Hier jetzt also die Zweitages-Tour, die ich in meinen Adelaide-Aufenthalt einschob:
Wie schon am Tag zuvor klingelte mein Wecker sehr frueh, da ich um 6.45 Uhr abgeholt werden wuerde. Da Paul allerdings auch so frueh aufstehen musste, um zur Arbeit zu gehen, musste ich nicht alleine fruehstuecken, sodass wir uns gegenseitig etwas aufwecken konnten. Sonst waere ich vermutlich direkt wieder eingeschlafen... Gaehn:-)
(Ich weiss auch nicht, warum das so ist, aber sobald ich in einer Stadt bin, gehe ich automatisch spaeter ins Bett und stehe spaeter wieder auf, als wenn ich in einem kleinen Dorf uebernachte - da passt man sich eher der Natur an. Keine Ahnung, warum...).
Jedenfalls wurde ich dann gegen sieben Uhr von Tom, unserem Tourguide, abgeholt, der einen sehr netten Eindruck machte, was sich waehrend der Tour bestaetigte.
Mit dem Bus ging's die Fleurieu Peninsula runter nach Sueden, bis Cape Jervis, wo die Faehre nach Kangaroo Island abfuhr. Auf der Fahrt lernte ich gleich schonmal ein paar andere der Gruppe kennen: die beiden netten Schweizerinnen Nicole und Tsering, den Kanadier Phil und Yuichi aus Japan.
In Penneshaw auf Kangaroo Island angekommen, fuhren wir mit einem Zwischenstopp an einem Aussichtshuegel (512 Stufen!) direkt zur verlassenen Schaffarm, auf der wir uebernachten wuerden. Toll war's da, richtig laendlich und rustikal. Kangaroo Island ist die drittgroesste Insel Australiens (nach Tasmanien und Melville Island noerdlich des Top End bei Darwin), sodass man sich im Inland durchaus nicht fuehlt, als sei man auf einer Insel.
Was mir auch sehr gut gefiel: die meisten Strassen waren unasphaltiert, was das Gefuehl des Abgeschieden-Seins nochmal verstaerkte.
Nach einem leckeren BBQ-Lunch auf der Farm zeigte Tom uns das Gelaende; wir erspaehten Koalas auf den Baeumen und besuchten das Skelett des, wie Tom erzaehlte, britischen Backpackers Bill, der Opfer einer Dropbear-Attacke geworden war... soll aber wohl schon einige Zeit her sein.
Nachmittags fuhren wir zur Seal Bay und gingen mit einem Fuehrer runter an den Strand, auf dem eine Kolonie von Australian Sea Lions ihr Territorium hat. Toll! Ich habe noch nie Robben, bzw. Seeloewen, von so nah in freier Wildbahn gesehen! Die Bullen waren z.T. wirklich riesig!

Die meisten schliefen, aber ein paar schwammen auch oder rannten auf den Flossen umher. Das sah sehr lustig aus.
Im Anschluss ging's in die 'Little Sahara' zum Sand-boarding. Das war super! Wir kletterten eine Sandduene hinauf und rodelten auf Bodyboards im Liegen oder Sitzen, oder Sandboards (wie Snowboards) im Stehen. Es klappte sogar einigermassen und hat riesigen Spass gemacht! Nur der Schlepplift fehlte:-)
Da wir anschliessend wirklich UEBERALL Sand hatten, fuhren wir zu einem Strand an der Suedkueste der Insel. Das Wasser war angenehm kuehl und die Wellen klasse, ein paar Mal unterschaetzte ich sogar ihre Kraft und wurde gut durchgewirbelt:-) Wooo-hoo!
Danach musste ich vom Salzwasser husten und Yuichi lachte sich kaputt, als ich auf seine Frage, ob ich es getrunken haette, "Yes, but not on purpose" antwortete...:-)
Nach einer schnellen Dusche auf der Farm ging's ans Abendessen-Zubereiten. Wir schnitten Gemuese, und Tom bereitete alles auf dem BBQ zu. Es war ein Bild fuer die Goetter, Tom hinter diesem riesigen Berg Gemuese! Er machte es aber sehr gut und es fiel nichts an der Seite runter! (Ihn fragte ich uebrigens auch nach dem Kometen, und er bestaetigte es mir).
Als es dunkel wurde, fuhren wir zur Kueste, um Pinguine zu gucken. Zwergpinguine, wie ich sie auf Tasmanien bereits gesehen hatte. Zuerst erspaehten wir nur einen, einsam auf einem Felsen sitzend, worauf Tom meinte, die Pinguinkolonie auf Kangaroo Island sei nicht sehr gross... in der Tat! Spaeter sahen wir aber noch ein paar mehr.
Wieder zurueck auf der Farm war ich gerade dabei, mit Nicole und Tsering Tee zu kochen, als Tom fragte, ob jemand Lust auf eine Fahrt uebers Gelaende haette, um Feuerholz zu holen. Natuerlich! Die Fahrt war holprig und sehr lustig, wir waren vier Maedels, die mitgekommen waren, dazu Tom und zwei andere Tourguides, die im Moment allerdings keine Gruppe zu betreuen hatten und wir sie deshalb adoptierten. Als Nicole begeistert "Wallabies" ausrief, als eine ganze Gruppe im Scheinwerferlicht auftauchte, wiederholten die beiden ganz aufgeregt mit Kopfstimme "Oh! Wallabieswallabieswallabies!"
Mit reichlich Feuerholz kamen wir wieder an der Farm an, wo das Lagerfeuer schon angefacht worden war. Am Lagerfeuer spielten wir spaeter 'Twister'. Gut fuer mich, schlecht fuer meine Hose. Tagsueber war irgendwann (vermutlich beim Sandboarden) ein kleines Loch hinten entstanden. Es war wirklich sehr klein gewesen. Beim Twister allerdings hoerte ich bei jeder Verrenkung ein erneutes "Ratsch!". Ich kuemmerte mich nicht weiter darum, dachte aber bei jedem Geraeusch das gleiche...:-)
Das alles ging ja noch, haetten wir anschliessend nicht das 'Box Game' gespielt... "ratsch", "ratsch", "ratsch"! Bei jeder Runde... (mit einer heilen Hose kein Problem, wie alle anderen bewiesen... - hah, jetzt kenn ich noch ein weiteres lustiges Spiel fuer euch:-)
Abends vor dem Schlafengehen traute ich mich dann mir die Hose anzuschauen: der Riss ging jetzt vom Bund hinten bis fast zum Knie runter:-)

Nachts hatten wir die Wahl, im Swag draussen oder im Dorm drinnen zu schlafen. Da fiel die Entscheidung nicht schwer! Nachts fing es sogar an zu regnen, aber wozu hat man denn den Swag. Waere er nicht wasserdicht, koennte man ja gleich nur im Schlafsack schlafen.
Deshalb fuehlte ich mich leicht veraeppelt, als gegen halb drei Daniel aus meiner Gruppe herumging und alle aufforderte, aufzuwachen und ins Trockene zu gehen ("Get up, get up, go inside, it's raining!"). Inzwischen regnete es so stark, dass ich erst dann nass geworden waere, haette ich den Swag verlassen! Deshalb schob ich nur kurz die Haube ueber meinem Kopf zur Seite, antwortete ihm etwas, das ich jetzt nicht wiederhole, und klappte die Haube wieder runter. Morgens entdeckte ich dann allerdings, dass erstaunlich viele seiner Aufforderung nachgekommen waren: wir waren nur noch zu dritt draussen (entgegen der, ich glaube 9 vom Abend).
Nach dem Fruehstueck mit u.a. leckeren Pancakes vom BBQ und nach dem Erspaehen einer Koala-Mama mit Baby in einem Eukalyptusbaum fuhren wir los zum Flinders Chase NP. Erste Attraktion: Remarkable Rocks, die wirklich sehr remarkable und genial waren!

Anschliessend ging's weiter zu einer Kolonie New Zealand Fur Seals am Cape Du Couedic. Goldig! Sie schwammen munter in den gewaltigen Wellen und sprangen manchmal hoch wie Delphine!
Dazu pfiff der Wind dort wahnsinnig stark, aber eigentlich nicht kalt. Ich stand im Top dort (die Jacke wollte ich nicht anziehen, da ich sie mir um die Huefte gebunden hatte, um den Riss zu verdecken;-) und fand es toll, den Wind zu spueren. Auf dem Rueckweg allerdings musste ich ausprobieren, wie es waere, sie als Windfang hinter dem Kopf zu halten. Eine, wie sich herausstellte, schlechte Idee: ich musste sie sofort wieder runternehmen, da ich mich nicht auf den Fuessen halten konnte!
Nachmittags ging's auf die Nordseite der Insel, zu verschiedenen Straenden. Sie waren zwar sehr schoen, hatten aber leider keine Wellen. Nach einer Runde Beach Volleyball gingen wir baden, und ich bekam zum ersten Mal zu spueren, was ein Rip wirklich ist.
Ich lag auf dem Ruecken im Wasser und liess mich treiben, Augen geschlossen, Arme ueber dem Bauch verschraenkt... als ich die Augen oeffnete und hochschaute sah ich, wie die Felsenmole in rasanter Geschwindigkeit in der "falschen" Richtung an mir vorbeizog! Wahnsinn!
In schraeger Richtung zum Strand zurueckzuschwimmen ging aber besser als gedacht.
Und wie unglaublich klar das Wasser dort war! Wir fanden sogar einen Seestern am Boden.
Als ich spaeter (mal wieder als Letzte) das Wasser verliess, sah ich, wie Tom vom Strand aus auf etwas im Wasser zeigte, und alle dorthinsahen: eine kleine dreieckige Rueckenflosse! Suess...
Nach einigen Tierbeobachtungen ging's zurueck nach Penneshaw und zur Faehre aufs Festland. Drueben assen wir auf einer Wiese Fish'n'Chips als Abendessen, bevor wir nach Adelaide zurueckfuhren. Der Blick auf die naechtlich erleuchtete Stadt, als wir ueber den Huegel fuhren, war einfach nur schoen, und wir sahen erstmals die wirklichen Ausmasse der Stadt.

(von links: Yuichi, ich, Tsering, Nicole)
Diese zwei Tage waren sehr, sehr schoen, und ich war froh, die Tour mitgemacht zu haben, da ich vorher lange gezoegert hatte. Aber die Insel ist so schoen und wirklich empfehlenswert, ein Stueck Outback so nah an der Stadt.