechsten Huette ankommen werde. Trotzdem laufe ich los.

Nach einer Dreiviertelstunde stehe ich am Abzweig zum Pine Valley, die Haelfte des Weges ist geschafft. Ich mache eine knappe Stunde Pause, dann geht's weiter. Der Weg ist eben und wunderschoen. Ich geniesse die Natur, morgen werde ich wieder halbwegs in der Zivilisation sein. Wie wird das wohl sein? Toiletten mit Spuelung, Duschen, Autos, Laerm?

Die Zeit fliegt dahin, ploetzlich stehe ich an einer schmalen Haengebruecke. Von hier ist es nur noch eine Viertelstunde bis zur Huette. Es darf immer nur eine Person gleichzeitig hinueberlaufen, fuer mich ja kein Problem:-) Das stille Wasser unter der Bruecke funkelt im Sonnenlicht. Ich blicke zurueck auf die Berge, auf den Wald. Irgendwie scheint diese Bruecke den Abschied von der Wildnis zu symbolisieren und den Weg in die moderne Welt einzuleiten. So etwas technisch Konstruiertes habe ich die letzten fuenf Tage nicht gesehen.

Eigentlich ist es eher ein Haengesteg. Ich laufe hinueber, er schwankt bedenklich, und ich ueberlege, wie schwer diese eine Person sein darf...
Die letzten 15 Minuten laufe ich abwechselnd durch Buttongrass-Ebenen und durch Wald.
Schliesslich sehe ich die Huette - und mein Herz macht einen Freudensprung: sie ist "wilder" und "unzivilisierter" als gedacht - genauso wie die anderen Huetten entlang des Tracks!
Vor der Huette sitzt die super family und begruesst mich froehlich. Ich setzt mich ebenfalls vor die Huette und koche Abendessen. Es ist sehr friedlich. Nur fuenf Meter entfernt hopst ein Pademelon herum und frisst, und sein kleines joey beugt sich weit aus dem Beutel heraus.
Morgen werde ich mit der Faehre ueber den See fahren und die Wildnis endgueltig hinter mir lassen...

Tag 6

Ich schlafe recht lange, so schnell kriegt mich heute nichts aus den Federn. Nach einem spaeten Fruestueck vor der Huette packe ich meinen Rucksack und setze mich draussen hin. Die naechste Faehre faehrt um 13 Uhr, bis dahin sind es noch drei Stunden! Meine Wanderstiefel ziehe ich heute nicht an, ich goenne meinen Fuessen eine Pause und haenge sie, an den Schnuersenkeln zusammengeknotet, an den Karabinerhaken aussen an meinem Rucksack. Zusammen mit Wollsocken ist es auch in Sandalen warm genug.

Nach und nach erreichen mehr Wanderer die Huette, es wird voller. Ich moechte noch ein bisschen die Ruhe geniessen und laufe schonmal die fuenf Minuten zur Jetty runter. Dort lege ich mich auf die Holzplanken und geniesse noch die Natur, die Still und die waermende Sonne.

Nachdem sich die Jetty gefuellt hat, kommt auch die Faehre, ein Mini-Katamaran! Die Bootsfahrt ist klasse, das Boot huepft ueber die Wellen und das Wasser spritzt sehr hoch.
Am Lake St Clair Visitor Centre de-registriere ich mich im Overland Track-Logbuch und schlage mein Zelt auf dem waldigen Campingplatz auf. Eine Nacht werde ich hier schlafen, bevor morgen Abend der Bus nach Hobart faehrt.



Die naechsten zwei Stunden streune ich umher und erkunde die Umgebung. Eigentlich wuerde ich gerne duschen, vor allem, da ich noch ein sauberes T-Shirt im Rucksack habe, aber die Duschmarken sind momentan ausgegangen. Somit muss ich noch etwas warten. Man kann nichtmal kalt duschen. Es gibt nur warmes Wasser, und das nur mit Marke - arghhh!
Als ich vom See wieder Richtung Visitor Centre hochlaufe, ertoent ein schriller Pfiff. Ich sehe mich um - da steht Opa Hoppenstedt in der Tuer des Cafes und winkt mich herueber!
Grinsend laufe ich an all den Leuten vorbei, die sich sichtlich ueber den forschen, energischen Alten amuesieren...Drinnen sitzen ein paar aus unserer "Gruppe" zusammen und erzaehlen. Ich setze mich dazu, und Coral, Cindy, die Berlinerinnen, Opa Hoppenstedt und ich verabreden uns fuer's Abendessen.

Letztendlich komme ich doch noch zum Duschen - was fuer ein Luxus, warmes Wasser!
Gegen sieben treffe ich mich mit den anderen, und wir fahren mit Cindys Auto fuenf Kilometer in den naechsten Ort, nach Derwent Bridge. Schon die Fahrt ist sehr lustig, das kann ein Abend werden.. alles faengt mit den Strassenshildern an. Das erste ist noch normal, "Achtung Schnabeligel". Das zweite ist sicherlich fuer Leute wie uns bestimmt, die fuenf oder sechs Tage in der Wildnis waren: "Achtung, Menschen waehrend der naechsten vier Kilometer!". Aber das beste kommt erst noch: eine umkringelte 45, und darueber ein Riesenkaenguru, das ein Auto hochhebt! Wir amuesieren uns und spekulieren, was es zu bedeuten haben koennte - mit mehr als 45 Insassen koennte es fuer's Kaenguru schwer werden, das Fahrzeug hochzuheben? Und wo kommt ueberhaupt das grosse Kaenguru her? Eins dieser tasmanischen Riesen-Kaengurus...? Aeh, Wallabies...? :-)

Im Restaurant werden wir mit tasmanischer Freundlichkeit und Stimmung konfrontiert ... :-) Mehr dazu dann persoenlich, sonst endet dieser Eintrag nie...!

Abends ist es bitterkalt, ich streune vor dem Ins-Zelt-Kriechen noch etwas ueber den Zeltplatz und werde mit viel viel "wildlife" belohnt: kolossartigen ring-tail possums, niedlichen brush-tail possums, und zwei Tasmanischen Teufeln (oder vielleicht war es auch der gleiche zweimal...?)! Juhu!!! Ich bin begeistert, so viele Tiere habe ich auf dem ganzen Track nicht gesehen! Aber wehe, ihr knabbert heute Nacht ein Loch ins Zelt, um ans Essen zu kommen!!!
Die Sterne leuchten sehr hell; und als ich ins Zelt krieche, hoere ich possums drumherum tapsen. Wehe, wehe...

Tag 7

Nachts ist es eiskalt. Ich wache oft auf und denke, morgens wird die Sonne das Zelt schnell aufheizen. Pustekuchen! Dichte Wolken verhindern das. Als ich um zehn Uhr mal wieder aufwache, ist es immer noch schweinekalt. Ich bleibe liegen, habe heute nichts vor.
Gegen halb zwoelf "fruehstuecke" ich vor dem Zelt: Tee, Walnuesse und Schokolade.
Hoffentlich regnet es heute nicht, ich moechte nachher kein nasses Zelt einpacken muessen. Ich stopfe min ganzes Zeug in den Rucksack und lasse ihn so fertig gepackt im Zelt liegen. So muss ich nachher nur noch dieses abbauen, was recht schnell geht.


Den Tag verbringe ich mit Fotos machen, Tagebuch schreiben, einem Besuch im Info Centre des Parks and Wildlife Service, herumgammeln, Geplauder mit Claudia und Sabina und Coral, Cindy und Opa Hoppenstedt. Nachmittags kommen einige leichte Schauer runter, aber nicht so stark, als dass sie das Zelt durchnaessen wuerden. Irgendwann baue ich es ab, befestige es am Rucksack und stelle diesen am Visitor Centre ab. Noch eine Stunde bis zur Abfahrt des Busses, der mich endgueltig zurueck in die Zivilisation bringen wird.
Coral, Cindy und Opa Hoppenstedt bestehen darauf, mich und Al&Vanessa, zwei andere aus unserer "Gruppe", zum Bus zu bringen und uns zum Abschied hinterherzuwinken. Goldig!



Die Fahrt nach Hobart ist lang und verregnet. Aus dem Busfenster sehe ich ein Wallaby, und auf einem See die typisch australischen schwarzen Schwaene. Ausserdem grosse Schafherden.
Vor mir sitzt Willi Schroeder - jetzt weiss ich doch noch, wer er ist! Gegen halb zehn komme ich in Hobart an und frage mich zum "Pickled Frog"-Hostel durch. An der Rezeption werde ich mit australischer Laessigkeit "Kleinen Moment, wir gewinnen gerade ein Cricket-Spiel!"empfangen. Gehoert Tasmanien vielleicht doch zu Australien...? :-)

Nach acht Naechten schlafe ich wieder in einem Bett auf einer richtigen Matratze. Das Doppelstockbett ist spektakulaer wackelig und knarrt und quietscht bedenklich.
Ich wuerde gerne schlafen, aber draussen auf dem Gang finden noch Gespraeche statt, die man eigentlich nicht hoeren moechte... bzw auf die ich gut verzichten koennte. Das scheint der Unterschied zu sein... die Tage in der Wildnis waren schoen, sehr schoen, und die Natur Tasmaniens ist klasse. Sehr anders als auf dem australischen Festland, aber wunderschoen.
Nur die Tasmanier koennten noch etws an ihren Umgangsformen arbeiten...
Allerdings bin ich nicht die Einzige, der dieser Unterschied zu den Australiern aufgefallen ist. Jeder, mit dem ich mich darueber unterhielt, sieht es so, egal, ob Backpacker oder Festland-Aussie!

Naja, Donnerstag fliege ich wieder zurueck nach Australien!!!

Thursday, January 04, 2007

Canberra


Die naechsten zwei Tage verbrachte ich also in Canberra. Entgegen der Auskunft, die ich beim Buchen des Tickets nach Canberra erhielt, wurde doch kein Bus auf der Strecke eingesetzt, sondern es fuhr ganz normal der Xplorer-Zug der New South Wales'schen Bahngesellschaft CountryLink. Das war natuerlich schoener als Bus zu fahren! Nach ca. vier Stunden, in denen es fast ununterbrochen regnete, kamen wir in einem wolkenverhangenen Canberra an. Mit dem Bus fuhr ich in die Innenstadt, von wo aus es nur noch zehn Minuten zu Fuss zur Jugendherberge waren.
Nachmittags schaute ich mich ein bisschen in der City um, die durch einen See, den Lake Burley Griffin, zweigeteilt ist. Ich befand mich im Nordteil der City, in dem sich auch alles Leben (soweit man das von Canberra sagen kann:-) abspielt, waehrend sich im Suedteil die vielen wichtigen Gebaeude, die eine Hauptstadt so beherbergt, befinden.

Am naechsten Tag lieh ich mir von der YHA ein Fahrrad aus. Da Canberra so weitlaeufig ist, kann man alles, was ich mir anschauen wollte, zu Fuss gar nicht an einem Tag schaffen. Es dauert ewig, von einem Plaetzchen zum anderen zu kommen! Selbst mit dem Fahrrad war die Zeit knapp. Zuallererst stand das Anzac War Memorial auf der Liste, da es sich am naechsten zum Hostel befand. Ein Riesenteil! Im Innenhof brennt eine ewige Flamme, und an den Waenden des "Kreuzgangs" befinden sich ellenlange Tafeln, auf denen alle australischen Soldaten und andere australische Einsatzkraefte, die in irgendeinem Krieg, an dem Australien beteiligt war, gefallen sind, namentlich aufgelistet sind.
Im Anschluss findet man sich in einem riesigen "Kriegs-"Museum wieder, das sehr interessant, lehrreich, aber auch bedrueckend aufgemacht ist. Zum Beispiel war eine Kulisse aufgebaut, in der man einem getarnten Soldaten finden sollte. Sobald man den Kopf zu weit nach vorne streckte, erklangen direkt neben einem aus einem Lautsprecher Gewehrschuesse. Nach drei Malen hatte ich ihn immer noch nicht entdeckt.
Anschliessend fuhr ich mit dem Fahrrad die Anzac Parade entlang, eine lange, schnurgerade Strasse, entlang welcher sich auch verschiedene Kriegsmahnmaeler befinden (Anzac ist uebrigens die Abkuerzung fuer "Australian and New Zealand Army Corps").
Weiter ging es, vorbei am Carillon, einem Geschenk Englands, am Seeufer entlang und ueber die Bruecke auf die Suedseite der Stadt. Nun standen High Court, Old Parliament House, New Parliament House, das Botschaftsviertel und die National Capital Exhibition auf dem Programm.

Der High Court war nicht besonders interessant, das Old Parliament House schon eher. Es diente von den 20er-Jahren bis in die 80er als Parlamentssitz, und fast alle Raeume waren original erhalten und eingerichtet, und zugaenglich. In einem Zimmer konnte man sich sogar alte Roben und Uniformen anziehen und darin durchs Haus spazieren!
Anders sah es da schon im New Parliament House aus: erstmal eine Sicherheitskontrolle, und innen auch Security-Menschen. Allerdings waren paradoxerweise auch hier Senat und House of Representative-Saal oeffentlich zugaenglich, ohne, dass man dabei von Sicherheitsleuten ueberwacht wurde.
Wer schonmal das australische Regierungsgebaeude im Fernsehen gesehen hat, hat vielleicht bemerkt, dass auf dem Dach die haesslichste Aluminiumkonstruktion befestigt ist, die man sich vorstellen kann. Steht man direkt davor, wirkt sie noch haesslicher und unproportionierter als auf einem Foto! Sie dient dazu, die Aussie-Flagge zu halten... aber da koennte man sich wirklich Schoeneres vorstellen. Wie mir allerdings stolz erzaehlt wurde, ist dies die groesste Aluminiumkonstruktion auf der gesamten Suedhalbkugel. Was fuer eine Ehre:-)

Weiter ging's mit dem Fahrrad durch's Botschaftsviertel. Die meisten waren ganz normale Haeuser, nur China, Malaysia und Suedafrika hatten eine landesspezifische Architektur. Deutschland war auch ganz schoen, aber nichts Besonderes.

Letzter Punkt auf dem Programm war die National Capital Exhibition, eine teilweise interaktive Ausstellung, in der es um die Geschichte und Entstehung Canberras ging. Das meiste war mir im Voraus schon aus Buechern bekannt, aber die Ausstellung war sehr interessant gestaltet. Da fast alles um 17 Uhr seine Pforten schliesst, musste ich das Australian Museum weglassen. Da ich aber schon in Sydney in einem Australian Museum war und sich die Beschreibungen auch sehr stark glichen, war das dann nicht so schlimm.

Was man der Stadt leider anmerkt, ist ihre strikte Erbauung nach Plan. Vor allem dem See sieht man an, dass er kuenstlich geschaffen wurde. Trotzdem gefiel sie mir ganz gut (auch wenn tote Hose herrscht), vor allem, weil so unglaublich viel Gruen dazwischen ist! Sie wirkt wie ein riesiger Park mit ab und zu ein paar Haeusern dazwischen. Ein bisschen hat sie mich an Berlin erinnert, vor allem an Tiergarten.
Hier in Canberra musste ich bisher am haeufigsten schmunzelnd Uebereinstimmungen mit den Schilderungen der Stadt in Bill Bryson's "Fruehstueck mit Kaengurus" feststellen...

Den letzten Tag verbrachte ich groesstenteils im Hostel, bis auf ein paar letzte Einkaeufe vor Tasmanien. Ich musste leider schon um zehn Uhr morgens auschecken, mein Bus fuhr aber erst um 20.30 abends. Die letzte Nacht verbrachte ich im Bus, sah bei Zwischenstopps Wagga Wagga und Albury (welches recht huebsch wirkte) und kam heute morgen um 5.45 Uhr in Melbourne an. Dort sitze ich jetzt in einem Internetcafe in der Elizabeth Street, waehrend mein Gepaeck im Bahnhofsschliessfach auf mich wartet. Hier ist es sehr warm, und fast unertraeglich schwuel, schon seit sieben Uhr morgens! Ich hoffe mal stark, dass sich das aendert, sobald ich auf Tassie bin. Aber nach allem, was ich ueber Tasmanien gehoert habe, brauche ich mir da wohl keine Sorgen zu machen. Im Gegenteil, vielleicht sehe ich sogar etwas Schnee dort...? Heute abend geht's dann zum Hafen runter, von wo aus ich ueber Nacht mit der Faehre "Spirit of Tasmania II" nach Devonport fahre. Dort komme ich morgen frueh um sieben Uhr an und nehme gleich den ersten Bus zum Cradle Mountain, wo morgen Mittag meine Wanderung ueber den Overland Track beginnt. Da freue ich mich schon sehr drauf, auch wenn noch eine Nacht auf einem recht unbequemen "Bus"-Sitz wahrscheinlich auch nicht gerade dazu beitraegt, dass ich besonders ausgeschlafen sein werde...:-)

Ich melde mich dann wieder aus Hobart, wo ich hoffentlich am 12.Januar abends eintreffen werde!
So long, farewell, auf Wiedersehn, good night... (kennt jemand das Lied? Ist aus dem Film "The Sound of Music", spielt in Oesterreich in den 40ern...?).

Monday, January 01, 2007

Sydney


Und schon sind die zehn Tage in Sydney vorbei! Es war so schoen...
Die Stadt hat mir sehr gut gefallen, ich fand, dass es die schoenste aller australischen Staedte ist, die ich bisher besucht habe!
Vor allem, wenn bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel das Wasser im Hafen tiefblau wirkt und im hellen Licht glitzert, daneben das Opernhaus in einem scheinbar reinen Weiss strahlt, umrandet von den sattgruenen Pflanzen des angrenzenden Botanischen Gartens.
Obwohl ich sehr viel von der Stadt gesehen habe, scheint die Zeit doch viel zu kurz gewesen zu sein, da es hier einfach sooo viel gibt, was man unternehmen kann!!!

Am 22.Dezember kam ich aus den Blue Mountains zurueck und habe mir nachmittags die Umgebung des Hostels angeschaut; bin die George Street entlanggelaufen, war bei der Hauptpost, und habe die China- und Thainatown erkundet. Abends war ich mit Tim, einem Amerikaner aus meiner Fraser Island-Gruppe, verabredet, weil es sein letzter Abend in Australien war. Wir sind zusammen am Circular Quay essen gegangen, womit ich schon am ersten Abend Sydney Harbour, Opernhaus und Harbour Bridge, die Ikonen der Stadt, zu sehen bekam.

Der naechste Tag war ausgefuellt mit typischem Touristen-Programm: Sydney Sky Tower, von dem aus die Sicht super war, Botanischer Garten, Parliament House, Old Mint Building, Royal Sydney Hospital, State Library of NSW, Circular Quay, Darling Harbour, ...

Da war es ganz gut, dass ich so viel von den Unternehmungen unter freiem Himmel bereits an diesem Tag abgehakt hatte, denn am 24. regnete es bis nachmittags, und gewitterte sogar um 13 Uhr. Somit ging ich ins Sydney Wildlife World am Darling Harbour, in dem ich mir mal wieder die ganzen null- bis achtbeinigen Australier ansah, und anschliessend ins National Maritime Museum. Hier gefiel mir vor allem die "Endeavour", Captain Cook's Schiff, das im Hafen liegt und begehbar ist. Die Leute muessen frueher wirklich klein gewesen sein!
Ausserdem bekam ich von einem aelteren Herrn, der freiwillig im Museum arbeitet, eine "Fuehrung" durch die Segelyacht, mit der Kay Cottins als erste Frau alleine um die Welt gesegelt ist. Innen war es ganz genauso eingerichtet wie auf der Reise, fast alles war original von damals im Boot geblieben. Das war sehr beeindruckend und spannend, vor allem, da der aeltere Herr mit Freude sehr viele Anekdoten von der Reise erzaehlte.
Nachmittags waren die Strassen der Stadt verstopft, man konnte sich fast nicht mehr bewegen, da unzaehlige Leute ihre Weihnachtseinkaeufe scheinbar in letzter Minute erledigten. Lustig waren die zwei Jungs in der Pitt St Mall, die in Kaenguru-Kostuemen steckten und in den Pfoten Sprungfedern gehabt haben muessen: sie huepften bis zu zwei Meter hoch durch die Fussgaengerzone, sehr zur Belustigung aller Passanten.
Um 16 Uhr ging ich in die St Andrews Cathedral in der Naehe meines Hostels, um dem "Contemporary Christmas Service" beizuwohnen. Es war super! Der Pfarrer trug statt eines Pinguinkostuems einen Anzug, war sehr locker und lustig und hat den Gottesdienst sehr unterhaltsam gestaltet, u.a. mit Anekdoten von Weihnachtsfesten in seiner Jugend.
Auf der "Buehne" begleitete eine Band dieWeihnachtslieder, die gesungen wurden, deren Texte per Beamer auf eine Leinwand geworfen wurden, damit auch ja jeder mitsingen konnte. Wie beim Karaoke! Anschliessend ging der Pfarrer mit einem Mikrofon durch die Kirche und fragte, wer aus Uebersee zu Besuch sei. Es waren erstaunlich viele, und aus jedem vertretenem Land durfte ein Gast "Frohe Weihnachten" in seiner Muttersprache sagen. Das fand ich sehr schoen. Am Ende bekam jeder Besucher eine CD, auf der irgendetwas Weihnachtliches drauf ist (ich habe sie mir noch nicht naeher angeschaut) und Schokolade. Da koennte sich die Kirche in Deutschland mal eine Scheibe von abschneiden;-)
Abends feierte ich Weihnachten im Hostel mit zwei Deutschen aus meinem Zimmer, mit aus Deutschland eingetroffener Weihnachtspost, Keksen, Stollen, Kerzenschein und gesungenen Weihnachtsliedern. Eigentlich schoener als von der CD:-)
Es war nur etwas komisch mit kurzem Rock, T-Shirt und Weihnachtsmannmuetze dazusitzen...
Wir haben bis halb drei morgens gefeiert.


Dementsprechend lange schlief ich dann am 25.12. Viel wollte ich an diesem Tag sowieso nicht unternehmen. Da es sehr warm und sonnig war, beschloss ich, mit dem Bus nach Coogee, einem Sydneyer Stadtteil an der Kueste, zu fahren und den Kuestenwanderweg nach Bondi entlangzulaufen. Es war wunderschoen! Die beste Brandung war in Tamarama, wo auch der Strand sehr schoen war, nicht zu gross und auch nicht voll. Das Wasser war ueberall sehr klar.
Am Bondi Beach war dagegen die Hoelle los, da dort auch eine Party mit schrecklich lauter Techno-Musik stattfand. Lustig war es aber, die Leute in Badesachen, und dann mit Santa-Muetzen oder Rentiergeweihen auf dem Kopf am Strand sitzen zu sehen. Einige sind sogar mit Muetze/Geweih geschwommen!!!

Da der 26.12. in Australien kein Feiertag ist, war alles wieder geoeffnet. An diesem Tag schaute ich mir sehr viel an: Hyde Park, Botanischen Garten, Australian Museum, Martin Place und Australia Square, usw. Genauso am 27.: Chinesischer Garten, Kings Cross, Paddington, Woolloomooloo, sowie das Outback Centre am Darling Harbour. Da um 17 Uhr eine kostenlose Didgeridoo-Show stattfinden sollte, blieb ich solange da. Und das Warten lohnte sich! Es war super! Der Kuenstler erzaehlte viel ueber sich, seine Geschichte und Familie, er erklaerte, wie man Didj spielt, und spielte drei Lieder. Dabei benutzte er seine Stimme und Haende, um Tiere nachzuahmen und somit eine Geschichte zu erzaehlen. Es war einfach klasse. Im Hintergrund liefen auf einer Leinwand Bilder aus dem Outback, vor allem aus dem Northern Territory: Red Centre und Kakadu.
Ausserdem startete am 26.12. das beruehmte "Sydney-to-Hobart Yacht Race", bei dem Segelyachten in drei Tagen um die Wette von Sydney bis ganz runter nach Hobart im Sueden von Tasmanien, um die Wette segeln. So sass ich mit vielen weiteren Menschen unten am Hafen und wartete auf die Yachten, bis wir dann sahen, dass sie viel weiter "draussen" im Hafen starteten! So konnten wir das Ganze nur von Weitem beobachten. Besser als gar nicht, aber angekuendigt war ein Startpunkt viel weiter im Hafeninneren...

28.12.: An diesem Tag sollte Anja, das deutsche Aupair aus Canberra, mit der ich mir seit einigen Monaten E-Mails geschrieben hatte, in Sydney ankommen. Da ich aber nicht wusste, um wieviel Uhr, fuhr ich vormittags zum Strand von Bronte, um eine Runde zu schwimmen. Die Brandung war sehr sehr gut, hohe Wellen und eine ganz gute Stroemung! Ein Stueckchen weiter draussen brachen sich die hoechsten Wellen, sodass ich dort ungefaehr eine Stunde herumschwamm. Nachmittags traf ich dann Anja im Hostel, und zusammen liefen wir an dem Tag noch ein bisschen durch die Stadt, zum Opernhaus und Circular Quay, zu den "Rocks" (dem historischen Stadtteil mit Haeusern aus der Kolonialzeit, direkt unten am Hafen) usw.

Am 29.12. hatten Katja (eine Deutsche aus meinem Hostelzimmer) und ich eigentlich geplant, zusammen abends in den Luna Park (einen Vergnuegungspark) zu gehen, und einige weitere Leute wollten noch mitkommen. Deshalb blieben Anja und ich tagsueber in der Stadt, um nicht zu spaet zurueckzukommen. Da sie noch nicht auf dem Sky Tower, war fuhr sie hinauf, und ich lief in der Zeit so ein bisschen durch die Stadt. Nachmittags waren wir zusammen nochmal in der Didgeridoo-Show, und es war genauso toll wie beim ersten Mal! Da es dann abends jedoch wie aus Eimern goss, fiel der Luna Park wortwoertlich ins Wasser. Daher verbrachten Katja, Anja, Dom (ein Australier) und ich den Abend mit Kartenspielen, u.a. "Wizard", das Katja aus Deutschland mitgebracht hatte und das sehr viel Spass machte!

Also verschoben wir den Luna Park auf den naechsten Abend. Tagsueber fuhren Anja und ich mit der Faehre nach Manly, wo wir uns etwas umsahen und den Strand besuchten. In einem Souvenirladen kaufte Anja sieben Kuschel-Roos, waehrend ich mich draussen ueber einen solarbetriebenen Weihnachtsbaum amuesierte.
Abends war es dann auch trocken, sodass Katja, Anja und ich ueber die Harbour Bridge zum Luna Park spazierten. Mit einem "unlimited rides pass" konnten wir den ganzen Abend mit allen Fahrgeschaeften fahren! Es war spitze, bis auf die Tatsache, dass die beiden anderen gegen zehn Uhr wieder zum Hostel zurueckgingen. Ich blieb noch bis halb zwoelf, um den Pass auszunutzen:-) Vom Riesenrad z.B. hatte man einen tollen Ausblick auf die naechtlich beleuchtete Harbour Bridge, das Opernhaus und die Skyline, was sehr schoen aussah. Und von einem Fahrgeschaeft namens "Extreme Speed Machine" sah man das Ganze staendig ueber Kopf. Das hatte auch was:-)
Es blieb auch tatsaechlich trocken, was wir uns auch fuer den naechsten Tag erhofften.


Hoehepunkt des naechsten Tages, des 31.12., war ganz eindeutig das Feuerwerk um Mitternacht! Da wir das natuerlich nicht verpassen wollten, brauchten wir einen guten Platz, von dem aus man eine uneingeschraenkte Sicht ueber den Hafen, zum Opernhaus und zur Harbour Bridge hin, haben konnte. Dieser Platz fand sich am Mrs Macquaries Point im Botanischen Garten, von dem wir gehoert hatten, dass man schon frueh da sein sollte, um ein Plaetzchen zu finden, da es DER Platz ueberhaupt sei! Nach dem Fruehstueck besuchten wir noch Woolies, um Verpflegung fuer den Tag einzukaufen, und gingen los. Am Eingang zum Botanischen Garten angekommen trauten wir unseren Augen nicht: die Schlange der wartenden Menschen war ca. 600 Meter lang, die komplette Zugangsstrasse entlang! Das wuerde Stunden dauern, da hineinzukommen (da man durch einen security check musste: Alkohol und Glasflaschen waren verboten). Doch ploetzlich kam jemand aus dem vorderen Ende der Schlange heraus auf mich zugelaufen und rief "Inken!". Es war Corinna aus meiner Fraser Island-Gruppe! Wenn das mal kein Glueck war!!! So mussten wir nur noch ca. 40 Minuten warten, statt einiger Stunden, da wir uns natuerlich zu ihrem Grueppchen gesellten... ein anderes Maedchen, das bei Corinna stand, hatte ich auch schonmal getroffen: im Ozzie Pozzie Backpackers in Port Macquarie! Australien ist doch klein...
Im Garten waren noch nicht viele Leute, und wir fanden ein Plaetzchen auf dem Rasen ganz vorne am Wasser, sodass sich niemand mehr vor uns setzen konnte. Jetzt hiess es nur noch, elf Stunden auf das Feuerwerk zu warten...
Um 13 Uhr fing der Countdown mit einem Kanonenschuss von Fort Denison aus an, und stuendlich zur vollen Stunde fand irgendetwas statt, z.B. einige historische Doppeldecker-Flugzeuge, die in Formationen ueber den Hafen flogen, oder abends beleuchtete Segelschiffe, die durch den Hafen fuhren, oder ein Loeschboot, das drei riesige Fontaenen verspritzte. So wurde es nicht langweilig! Nur knallheiss war es, da wir in der prallen Sonne sassen/lagen. Selbst beim einfachen Nichtstun im Liegen floss der Schweiss. Jede kleinste Wolke oder leichteste Brise war da eine willkommene Abwechslung! Gegen 17 Uhr bezog sich dann der Himmel, juhu!!!
Als es dann wirklich so weit war, war das Feuerwerk einfach grandios: abgeschossen von der Harbour Bridge, von verschiedenen Schiffen im Hafen und von Wolkenkratzern in der City... wunderschoen!!! Durch die anderen 24999 Leute um mich herum war die Stimmung auch super, auch wenn es krachend voll war! Es war einfach toll, aber wahrscheinlich: einmal und nie wieder...:-) Direkt vor Mitternacht wurde irgendwie ein Countdown auf den Brueckenpfeiler projiziert, und alle zaehlten laut mit, bis es dann soweit war: 2007!!!
Zusammen mit Silvester wurde auch das 75-jaehrige Jubilaeum der Harbour Bridge gefeiert, das in diesem Jahr faellig ist. Daher stand die Nacht unter dem Motte "A Diamond Night in Emerald City". Um Mitternacht wurde dann gleichzeitig zum Feuerwerk noch ein grosser Diamant aus Leuchtschnueren am Brueckengitter aktiviert.
Da Anja gleich ins Hostel zurueckwollte, um ins Bett zu gehen; ich jedoch nicht, blieb ich noch auf, ging ins Internetcafe und feierte noch mit einigen Maedels aus meinem Zimmer weiter.
Dementsprechend muede war ich auch am naechsten Morgen, da ich erst gegen sechs Uhr im Bett war (aber es wird ja schliesslich nur einmal 2007, nicht wahr:-), und somit hatte ich keine Lust, Neujahr gross was zu unternehmen.
Deshalb fuhr ich nur zum Strand von Tamarama, um ein bisschen in den Wellen zu schwimmen und munter zu werden, was auch klappte! Nachmittags hiess es dann auch schon packen, da ich am naechsten Morgen um 7.45 Uhr nach Canberra weiterfahren wuerde...
Schoen war's in Sydney, aber gleichzeitig freute ich mich auch schon darauf, endlich wieder aus der Grossstadt herauszukommen.