Thursday, January 04, 2007

Canberra


Die naechsten zwei Tage verbrachte ich also in Canberra. Entgegen der Auskunft, die ich beim Buchen des Tickets nach Canberra erhielt, wurde doch kein Bus auf der Strecke eingesetzt, sondern es fuhr ganz normal der Xplorer-Zug der New South Wales'schen Bahngesellschaft CountryLink. Das war natuerlich schoener als Bus zu fahren! Nach ca. vier Stunden, in denen es fast ununterbrochen regnete, kamen wir in einem wolkenverhangenen Canberra an. Mit dem Bus fuhr ich in die Innenstadt, von wo aus es nur noch zehn Minuten zu Fuss zur Jugendherberge waren.
Nachmittags schaute ich mich ein bisschen in der City um, die durch einen See, den Lake Burley Griffin, zweigeteilt ist. Ich befand mich im Nordteil der City, in dem sich auch alles Leben (soweit man das von Canberra sagen kann:-) abspielt, waehrend sich im Suedteil die vielen wichtigen Gebaeude, die eine Hauptstadt so beherbergt, befinden.

Am naechsten Tag lieh ich mir von der YHA ein Fahrrad aus. Da Canberra so weitlaeufig ist, kann man alles, was ich mir anschauen wollte, zu Fuss gar nicht an einem Tag schaffen. Es dauert ewig, von einem Plaetzchen zum anderen zu kommen! Selbst mit dem Fahrrad war die Zeit knapp. Zuallererst stand das Anzac War Memorial auf der Liste, da es sich am naechsten zum Hostel befand. Ein Riesenteil! Im Innenhof brennt eine ewige Flamme, und an den Waenden des "Kreuzgangs" befinden sich ellenlange Tafeln, auf denen alle australischen Soldaten und andere australische Einsatzkraefte, die in irgendeinem Krieg, an dem Australien beteiligt war, gefallen sind, namentlich aufgelistet sind.
Im Anschluss findet man sich in einem riesigen "Kriegs-"Museum wieder, das sehr interessant, lehrreich, aber auch bedrueckend aufgemacht ist. Zum Beispiel war eine Kulisse aufgebaut, in der man einem getarnten Soldaten finden sollte. Sobald man den Kopf zu weit nach vorne streckte, erklangen direkt neben einem aus einem Lautsprecher Gewehrschuesse. Nach drei Malen hatte ich ihn immer noch nicht entdeckt.
Anschliessend fuhr ich mit dem Fahrrad die Anzac Parade entlang, eine lange, schnurgerade Strasse, entlang welcher sich auch verschiedene Kriegsmahnmaeler befinden (Anzac ist uebrigens die Abkuerzung fuer "Australian and New Zealand Army Corps").
Weiter ging es, vorbei am Carillon, einem Geschenk Englands, am Seeufer entlang und ueber die Bruecke auf die Suedseite der Stadt. Nun standen High Court, Old Parliament House, New Parliament House, das Botschaftsviertel und die National Capital Exhibition auf dem Programm.

Der High Court war nicht besonders interessant, das Old Parliament House schon eher. Es diente von den 20er-Jahren bis in die 80er als Parlamentssitz, und fast alle Raeume waren original erhalten und eingerichtet, und zugaenglich. In einem Zimmer konnte man sich sogar alte Roben und Uniformen anziehen und darin durchs Haus spazieren!
Anders sah es da schon im New Parliament House aus: erstmal eine Sicherheitskontrolle, und innen auch Security-Menschen. Allerdings waren paradoxerweise auch hier Senat und House of Representative-Saal oeffentlich zugaenglich, ohne, dass man dabei von Sicherheitsleuten ueberwacht wurde.
Wer schonmal das australische Regierungsgebaeude im Fernsehen gesehen hat, hat vielleicht bemerkt, dass auf dem Dach die haesslichste Aluminiumkonstruktion befestigt ist, die man sich vorstellen kann. Steht man direkt davor, wirkt sie noch haesslicher und unproportionierter als auf einem Foto! Sie dient dazu, die Aussie-Flagge zu halten... aber da koennte man sich wirklich Schoeneres vorstellen. Wie mir allerdings stolz erzaehlt wurde, ist dies die groesste Aluminiumkonstruktion auf der gesamten Suedhalbkugel. Was fuer eine Ehre:-)

Weiter ging's mit dem Fahrrad durch's Botschaftsviertel. Die meisten waren ganz normale Haeuser, nur China, Malaysia und Suedafrika hatten eine landesspezifische Architektur. Deutschland war auch ganz schoen, aber nichts Besonderes.

Letzter Punkt auf dem Programm war die National Capital Exhibition, eine teilweise interaktive Ausstellung, in der es um die Geschichte und Entstehung Canberras ging. Das meiste war mir im Voraus schon aus Buechern bekannt, aber die Ausstellung war sehr interessant gestaltet. Da fast alles um 17 Uhr seine Pforten schliesst, musste ich das Australian Museum weglassen. Da ich aber schon in Sydney in einem Australian Museum war und sich die Beschreibungen auch sehr stark glichen, war das dann nicht so schlimm.

Was man der Stadt leider anmerkt, ist ihre strikte Erbauung nach Plan. Vor allem dem See sieht man an, dass er kuenstlich geschaffen wurde. Trotzdem gefiel sie mir ganz gut (auch wenn tote Hose herrscht), vor allem, weil so unglaublich viel Gruen dazwischen ist! Sie wirkt wie ein riesiger Park mit ab und zu ein paar Haeusern dazwischen. Ein bisschen hat sie mich an Berlin erinnert, vor allem an Tiergarten.
Hier in Canberra musste ich bisher am haeufigsten schmunzelnd Uebereinstimmungen mit den Schilderungen der Stadt in Bill Bryson's "Fruehstueck mit Kaengurus" feststellen...

Den letzten Tag verbrachte ich groesstenteils im Hostel, bis auf ein paar letzte Einkaeufe vor Tasmanien. Ich musste leider schon um zehn Uhr morgens auschecken, mein Bus fuhr aber erst um 20.30 abends. Die letzte Nacht verbrachte ich im Bus, sah bei Zwischenstopps Wagga Wagga und Albury (welches recht huebsch wirkte) und kam heute morgen um 5.45 Uhr in Melbourne an. Dort sitze ich jetzt in einem Internetcafe in der Elizabeth Street, waehrend mein Gepaeck im Bahnhofsschliessfach auf mich wartet. Hier ist es sehr warm, und fast unertraeglich schwuel, schon seit sieben Uhr morgens! Ich hoffe mal stark, dass sich das aendert, sobald ich auf Tassie bin. Aber nach allem, was ich ueber Tasmanien gehoert habe, brauche ich mir da wohl keine Sorgen zu machen. Im Gegenteil, vielleicht sehe ich sogar etwas Schnee dort...? Heute abend geht's dann zum Hafen runter, von wo aus ich ueber Nacht mit der Faehre "Spirit of Tasmania II" nach Devonport fahre. Dort komme ich morgen frueh um sieben Uhr an und nehme gleich den ersten Bus zum Cradle Mountain, wo morgen Mittag meine Wanderung ueber den Overland Track beginnt. Da freue ich mich schon sehr drauf, auch wenn noch eine Nacht auf einem recht unbequemen "Bus"-Sitz wahrscheinlich auch nicht gerade dazu beitraegt, dass ich besonders ausgeschlafen sein werde...:-)

Ich melde mich dann wieder aus Hobart, wo ich hoffentlich am 12.Januar abends eintreffen werde!
So long, farewell, auf Wiedersehn, good night... (kennt jemand das Lied? Ist aus dem Film "The Sound of Music", spielt in Oesterreich in den 40ern...?).

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