Friday, July 27, 2007

Hong Kong und das Ende einer Reise

Mittlererweile bin ich zurueck in Deutschland, und fasse nun von hier aus die letzten Tage meiner Reise zusammen.



Die Ankunft des Cathay Pacific-Fluges in Hong Kong war fruehmorgens, noch vor Sonnenaufgang. Da wir eine der ersten Maschinen ueberhaupt waren, die landeten, ging es bei der Passkontrolle auch schoen schnell. Mein Ziel war nun, den Bahnhof zu finden und ein Ticket in die Stadt zu kaufen.Das war leichter getan als gesagt, da Hong Kongs Flughafen sehr modern und erstklassig beschildert ist. Gluecklicherweise findet man unter den chinesischen Schriftzeichen durchgehend englische Uebersetzungen:-) Der erste Zug wuerde in einer halben Stunde fahren; noch waren die Bahnsteige mit Rolllaeden verbarrikadiert.Puenktlich auf die Minute rollte der Zug, wie die Skyline des Frankfurter Flughafens, hinter Glasscheiben ein. Die Tueren des Zuges befinden sich exakt hinter den Glasschiebetueren, die sich automatisch alle zeitgleich oeffnen.Waehrend der Fahrt daemmert es draussen und ich nehme erstaunt zur Kenntnis, dass die Gegend sehr bergig und sehr gruen ist. Ziemlich hoch und steil sogar, was sich mir da auftut!Mein Zielbahnhof heisst 'Hong Kong'. Die Stadt besteht aus mehreren Teilen: einem Festlandteil, 'Wan Chai', und mehreren Inseln, von denen Hong Kong Island die groesste und wohl auch bedeutsamste ist. Die markante Skyline der Stadt befindet sich dort, sowie auch das Crewhotel der Lufthansa, das ich nun ausfindig machen wollte.

Dem Stadtplan, den ich mir noch am Flughafen zu Eigen gemacht hatte, entnahm ich, dass es vom Bahnhof zum Hotel noch gute drei Kilometer waeren. Das Glueck war auf meiner Seite: am Metrobahnhof wartete ein kostenloser Shuttlebus, der die Passagiere zu ausgewaehlten Hotels chauffierte. Wie nicht anders zu erwarten, stand auch das Crewhotel auf der Liste:-) Etwas fehl am Platze kam ich mir schon vor, als ich in ausgefranster Jeans und Flipflops sowie meinem Drizabone-Outbackmantel und mit Rucksack auf dem Ruecken aus dem Bus ausstieg und auf das noble grosse Gebaeude zusteuerte - und dann auch noch ein geschniegelter Page in weinroter Uniform hinzukam, um mir die in Gold eingefasste Glastuer zu oeffnen und offen zu halten, bis ich durch war! Innen im Hotel fuehrt erstmal eine Rolltreppe hoch zur Lobby, neben der sich Rezeption, Concierge und Bell Captain befinden (ich weiss immer noch nicht genau, wer wofuer zustaendig ist:-). Ich behaupte, gespuert zu haben, wie die Blicke des Personals und der anderen Gaeste meine unangemessene Erscheinung durchbohrten - nachdem ich jedoch an der Rezeption erklaert hatte, ich sei hier mit meinem Vater verabredet, der mittags mit der Lufthansa-Crew aus Frankfurt eintreffen wuerde, war man ausserst zuvorkommend und bot mir an, meinen Rucksack beim Gepaeckaufbewahrungsservice unterzustellen. Dieses Angebot nahm ich gerne an, da der Rucksack mit der Zeit immer schwerer zu werden schien.


Den Vormittags verbrachte ich teils damit, die Umgebung des Hotels zu erkunden, Tai Chi-ausuebende Chinesen in diversen Parks zu beobachten, zu fruehstuecken und mich in den bequemen Sesseln der Hotellobby auszuruhen.Gegen Mittag traf dann die Lufthansa-Crew ein und ich sah Papi nach einem Jahr wieder! Aus den Augenwinkeln hatte ich ihn gerade schraeg hinter mir erspaeht, aber zum Umdrehen blieb mir keine Zeit mehr: er hatte mich bereits von hinten gepackt und hielt mich in seinen Faengen fest. Das war schoen!!! Da er sich nachmittags vom langen Flug ausruhen wollte, erkundete ich nochmal die Gegend und gelangte auf einen chinesischen Markt mit Lebensmitteln, denen man die Herkunft noch deutlich ansah.
Abends fuhren wir mit einem Bus eine enge, steile Bergstrasse hinauf, ueber den Pass und auf der anderen Seite wieder hinunter zu den Stanley Markets. Die Fahrt war wunderschoen, auch wenn die Berge teilweise wolkenverhangen waren und wir auch durch diese hindurchfuhren.Da Hong Kong flaechenmaessig begrenzt ist, baut man dort in die Hoehe. Fuer deutsche Augen sind die hohen Wohnhaeuser bedenklich schlank; wie Schaschlikspiesse ragen sie auf. Einige sehen aus wie der 'Grande Arche' in Paris - die freie Mitte ist ein Feng Shui-Fenster, durch welches die boesen Geister hindurchfliegen koennen, ohne durch die Wohnungen zu muessen und diese so heimzusuchen. Da Hong Kong Island eigentlich nur aus Gebirge besteht, ist der Bauplatz natuerlich begrenzt: frueher muss es wunderschoen ausgesehen haben: das blaue Wasser, dann ein paar Gebaeude, hinter denen steil und hoch die regenwaldbewachsenen Berge aufragten.Heute schuettet man zusaetzlich Land vor der natuerlichen Kueste auf, und das hoechste Gebaeude Hong Kongs erreicht die Hoehe des hoechsten Berggipfels. Wo bleiben da die Dimensionen?
An diesem Abend reservierten wir noch Plaetze fuer morgen in einem Restaurant, in dem ein Teil der Crew 'beggar chicken' essen wollte. Anschliessend fuhren wir mit der Faehre rueber nach Wan Chai, wo wir in einem Restaurant fast an der Spitze eines Wolkenkratzers zu Abend assen. Erst schuettete es wie aus Eimern, aber puenktlich um viertel neun hoerte es auf, und wir konnten die allabendliche 'light show' bestaunen, die sich uns vom Ufer Hong Kong Islands bot: die vielen Gebaeude stahlen sich gegenseitig die Schau (oder ergaenzten sich, wie man's nimmt), indem sie mithilfe von Laserstrahlen unglaubliche Lichteffekte und -spiele erzeugten. Wahnsinn! Nach einer Viertelstunde war das Spektakel vorbei, aber auch die normale bunte und helle Nachtbeleuchtung der Hochhaeuser fesselte immer wieder den Blick des Besuchers.

Am naechsten Morgen fuhren wir erneut mit der Faehre nach Wan Chai, und stiegen dort in die Metro, um den groessten buddhistischen Tempel Hong Kongs zu besuchen. Dort roch es stark nach Raeucherstaebchen; da viele Glaeubige zeitgleich eine ganze Hand voll waehrend des Gebets entzuendeten. Ausserdem fuhren wir oefters mit der einwaggonigen, doppelstoeckigen Strassenbahn, deren einfache Fahrt 20 HKG-Cent kostet, egal, wie weit man faehrt, und deren Fenster sich auch im Obergeschoss oeffnen lassen und aus denen man sich so weit hinauslehnen kann, wie man moechte. Stoert niemanden.Abends ging ein Teil der Crew (wir waren zu acht) 'beggar chicken', Bettlerhuhn, essen. Dazu wird ein Huhn in Alufolie gewickelt und mit Lehm umhuellt, bevor es stundenlang gegart wird. Beim Servieren schlaegt man dann mit einem Hammer die harte Lehmkruste auf und wickelt das Huhn aus. Hat gut geschmeckt, und vor allem war das Fleisch ganz zart! Anschliessend fuhren Papi, der Copilot Helge und ich mit einer Strassenbahn ein steiles Ende zum Victoria Peak hinauf. Von oben hat man einen gigantischen Ausblick ueber die ganze Stadt, die wie ein riesiges Lichtermeer, unterbrochen nur durch das schwarze Wasser des Meeres, zu unseren Fuessen lag.




Zu guter Letzt sahen wir uns noch eine Stunde im Vergnuegungsviertel der Stadt um, bevor wir mit der Strassenbahn zum Hotel zurueck fuhren und in den Sesseln der Lounge einer Live-Band zuhoerten.

19.April. Papi wollte bis zum 'wake-up', dem offiziellen Weckruf fuer die gesamte Crew, ausschlafen, um fuer den langen Flug geruestet zu sein. So lief ich noch ein letztes Mal durch den Grossstadtdschungel von Hong Kong Island, betrachtete ein letztes Mal den berufsverkehrbedingten Stau, schoss noch einige Fotos und besorgte Muffins zum Fruestueck.Dann ging's mit dem Crewbus ab zum Flughafen!

Dort wurde mir aergerlicherweise eine furchtbare Dame aufgehalst, die wohl die Freundin einer Stewardess war und diese begleitet hatte. Jedenfalls war sie schrecklich unbeholfen und konnte kein Englisch, sodass es letztendlich darauf hinauslief, dass ich fuer sie uebersetzen musste. Natuerlich hatte sie dann auch noch einen zerlegten Bilderrahmen dabei, den sie unter gar keinen Umstaenden mit ihrem Koffer zusammen aufgeben wollte, sondern der unbedingt mit in die Kabine sollte.Auf den Hinweis an der Gepaeckkontrolle, dass der Rahmen die zulaessigen Masse ueberschreite und viel zu gross fuer die Kabine sei, reagierte sie nur mit dem dreimaligen Ausruf, sie sei Angehoerige der Crew und das MUESSE ja wohl gehen.Ich uebersetzte ihr, dass wir zurueck zum Check-In gehen und uns eine Sondergenehmigung geben lassen sollten, was sie zuerst ablehnte mit der Begruendung, es sei eine Zumutung, uns zurueckLAUFEN zu lassen, bloss weil hier irgendeine Angestellte nicht akzeptierte, dass Mitglieder der Crew (ihrer Auffassung nach) Sonderrechte haben. Schliesslich ueberzeugte ich sie doch noch, indem ich sagte, die Zeit wuerde knapp und ich selbst wuerde mich gleich zum Gate begeben. Da gab sie nach.
Hatte ich gehofft, sie beim Einsteigen abzuschuetteln, so lag ich falsch. Zwar hatte ich eine Bordkarte fuer die Business Class und sie eine fuer die Eco - das hinderte sie jedoch nicht daran, sich beim BusinessClass-Aufruf ebenfalls einzureihen. Sie habe ja schliesslich eine Bordkarte und deshalb koenne niemand sie am Einsteigen hindern, und ueberhaupt - sie allein bestimme, wann sie das Flugzeug betreten wolle.

Im Flugzeug drin entwischte ich ihr dann, indem ich mich schleunigst die Treppe hinauf verdrueckte, um waehrend des Starts im Cockpit zu sitzen. Spaeter begab ich mich dann zu meinem Sitzplatz, schaute mir diverse Filme an, spielte 'Wer wird Millionaer' auf der Bordkonsole, und lernte Englisch mit einem Anfaenger-Lernprogramm. Jetzt kann ich die Zahlen von eins bis zwanzig und die wichtigsten Saetze, die man waehrend einer Reise braucht. Mit dem Sitz konnte man auch herumspielen, da er sich wie ein Zahnarztstuhl annaehernd in die Waagrechte legen liess:-)
Was ich nur ueberhaupt nicht verstand, war die Sache mit der Zeit: wir waren mittags gestartet (Ortszeit) und sollten um 19.20 Uhr deutscher Zeit, also gegen ein Uhr nachts nach HKG-Zeit, in Frankfurt landen. Ein Tagflug mit spaeter Landung also. Nach dem Start wurde warmes Essen serviert, Mittagessen in meinen Augen. Danach wurden allerdings die Kabinenleuchten ausgeschaltet und die Menschen schlossen die Sonnenblenden an den Fenstern und schliefen!!! Warum??? Ich verstand es nicht - dann waren sie doch abends, wenn wir in Frankfurt landeten, ausgeschlafen!Etwa drei Stunden vor der Landung wurde tatsaechlich Fruehstueck (17 Uhr deutscher Zeit!) serviert! Anschliessend begab ich mich umgehend ins Cockpit, um Europa von oben zu betrachten (unten in der Kabine hatte ich einen Mittelplatz gehabt), und um die Landung im Cockpit zu erleben. Dort erzaehlte ich den dreien erstmal von der, ja, Aufforderung an die Passagiere, sich schlafen zu legen. Sie verstanden es auch nicht. Wie anders sah doch Europa von oben aus, verglichen mit Australien! Wir naeherten uns Frankfurt ueber Moskau, Polen und Berlin. Alles sah so kultiviert, so dicht besiedelt, und vom Ackerbau gepraegt, aus. Waehrend der Landungsvorbereitung begann irgendetwas im Cockpit zu piepen. Ich hatte dieses Geraeusch noch nie gehoert; die Crew aber scheinbar auch nicht, was mich amuesierte:
Captain: "Was piept denn da?"
Copilot: "Keine Ahnung, weisst du es nicht?"
Captain: "Noe, weiss ich jetzt auch nicht."
Somit wurde das Piepen zu seinem Aerger ignoriert, sodass es auch bald wieder schwieg.Ich fand es nur schade, dieses Gespraech nicht aufgezeichnet zu haben, immerhin hatte ich meine Kamera auf dem Schoss. Dafuer drehte ich ein Kurzvideo von der Landung:-)



19 Uhr. Ueberpuenktliche Landung in Frankfurt/Main. Die Passkontrolle geht schnell, da fuer EU-Buerger doppelt so viele Durchgaenge geoeffnet sind wie fuer 'Sonstige'. Hinter der Gepaeckannahme holt mich Mami ab. Aeusserlich hat sie sich in dem einen Jahr ganz schoen veraendert, die Haare sind kinnlang geworden, so kenne ich sie gar nicht:-) Trotzdem erkennen wir uns wieder:-) und schliessen uns in die Arme.

Epilog: "Das Schoenste, was der Mensch hat, ist seine Freiheit." Dieser Satz stand auf einem Willkommensposter, und wenn ich an die Zeit in Australien, in der ich ungebunden war, zurueckdenke, kann ich das nur bestaetigen. Egal, wie man fuer sich selbst Freiheit definiert. Das Eingewoehnen in Deutschland war teilweise recht schwierig, vor allem der Rechtsverkehr war gewoehnungsbeduerftig. An ihn traute ich mich die erste Woche nur mit dem Fahrrad heran, und selbst da war es manchmal verwirrend. Ausserdem war es komisch, dass ploetzlich alle Welt Deutsch sprach. Dass ich oft noch auf Englisch dachte fuehrte dazu, dass mir deutsche Woerter nicht auf Anhieb einfielen. Inzwischen habe ich damit keine Schwierigkeiten mehr, was ich manchmal sogar bedauere.
Auch vermisste ich es, unter Menschen zu sein. Natuerlich kann man ein "normales" Privatleben nie mit einem Leben in Hostels vergleichen, in dem man tagtaeglich neue Leute trifft und immer Menschen da sind, mit denen man sich unterhalten und Erfahrungen austauschen kann.Obwohl ich vieles aus Australien vermisse (in einem Jahr denke ich sicher anders, aber noch sind die Erinnerungen so frisch und lebendig) bin ich dankbar, dass ich eine fremde Kultur so lange und so intensiv erleben durfte.
Auf jeden Fall habe ich viel gelernt, nicht nur, was Daten und Fakten betrifft, sondern vor allem ueber Menschen. Diese Erfahrung vermag ich mit nichts gleichzusetzen, was ich ansonsten bisher erlebt habe.Ich denke, dass man ueberall gluecklich leben kann, solange man sich und seine Umwelt und Mitmenschen respektiert und mit sich selbst zufrieden ist, indem man etwas schafft, das einem einen Weg, ein Ziel und damit einen Sinn gibt.
In diesem Sinne: Hoo-roo, mates!

Thursday, July 26, 2007

Goodbye Australia

Dienstag gab es dann doch keine Ostereier mehr...

Ostermontag war mein letzter Tag in Adelaide. Da es ein hoher australischer Feiertag ist, war die Stadt wie ausgestorben. Und heiss war es, heiss, heiss, heiss! Die Sonne brannte erbarmungslos vom blauen Himmel, sodass man es sich zweimal ueberlegte, ob man draussen spazieren ging oder nicht! Ich unterhielt mich ein bisschen mit Paul und Stefan, einem Deutschen, den ich in Alice Springs kennengelernt hatte, und der jetzt zufaellig auch hier war, bevor ich mit der Strassenbahn nach Glenelg fuhr, um ein erfrischendes Bad im Meer zu nehmen.
Nicht, ohne vorher noch einmal auf die Gefahren des Ozeans hingewiesen zu werden, der bei Glenelg normalerweise spiegelglatt und ohne jede Stroemung ist:-)
Paul:"What are you doing today?"
ich: "I'm going for a swim."
Paul:"Where?"
ich: "In the sea."
Paul:"In Glenelg???!!!"
Ich hebe fragend die Augenbrauen.
Paul:"I hope you're a good swimmer - you know, there are sharks, and the rips are really dangerous - beware, and take care!"
:-)

Das Meer war schoen erfrischend, nur eben, wie gesagt, fehlen aufgrund der geschützten Bucht-Lage jegliche Wellen.
Abends, nach Kartenspielen, Abendessen und einem letzten Mal Apple Pie mit Eis, machte ich einen kleinen Spaziergang um die Haeuser. In einem Restaurant, in dem eine geschlossene Gesellschaft stattfand, spielten zwei Maenner Dudelsack. Es war so schoen, dass ich mich draussen hinsetzte und einfach zuhoerte. Eine vorbeikommende Polizeistreife hielt an und fragte, ob alles in Ordnung sei, weil ich hier draussen im Dunkeln saesse!

Und dann wurde es Dienstag, und es gab keine Ostereier. Ich hatte es naemlich schon total vergessen! Um neun Uhr morgens brachte mich Chris mit dem Hostelbus zum Keswick Rail Terminal, von welchem um zehn Uhr der Indian Pacific nach Sydney abfuhr. Neben mir sass eine aeltere Dame, die bis Broken Hill fuhr, wo wir am fruehen Abend eintreffen wuerden. Die Fahrt war sehr schoen, und als wir endlich in Broken Hill (der "Silver City") eintrafen, stand die Sonne schon tief. Auch hier nahm ich an einer "Off-train tour" teil; mit einem Bus fuhren wir durch die Stadt, bekamen Geschichten zu diversen Bauwerken erzaehlt, und besuchten die Royal Flying Doctor Base. Das Buero mit dem Funkraum sah genauso aus wie das in Alice Springs. Das Besondere hier war, dass sich direkt dahinter der Hangar mit den drei kleinen Flugzeugen befand, in den wir hinein durften! Alle drei Maschinen waren zuhause, was bedeutete, dass momentan alles in Ordnung war.


Waehrend der Ruckfahrt zum Bahnhof sahen wir aus dem Busfenster einen wunderschoenen -fuer mich allerletzten- Outback-Sonnenuntergang! So einen hatte ich das ganze Jahr ueber nicht gesehen: ein in allen nur denkbaren Farben gluehender Himmel, von koenigsblau ueber quietschgelb und knallpink, orange, rot und violett war alles vertreten. Waere es ein gemaltes Bild gewesen, haette ich es vermutlich fuer unnatuerlich und kitschig befunden. Wir stoppten noch kurz an einer Kunstgalerie, da Broken Hill eine fuer ihre Kuenstler beruehmte Stadt ist, aber ich ging nicht hinein; die Ausstellungsstuecke im Schaufenster reichten schon:-)

Nachts naeherte sich der Indian Pacific immer mehr der Kueste, und als ich morgens aufwachte, befanden wir uns schon in den westlichen Auslaeufern der Blue Mountains. Langsam schlaengelte sich der lange Zug durch Schluchten und an Kanten entlang; ueberall stieg von der Kuehle der Nacht Nebel auf; es sah wunderschoen aus. Wir passierten Katoomba, das ich vier Monate zuvor besucht hatte, und erreichten schliesslich um viertel elf Sydney Central.
Der Indian Pacific hatte seine Reise beendet, aber fuer mich sollte es dabei nicht bleiben, ich hatte nicht vor, ganze fuenf Tage in Sydney zu bleiben.

Seit Alice Springs hatte mich dieses Thema beschaeftigt, ich wollte noch moeglichst viel unternehmen. Da ich noch drei verbleibende Tage auf meinem Bahnpass hatte entschloss ich mich, diese auch zu nutzen.
Kaum in Sydney angekommen, begab ich mich ins Country Link-Buero und buchte noch fuer denselben Abend einen Platz im XPT nach Brisbane, Ankunft am naechsten Morgen. Den Tag wuerde ich noch einmal in der Stadt, die ich mittlererweile so gut kannte, verbringen, bevor ich in der darauffolgenden Nacht abermals im Zug, naemlich nach Sydney zurueck, schlafen wollte.
Damit schlug ich zwei Fliegen mit einer Klappe: meinen Bahnpass nutzte ich noch aus, und sparte zudem das Geld fuer zwei Hosteluebernachtungen. Ausserdem stellte ich meinen eigenen Rekord auf: drei Naechte hintereinander im Zug!

Die Zeit bis zum spaeten Nachmittag verbrachte ich in Sydneys Innenstadt; ich holte mir beim General Post Office meine Rueckflugtickets und Post aus Deutschland ab, und buchte drei Naechte im "George", in dem ich auch schon ueber Weihnachten und Silvester gewohnt hatte.
Dann war es Zeit, in den XPT einzusteigen. Diese Strecke kannte ich per Bahn ja noch gar nicht, aber sie war toll. Noerdlich von Sydney wanden sich die Gleise entlang von Bergen umgebenen Seen, durch Tunnel hindurch, bis Newcastle. Ab dann war es dunkel. Gluecklicherweise hatte ich eine Zweierreihe fuer mich; der Waggon war insgesamt recht leer.
Als wir morgens (mit einer Stunde Verspaetung, die mir aber egal war)gegen sieben Uhr Brisbane erreichten, war ich noch nicht annaehernd ausgeschlafen. Meinen grossen Rucksack verstaute ich in einem Schliessfach im Roma St Transit Centre, waehrend ich den kleinen mit in die Stadt nahm.
Es war toll, noch einmal in Brisbane zu sein, die mir vetrauten Strassen entlangzulaufen, am Flussufer spazieren zu gehen, in der Queen St Mall zu sitzen und im Food Court des Myer Centre noch einmal einen frisch gebackenen Cookie von Mrs Fields zu geniessen:-)
Mit meinem gelben Peter Pan-Armband durfte ich kostenlos ins Internet, bis es dann ploetzlich schon wieder Zeit zur Rueckfahrt nach New South Wales wurde. Diesmal fuhr leider kein Zug direkt von Brisbane durch bis Sydney; wir mussten erst mit einem Country Link-Reisebus bis Casino (das liegt kurz hinter der NSW'schen Grenze) fahren und dort auf den XPT nach Sydney warten.

Das Schoene daran war, dass dieser Bus am 'Hyperdome' vorbei, durch Beenleigh, Surfers Paradise und Coolangatta fuhr. So sah ich durch das Busfenster nochmal all jene Orte, an denen so viele Erinnerungen haengen. In Casino angekommen war es schon dunkel, wir hatten drei Stunden gebraucht. Der Zug, so teilte man uns mit, habe eine Stunde Verspaetung. Als er dann nach 20 Minuten in den Bahnhof einfuhr, freuten wir uns. Wir durften jedoch nicht einsteigen. Der Zug, so hiess es, muesse erst gereinigt werden. Nach weiteren 25 Minuten liess man uns hinein. Ich hatte wieder zwei Sitze fuer mich, was nachts ein schoener Luxus ist, da es sich so gleich viel besser schlaeft.

Am Freitag, dem 13. April war ich zurueck in Sydney, checkte im "George" ein, und ging einkaufen. Montag Abend wollte ich versuchen, standby mit Cathay Pacific nach Hong Kong zu fliegen; und bis es so weit war, hatte ich mir noch viel vorgenommen.

Freitag und Samstag machte ich letzte Besorgungen, ging nochmal zur Didgeridoo-Show ins Outback Centre am Darling Harbour, schlenderte durch den Botanischen Garten und unternahm mehrere Versuche, mich bei Qantas und Cathay Pacific zu listen, die aber allesamt fehlschlugen. Bei Cathay, so sagte man mir, solle ich einfach drei Stunden vor Abflug am Schalter auftauchen, das sei dann schon ok. Na, hoffentlich!

Sonntag fuhr ich mit dem Bus nach Bronte, um mich vom Pazifik zu verabschieden. Ich schwamm ueber eine Stunde draussen in der Brandung der grossen Brecher und konnte mich nicht dazu durchringen, zum Strand zurueckzuschwimmen. Da die Sonne jedoch unbarmherzig brannte und ich nicht am letzten Tag -mal wieder- einen Sonnenband vom Schwimmen bekommen wollte, nahm ich schweren Herzens Abschied vom Meer und fuhr zurueck in die Stadt.

Das war auch ganz gut so, denn nach einer notwendigen Dusche, um das Salz abzuspuelen, nahm das Packen dann doch mehr Zeit in Anspruch, als ich gedacht haette.

Als alles soweit fertig war, war es schon dunkel draussen, und ich machte einen Spaziergang; erstens, um etwas zu essen, zweitens, um das naechtlich erleuchtete Sydney zu sehen und zu fotografieren, und drittens, um am Darling Harbour unten noch ein echt australisches Ginger Beer zu trinken. Mein Spaziergang fuehrte mich erst zum Darling Harbour, wo ich bestimmt eine Stunde lang, wie viele andere auch, sass, um einfach nur auf die erleuchtete Skyline zu blicken, und fasziniert das Wetterleuchten zu beobachten, das aus Richtung Port Jackson / Parramatta zu kommen schien.

Weiter ging's durch ein dunkles Industriegebiet zu den 'Rocks', dem Stadtteil, das Sydneys Anfaenge wiederspiegelt. Nachts in den steilen holprigen Strassen der 'Rocks'; da konnte ich mich ploetzlich problemlos in der Handlung von "Abby Lynn" wiederfinden!

Letztendlich kam ich doch noch am Circular Quay heraus, blickte auf das stille, dunkle Wasser des Hafens; auf die Faehren, die noch jetzt fast geraeuschlos in den Circular Quay hineinfuhren, betrachtete das weiss strahlende Opernhaus auf der anderen Seite des Wassers und fragte mich, warum mich Staedte bei Nacht immer wieder faszinieren.



Viel zu schnell war es Montag, ich musste um zehn Uhr auschecken, konnte mein Gepaeck aber zum Glueck in einem Raeumchen abstellen, bis ich abends zum Flughafen musste. Eigentlich hatte ich mit dem Zug dorthin fahren wollen, entdeckte aber noch rechtzeitig ein Schild "Airport Shuttle Bus, 12 AUD".
Die nette Dame an der Rezeption fragte nur, wann ich denn abgeholt werden wolle. Um 22 Uhr sollte das Flugzeug starten, ich war also grosszuegig und sagte, 17 Uhr. Sie regelte alles fuer mich, und ich verbrachte den Tag nochmal in der Innenstadt, u.a. am World Square, im Hyde Park und an Mrs Macquaries Chair im Botanischen Garten, von dem aus man einen wunderschoenen Blick ueber das klare blaue Wasser des Hafens auf Opernhaus vor Harbour Bridge hat. Postkarten-Motiv.

Die letzte Stunde vor Abfahrt sass ich im Hostel am Computer und ueberpruefte noch einmal die Buchungslage fuer meinen Wunschflug nach Hong Kong. Sah soweit ganz gut aus. Puenktlich auf die Minute sammelte mich der Fahrer des Shuttle Busses ein. Anstatt jedoch direkt zum Flughafen zu fahren, klapperten wir ueber eine Stunde lang diverse Hotels in Sydney ab; der Fahrer in konstanter Hoffnung, es wuerden sich doch noch irgendwelche weiteren zahlenden Gaeste finden, die zum Flughafen wollten. So sah ich noch einige Vororte der Stadt. Am Ende gesellte sich dann doch noch eine fuenfkoepfige Familie zu uns, sodass wir dann gegen halb sieben am Sydney Airport aufkreuzten. Gerade richtig, denn bis ich am Schalter war, waren es noch genau die drei Stunden bis zum Abflug, die ich vorher hatte dort sein sollen.

Was die Angestellten von Cathay Pacific allerdings nicht so genau nahmen, sie selbst erschienen naemlich erst um 20 Uhr, um die Check-in-Schalter zu oeffnen. Mit meinem Standby-Ticket wussten sie zuerst nichts anzufangen, bis dann ein netter Herr einfach meinte, ach was, ich check dich jetzt einfach ein, und damit hat sich's, was soll denn der ganze Heckmeck. Und damit hatte ich direkt einen Sitzplatz!

Puenktlich starteten wir in die Nacht hinein, von oben warf ich einen letzten Blick auf das sich entfernende Sydney - die naechsten Stunden wuerden wir noch ueber's australische Outback fliegen, wovon man allerdings nachts nichts sehen konnte. Nur auf den Bildschirmen, auf denen die Flugroute mitverfolgt werden kann, sah ich, wie weit es noch war, bis wir Australien endgueltig hinter uns lassen wuerden.
Mir schlichen sich diverse Lieder in den Sinn, Lieder wie "Home Among the Gum Trees", "And the Band Played Waltzing Matilda", oder "I Still Call Australia Home"; und mir war ploetzlich klar, dass der Abschied von diesem wunderschoenen Land, so schwer er auch fiel, bestimmt nicht fuer immer sein wuerde. Mir wurde ganz leicht ums Herz und ich schaute nach vorne, waehrend wir uns wie ein Vogel im Wind unserem Ziel, Hong Kong, naeherten.

Saturday, April 07, 2007

Wieder mal in Adelaide!

Die letzten Tage in Alice Springs waren noch sehr schoen, auch deshalb, weil ich Mittwoch nicht zum Arbeiten eingeteilt war, und somit meinen letzten Tag in der Stadt frei hatte!



Da ich unbedingt noch in die West McDonnell Ranges fahren wollte, schaute ich mir die Karte im Lonely Planet an und entdeckte einen Fahrradweg mitten durch den Nationalpark, welcher zum Simpsons Gap fuehrte. Da brauchte ich nicht lange zu ueberlegen!

Am naechsten Morgen lieh ich mir also vom Hostel ein Fahrrad aus und fuhr los... zuerst 7km auf der Strasse, dem Larapinta Drive, bis zu Flynns Grave. Das ist ein Gedenkstein fuer den Gruender des Royal Flying Doctor Service. Dort zweigte dann der Fahrradweg in den Nationalpark hinein ab, welcher wunderschoen war. 18km wand er sich durch Wiesen, ueber Huegel, und es war niemand anderes dort!!! Bis zum Simpsons Gap, also 18 km lang, sah ich keine Menschenseele! Nur ein massiges Rotes Kaenguru, welches vor mir ueber den Weg huepfte.



Am Simpsons Gap selbst war auch niemand; eine ganze Stunde lang genoss ich den natuerlichen Spielplatz;-) Felsen hochklettern, Handstandversuche im Sandbett des trockenen Baches, Schweinebaumel an Baeumen - solche Sachen eben;-)


Erst, als ich den Bereich verliess, kamen drei Autos auf einmal an.
Der Rueckweg war sehr anstrengend, weil es einfach unglaublich heiss und trocken war. Man trinkt einen Liter, und nach zehn Minuten ist man schon wieder voellig ausgetrocknet.
Da war es toll, dass ich noch etwas Ablenkung hatte, zB von einem Bearded Dragon (=Batagame), den ich auf einem Baum entdeckte; dann unternahm ich einen Spaziergang auf einen kleinen Aussichtshuegel, und anschliessend rauschte ein "willy willy" direkt durch mich hindurch!




"Willy Willies" sind so eine Art Mini-Wuesten-Tornados, die Blaetter und Sand spiralfoermig in die Luft saugen, aber Tieren und Menschen nichts anhaben koennen. Sieht man im Outback oefters, allerdings war ich so einem noch nie so nahe! Es begann mit einem komischen Fauchen links von mir, und als ich hinschaute, sah ich die vielen aufgewirbelten Blaetter! Das Fauchen wurde immer lauter, und dann fuehlte es sich ca. 2 Sekunden lang so an, als stuende man in einer heftigen Windboe, bevor er auf der rechten Seite des Weges weiterzog. Wahnsinn!

Am Donnerstag hiess es dann Abschied nehmen... und rein in den Ghan, ab nach Adelaide! Leider gibt's auf der Strecke keine Zwischenstopps. Jetzt bin ich noch bis Dienstag hier in Adelaide, und wieder im Backpackers Inn, meinem Lieblings-Hostel. Ich traute ja kaum meinen Augen, als ich Paul und Dennis sah, zwei Englaender, die auch schon vor zwei Monaten hier waren! Es war wieder alles beim Alten, Kartenspiele am Abend, Apple Pie...

Tja, und heute ist Ostersonntag, ich war schon in der Innenstadt auf einem Markt und habe einem Strassenzauberer zugeschaut... heute Morgen war ich in der Kirche, und nachher wird wahrscheinlich wieder Karten gespielt... Dienstag gibt's dann Ostereier;-)

Friday, March 30, 2007

Who the **** is Alice???

Aaaalso, irgendwas stimmt hier nicht!!! Ich bin Alice Springs, in der Mitte von Australien, im zentralsten Outback ueberhaupt; Australien erlebt zur Zeit die schlimmste Duerre seit hundert, wenn nicht sogar seit tausend Jahren - und hier ist es kuehl und regnet haeufig, bzw. es schuettet wie aus Eimern!!! Der Kings Canyon ist ueberflutet und somit gesperrt, der Todd River fuehrt Wasser (der normalerweise das ganze Jahr ueber ausgetrocknet ist), es ist nachts eiskalt, ich wurde in den letzten Tagen oefters bis auf die Haut nass -von einer Sekunde auf die naechste- und von Tag zu Tag schwanken die Temperaturen zwischen 17 und 38 Grad!!!

Heute zum Beispiel war den ganzen Tag strahlend blauer Himmel bei angenehmen 24 Grad - gestern sah das gaaanz anders aus!

Mittlererweile ist die Haelfte meiner Zeit in Alice vergangen. Die letzten zwei Tage konnte ich leider nicht staubsaugen, weil der Sauger krank war: er hat nicht mehr gesaugt, bzw. es kam alles schwungvoll wieder heraus, was ich gerade aufgesaugt hatte. Vielleicht hat er eine Stauballergie und musste staendig niesen... heute jedenfalls war er wieder gesund:-)
Ansonsten mache ich immer im Wechsel einen Tag Baeder sauber, und die anderen Tage wie gesagt staubsaugen, Kueche putzen, und Bar und Restaurant saugen und wischen.
Nebenbei eine Waschmaschine nach der anderen fuellen, mit Handtuechern, Laken, Kopfkissenhuellen... das Ganze dann in den Trockner, wenn es fertig ist, usw...
Und dann die Laken falten!!! Da kommt Freude auf, wenn man das alleine erledigen soll: diese Laken sind naemlich die unpraktischsten, die man sich vorstellen kann: ca 1,50m breit und 3,50m (!) lang!!!

Die Maedels, mit denen ich hier arbeite, sind alle sehr nett, und mit fuenf von ihnen wohne ich zusammen in einem tollen Bungalow grad umme Ecke. Sind alles Britinnen. Sehr angenehm, da ansonsten hier viel zu viele Deutsche herumlaufen:-)

Vorgestern habe ich an einem Didgeridoo-Workshop teilgenommen. Ist ganz schoen schwierig, die Dinger zu spielen! Ansonsten war ich mal bei den Royal Flying Doctors, und habe mich da etwas umgesehen, und auf dem Anzac Hill, dem Aussichtshuegel von Alice Springs. Der Ausblick von oben war total schoen, ueber die Stadt und das Umland mit Bergketten, die sich in der Ferne verlieren - da haette ich am liebsten meine Stiefel angezogen und waere mit Rucksack und Swag losgezogen!


Bis Mittwoch arbeite ich noch, und Donnerstag geht's weiter nach Adelaide, wieder mit dem Ghan. Dort werde ich Ostern hoffentlich wieder in dem tollen Hostel mit Apple Pie verbringen!!!:-)

Tuesday, March 20, 2007

A Town Like Alice

Ich bin wieder aus dem Outback zurueck!
Die letzten drei Tage verbrachte ich im "Roten Herz" Australiens, um Uluru, Kata Tjuta und Watarrka (Kings Canyon). Uluru ist halt... ein Felsen. Ich fand die Olgas (Kata Tjuta) viel beeindruckender: riesige, ca 500m hohe rote Felsendoeme, die ganz steil aufragen, und zwischen denen sich ein toller Weg entlangschlaengelt. Das Tal zwischen den Felsendoemen heisst "Valley of the Winds" und traegt den Namen zu Recht: ausserhalb der Olgas war ueberhaupt kein Wind, aber da drinnen im Tal rauschte er in den Baeumen.




Kings Canyon war auch sehr schoen. Oben entlang des Rims fuehrt ein 6km langer Pfad, der tolle Aussichtspunkte mitnimmt, und unten im Canyon befindet sich ein Wasserloch, umrundet von ganz viel Gruen ("Garden of Eden"). Allerdings war es sehr heiss, wodurch das Laufen recht anstrengend war.




Und wie gesagt - Uluru ist halt ein Felsen. Ich meine, beeindruckend war er schon, so hoch und steil und die verschiedenen Farben, aber irgendwie wird da zu viel Wirbel drum gemacht, und fuer meinen Geschmack ist er viel zu sehr kommerzialisiert.
Allein die vielen Tourbusse, die am Sonnenuntergangsbeobachtungspunkt anhalten, wo dann die Tische mit Glaesern voll Champagner aufgebaut werden, und alle darauf warten, dass der Felsen Chamaeleon spielt und seine Farbe aendert.
Wirklich viel haben wir von der Farbveraenderung nicht gesehen, nur das Rot wurde intensiver. ABER: wir hatten Regen, und was fuer einen!!! Wenn's im Outback erstmal anfaengt, dann aber richtig. DAS war was Besonderes, das Wasser schoss den Felsen runter - Wahnsinn!
Viele aus der Gruppe haben das leider gar nicht geschaetzt, sondern sich beschwert, dass sie nass werden und sich dann erkaelten... in der Waerme!
Und am naechsten Morgen hatten wir genau die richtige Bewoelkung fuer einen kunterbunten Himmel hinter dem Felsen. Das sah wunderschoen aus.



Die zwei Naechte, die wir "da draussen" waren, verbrachten wir im Swag unter freiem Himmel. Die sind sowas von gemuetlich, die Dinger, das glaubt man gar nicht! Abends wurde das Essen immer am/im Lagerfeuer gekocht, und auf dem tragbaren Gasherd. Lecker;-)
Wir hatten Glueck, Wolken zu haben, denn wenn die gerade nicht da waren, war man der Sonne schutzlos ausgeliefert, was bedeutete, 52 Grad. Mit Wolken nur 41 oder 42. Den Unterschied merkt man schon:)
Dann gibt es noch ein sehr informatives Cultural Centre, das den Weissen die Kultur der Anangu, der dortigen Ureinwohner, naeher bringen soll, sodass hoffentlich irgendwann alle einmal verstehen werden, warum man den Felsen nicht besteigen sollte.
Von den vielen Touristen, die alle da hochklettern (und deshalb von den Anangu 'mingas' genannt werden - das heisst Ameisen:-) ist am Aufstieg die ganze rote Farbe ab und es zieht sich eine weisse Linie den Felsen hoch, entlang einer Sicherheitskette zum Festhalten. Sehr haesslich.

Tja, und jetzt bin ich wieder zurueck in Alice Springs und bleibe zwei oder zweieinhalb Wochen hier, um zu arbeiten. Heute habe ich Rollenverteilerin im Hostel "Annie's Place" gespielt - in jede Toilette eine:-) Ansonsten habe ich Baeder geputzt, und morgen darf ich staubsaugen, mit so einem australischen Staubsauger, den man sich auf den Ruecken schnallt. Und wenn ich Glueck habe, kann ich bald abends in der Kueche oder Bar arbeiten.
Jetzt wohne ich -zum ersten Mal seit langer Zeit- nicht mehr in einem Hostel, sondern mit anderen Maedels, die auch im Hostel arbeiten, (wieviele es sind, weiss ich noch nicht so genau) in einem krassen riesigen heruntergekommenen Bungalow. Dort teilen wir uns immer zu zweit ein Zimmer, statt zu sechst oder acht wie in den meisten Hostels, haben eine Waschmaschine, bei der die Muenzen unten wieder rauskommen (kostenlos waschen, muss ich direkt ausnutzen, das letzte Mal konnte ich das auf der Pferderanch in Kalbarri!), eigene Kueche, Bad, Dusche, ein riesiges Sofa, Fernseher, Garten... koennen den Hostelpool benutzen und uns Waschpulver stibitzen:-)
Heute habe ich zwei Dollar in die Waschmaschine gesteckt und es kamen drei wieder raus - wenn das jedes Mal so geht, brauche ich gar nicht zu arbeiten;-)

Ansonsten geniesse ich die Zeit in Alice. Die Stadt gefaellt mir richtig gut, hat einen tollen Outbackcharakter (auch wenn es etwas rau zugeht und man alleine eigentlich gar nicht raus soll - naja). Sogar der Todd River, der fast immer ausgetrocknet ist, fuehrt momentan Wasser, eine Sensation! Da wuerden die Boote der Henley-on-Todd-Regatta gnadenlos versinken, stimmt's, Torsten? Du warst ja letztes Jahr dabei;-)

Machtet jut und jeniesst den Winter:-) Hebt mir mal ein bischen Schnee auf, falls welcher kommt, ok?
P.S.: Von Darwin nach Alice bin ich uebrigens mit dem "Ghan" gefahren, mit dem es auch nach Beendigung der Arbeit weiter nach Adelaide gehen wird. Mir gefiel die Fahrt mit dem Indian Pacific viel besser - lag aber wahrscheinlich auch daran, dass ich mich diesmal nicht schon im Voraus auf die Zugfahrt gefreut habe, weil ich eigentlich gar nicht vom Top End wegwollte... aber das ist eine andere Geschichte;-) In der Katherine Gorge war ich auch beim Halt in Katherine - aber im Gegensatz zu anderen Gorges in zum Beispiel WA war sie nichts Besonderes. Wir sind da mit einem Speedboot durchgefahren, weil der Wasserstand für langsame Boote und Kajaks zu hoch war.

Thursday, March 15, 2007

Kakadu NP & Litchfield NP

Die zwei Tage im Kakadu Park waren schoen - aber gut, dass ich diese Tour vor der Litchfield-Tour gemacht habe, denn im Vergleich dazu war es gar nichts!!!


Das Beste an der Kakadu-Tour war die "Aboriginal Cultural Experience", die wir gleich morgens an einem Strand in der Naehe von Darwin auf dem Programm stehen hatten. Zuallererst wateten wir knietief ins Meer und wuschen Haende und Fuesse (ich versuchte, den Gedanken an Wuerfelquallen zu verdraengen), um der Erde unseren Respekt zu zeigen. Am Strand uebten wir uns anschliessend im Speerwerfen, mit und ohne Speerwerfer. Unglaublich, der Unterschied. Ohne Speerwerfer trudelt der Speer durch die Luft, aber mit fliegt er weit und schnurgerade, wenn man es richtig anstellt. Das Styroporkaenguru in der Ferne hat allerdings niemand getroffen. Anschliessend spielten wir ein bisschen Didgeridoo, bzw versuchten es, bevor uns als Letztes gezeigt wurde, wie die Aboriginals traditionell Schmuck aus Pflanzen und Muscheln herstellen, wobei auch wir Hand anlegen durften.
Als wir schliesslich Richtung Kakadu aufbrechen wollten, fuhr das Auto nicht mehr. Maschin kaputt. Nach ungefaehr einer Stunde bekamen wir ein Ersatzfahrzeug, und es konnte endlich losgehen. Naechster Stopp: Darwin Crocodile Farm. Viele Gehege mit Salties und Freshies, die gerade mit ganzen, allerdings toten, Huehnern bzw Huehnerkoepfen gefuettert wurden. Es war sogar ein Star unter den Salties: Burt,ein Krokodil, das in "Crocodile Dundee" mitgespielt hat! Wiedererkannt habe ich es allerdings nicht;-)

Und dann, endlich, ging es zum Kakadu National Park. Viele Bereiche im Park waren noch aufgrund der Ueberflutungen gesperrt, und aergerlicherweise war der Highway in den Park, der Darwin am naechsten liegt, unpassierbar, da eine Bruecke weggewaschen wurde. Eine Bruecke aus Beton. Also mussten wir einen Umweg fahren, sodass es knappe 4 Stunden dauerte, bis wir am Park ankamen. Wir luden unsere Sachen am Campingplatz des Mary River Roadhouse ab, auf dem wir uebernachten wuerden, assen Mittag und fuhren nachmittags endlich in den Park hinein, zum Nourlangie Rock. Einem grossen Felsen mit viel alter Aboriginal-Malerei. Das war sehr interessant, vor allem, auch die Geschichten hinter den Bildern zu lesen.
Irgendwann begann dann das alltaegliche tropische Gewitter, und es wurde frueh dunkel. Auf der Fahrt zurueck zum Roadhouse sahen wir einige Tatars (?) (=winkende Lizards), und waren zum ersten mal live beim makabren Sport des 'Cane Toad Popping' dabei.

Montag war insgesamt besser, wir wanderten durch den Busch (insgesamt ca 8km) zu zwei Wasserfaellen, in deren Rock Pools wir schwammen. Beim ersten, den Kurrundie Falls, ware eine unheimlich starke Stroemung im Pool. Wir schwammen auf die andere Seite des Pools, von wo aus wir einen perfekten Blick auf den Wasserfall hatten. Das Wasserloch des zweiten Wasserfalls, den Motorcar Falls, war groesser und hatte kaum Stroemung. An einer Stelle konnte man sogar von einem Felsen aus hinein springen, weil es tief genug war und sich keine Felsen im Wasser verbargen. Ich versuchte zweimal, unter den Wasserfall zu schwimmen. Das war sehr schwierig, da, je dichter man sich ihm naeherte, die Stroemung umso staerker wurde. Aber das Schwierigste war, dass ab ca drei Meter vor der Aufprallstelle die Luft so voller Gischt war, dass man kaum vernuenftig Luft holen konnte. Hat sehr viel Spass gemacht!



Im Anschluss ging's noch zu den Boulder Creek Falls, welche am allerschoensten waren. Mehrere kleine Wasserfaelle, die treppenstufenartig hinabfielen, und zwischen denen sich immer ein Pool befand. Man konnte in einem Pool liegen, direkt an der Kante zum naechsten Wasserfall, und ins naechste Wasserloch hinabblicken. Wunderschoen, zumal die Stelle von sattgruenen Pflanzen umwachsen war. Das Allerbeste allerdings war, wieder einmal in normalem Suesswasser zu baden! Ohne Chemikalien, wie das Leitungswasser ueberall, und ohne Salz wie das Wasser in den Hostelpools oder natuerlich das Meer.
Und dann ging's auch schoen wieder die 4 Stunden zurueck nach Darwin, wo wir abends zusammen im Vic Hotel ein kostenloses Backpacker-Essen bekamen und als Gruppe das Pub Quiz gewannen, einen Gutschein fuer Getraenke im Wert von AUD 100;-)
Spaeter gingen wir noch in den Irish Pub zur Karaoke Night.

Tja, und am naechsten Morgen ging's dann in den Litchfield NP! Unser Tourguide Joey war super. Zuerst sahen wir beeindruckende Termitenhuegel, Magnetic Termite Mounds und Cathedral Termite Mounds, bevor es zum ersten Wasserfall, den Wangi Falls ging. Wow! Was da an Wassermassen herunterkam! Schwimmen war leider verboten, da der Pool dieses Wasserfalls in der Regenzeit wohl von Krokos besiedelt ist.


Dafuer badeten wir nach einem leckeren Mittagessen in den Florence Falls und im Buley Rockhole, einem System aus kleinen Wasserfaellen, Wasserloechern und Stromschnellen. Man konnte von einem Wasserloch ins andere klettern, von einem Wasserfall zum anderen... toll. Dort regnete es noch richtig heftig.
Eine Englaenderin und ich waren so begeistert, dass Joey uns Extra-Programmpunkte anbot, waehrend die anderen badeten - eine exzellente Didgeridoo-Stunde in einem Bach im Regenwald, und ein Entspannungsprogramm in einem anderen Bach - super;-) Aber davon erzaehle ich dann lieber persoenlich, sonst fände dieser Eintrag heute kein Ende mehr!

Jetzt ist meine Zeit im Internet vorbei. Morgen geht's fuer drei Tage ins Rote Zentrum zu Uluru, Kata Tjuta und Kings Canyon, und anschliessend wird in Alice Springs fuer ca 2 Wochen gearbeitet - muss sein;-) Liebe Wuestengruesse nach Deutschland!

Friday, March 09, 2007

Darwin

Ich bin in Darwin! Nach einem schoenen Flug mit Fensterplatz, einigen Turbulenzen und 1:15h Verspaetung bin ich am Donnerstag Abend hier gelandet.



Vom Flughafen aus habe ich versucht, die Gecko Lodge anzurufen, in der ich uebernachten wollte. Habe keinen erreicht, aber da es erst 6.15pm war, dachte ich mir nichts weiter und liess mich vom Airport Shuttle-Bus dort absetzen - und stand vor geschlossenen Tueren. Ein Maedchen oeffnete mir zwar das Tor, aber die Rezeption war schon geschlossen! Mist... nach einigem Ueberlegen beschloss ich, die Nacht auf dem Sofa auf der ueberdachten Terrasse zu schlafen. Nach und nach lernte ich an dem Abend die anderen aus dem Hostel kennen, insgesamt ca 12 oder 13. Zwei Aussies, ein Deutscher und ich unterhielten uns schliesslich noch ganz lange und es wurde immer spaeter, sodass ich letztendlich gar nicht mehr "illegal" schlafen musste - wir quatschten bis 6.30 Uhr und um 8 Uhr oeffnete die Rezeption:-) Ausserdem hatten sie mir alle angeboten, in einem freien Bett in ihrem Zimmer zu schlafen.
Jetzt wohne ich also ganz legal in der Gecko Lodge (die ihren Namen zu Recht traegt, da abends haufenweise Geckos zu sehen und hoeren sind - diese schnalzenden, keckernden Geraeusche sind einfach suess), lasse mir jeden Morgen zum Fruehstueck kostenlose Pancakes vom BBQ schmecken und geniesse die Atmosphaere und die beiden suessen Katzen, von denen die eine ein Thea-/Schroeder-Mix ist: Fell, Ohrenhaare und Wesen von Thea, Fellzeichnung von Schroeder).
Darwin gefaellt mir ganz gut, vielleicht auch deshalb, weil ich von Broome als "tropischer Stadt" enttaeuscht war. Aber es ist sehr heiss und schwuel, ueberall wachsen Palmen, und abends entlaedt sich immer ein Gewitter mit heftigstem Regen. Die Temperatur sinkt dann immer mit einem Schlag um 10 Grad, was sehr toll ist.
Gestern und heute schaute ich mich etwas in der Stadt um, am Hafen, und besuchte das "Museum and Art Gallery of the Northern Territory", ein sehr informatives und schoen gestaltetes Museum. Besonders beeindruckend waren "Sweetheart", ein ausgestopftes 5m-Kroko, und eine Ausstellung ueber den Zyklon 'Tracy', der am Weihnachtsabend 1974 ueber Darwin hinwegfegte und quasi nichts Brauchbares von ihr uebrig liess. In einer dunklen Kammer konnte man sich Tonbandaufnahmen des Zyklons anhoeren - und ich ertappte mich einmal selbst dabei, wie ich mich duckte, als scheinbar ein Metalldach neben mir ueber die Stasse geweht wurde.


Morgen geht's fuer zwei Tage in den Kakadu NP (der nach und nach wieder geoeffnet wird, nachdem aufgrund heftigster Stuerme der Park groesstenteils gesperrt war), Dienstag in den Litchfield NP, und Mittwoch fahre ich mit dem 'Ghan' nach Alice Springs, wo ich Donnerstag ankomme (nur 23,5 h diesmal:-).