Ich habe wieder Internet!!!:-)
Deshalb fange ich jetzt gleich mal dort an, wo ich aufgehoert habe. Naemlich bei Perth...
Per Telefon wurde die Arbeit auf der Big River Ranch in Kalbarri vereinbart, und am 10.Februar war es dann soweit: ich stieg in den Easyrider-Bus, um die erste Etappe entlang der Westkueste zurueckzulegen.
Nach einigen Stopps in kleinen Orten fuhren wir in den Nambung National Park zu den "Pinnacles". Das sind lustige Sandsteinzapfen unterschiedlicher Groesse, die aus der gelben Sandwueste herausragen.
Weiter ging's ueber Julien Bay und einen Strand mit dem Namen "Hangover Bay", bevor wir nach Geraldton kamen. Die letzte groessere Stadt, in der wir die letzte Ampel fuer die naechsten 5000(!) km sahen. Ein letzter Stopp bei den Pink Lakes, deren Wasser wirklich pinkfarben aussieht. Faszinierend! Schliesslich erreichten wir abends Kalbarri, und zufaellig, als wir gerade am Bottleshop hielten, stieg eine junge Frau aus einem Ute und fragte, wer von uns zur Big River Ranch wolle. Es war Skye, die die Farm leitet, auf der ich arbeiten bzw wwoofen wollte!
Ich warf also meinen Rucksack auif die Ladeflaeche, stieg ein, und ab gings zur Ranch!
Skye war sehr nett, zeigte mir an dem Abend noch ein bisschen die Ranch, fragte nach meiner Reiterfahrung (hm......), und zeigte mir die 32 Pferde und die Katze Whingey.
Die naechsten 2 1/2 Wochen verbrachte ich auf der Ranch, und hatte kaum was zu tun, jedenfalls nichts, was ich wirklich Arbeit nennen wuerde. Morgens und abends fuetterte ich die Pferde (d.h. morgens wurde ein Heuballen ausgerollt, und abends, was laenger dauerte, in 7 grossen Bottichen Kornpampe angeruehrt. Dabei stand ich, mit Maske versehen, mit einem sehr langen, dicken und schweren Wasserschlauch auf der Koppel und spritzte so lange Wasser auf die staubtrockenen Kornhuelsen, bis das Ganze feucht war und keine Staubwolken mehr aufstiegen); und ansonsten war das Einzige, was ich zu tun hatte, Pferde zu satteln, wenn Kunden kamen. Das machte immer am meisten Spass, die Pferde von der Weide zu holen, zu buersten, die Hufe auszukratzen, und sie dann zu satteln. Dann ritten Skye und ich mit den Kunden aus, was sehr viel Spass machte, vor allem, wenn man sah, wie Leute, die noch nie auf einem Pferd gesessen hatten, Spass am Galoppieren hatten (was fast immer der Fall war!)!
Samstags war Sattelclub - da kamen die Kinder aus dem Ort, um etwas ueber Pferde zu lernen, und zu reiten.
Ansonsten konnte ich reiten, so oft ich wollte. Ich ritt viele verschiedene Pferde, aber mein Liebling war Millie, ein richtiges Energiebuendel:-)
Einen Mittwoch hatte ich frei und machte eine Tour in den Kalbarri NP mit, zu den wunderschoenen Schluchten aus rotem Sandstein. In einer fuhren wir Kanu, und ich lernte Kate aus Victoria kennen, die am naechsten Tag mit ihren franzoesischen Freunden auf die Ranch zum Reiten kommen wollte. Das taten sie dann auch, und anschliessend luden sie mich ein, mit ihnen in den Ort zu kommen, erst in den Pub, und dann mit auf den Campingplatz, wo sie uebernachteten. Dort kochte Morgan, der Franzose (und von Beruf Koch:-) ist, ein ganz leckeres Abendessen!
Was noch Spass machte: Skye hatte ein Problem mit wilden Ziegen, die immer in die Scheune einbrachen und die Heuballen auseinandernahmen. Ich durfte immer, wenn ich die Herde sah, diese wegjagen. Das war sehr lustig. Einen Abend kamen zwei Aussies aus dem Ort, schossen eine, nahmen sie auseinander und behielten das "gute" Fleisch fuers BBQ. Die Reste wurden zur "Pit" gebracht, zu der Skye und der eine Aussie mich mitnahmen: mit dem 4WD gings quer durch den Sand zu einer Stelle, die aussah wie der Elefantenfriedhof in "Koenig der Loewen".
Abends sass ich oft in der Kueche, hatte Whingey auf dem Schoss und loeste Kreuzwortraetsel aus australischen Frauenzeitschriften, die im Regal lagen. Mit der Zeit geht es immer besser:-)

Leider war irgendwann auch die Zeit auf der Ranch vorbei, und es ging weiter die Kueste hoch. Ich waere gerne laenger geblieben, und die Pferde (v.a. Millie:-) wuerden mir fehlen...
Der letzte Ritt war noch eine komplette Katastrophe, aber Skye und ich konnten nur darueber lachen, weil wirklich alles schief ging. Dummerweise waren Kunden dabei:)
Waehrend der Zeit in Kalbarri sah ich haufenweise Kaengurus ("Voll die Seuche!"), einen Echidna und ein paar wedge-tailed eagles, einige feral pigs (verwilderte Hausschweine), am letzten Tag euros (Bergkaengurus)...und endlos viele wilde Ziegen...
Einen Nachmittag lief ich zum Fluss runter, quer durch den Busch, schwamm auf die andere Seite, und kletterte dort auf den Castle Rock, von dem aus die Aussicht ueber den Kalbarri NP einfach grandios war. Schade, dass ich keine Kamera dabeihatte.
Mittwoch, den 28.Februar ging es dann weiter... in der Nacht zuvor schwamm ich bei Mondschein ein letztes Mal im Pool der Farm, in den ich jeden Abend nach Beendigung der Arbeit gehuepft war, bevor Skye mich morgens um 6 Uhr in den Ort brachte, wo ich wieder in den Easyrider-Bus einstieg.
An diesem Tag fuhren wir bis Denham. Auf dem Weg hielten wir an zwei "roadhouses" mitten im Nichts (man kann an der Westkueste stundenlang fahren, ohne einem Auto geschweige denn Anzeichen von Zivilisation zu begegnen...toll!), bevor wir die Shark Bay World Heritage Area erreichten. Zuerst wollten wir die Stromatolithen sehen - die waren suess!!! Putzige kleine Fellbuendel mit schwaerzen Knopfaugen und niedlichen kleinen Ohren und Pfoetchen...
Nein, in Wirklichkeit sind es schwarze Felshaufen, die Hinterlassenschaften von abgestorbenen Cyanobakterien. Es gibt nur sehr sehr wenige Gebiete auf der Erde, in denen man sie noch sehen kann. Was daran so besonders ist? Sie waren die ersten Lebensformen auf der Erde, produzierten Sauerstoff ueber Millionen von Jahren, sodass die Atmosphaere entstand und sich weiteres Leben entwickeln konnte. Wenn man ganz genau hinschaute, sah man kleine Luftblaeschen aufsteigen.
Abends gingen wir alle in den Pub von Denham... kein Kommentar dazu, jedenfalls nicht im Blog:-) Nur: die Einheimischen von Denham spinnen total, geben aber ne gute Show ab.
Uebrigens ist Denham "home of the bilby", einer suessen kleinen, vom Aussterben bedrohten, langohrigen Beutelratte. Um diese und viele andere selten gewordene Arten zu schuetzen, laeuft in der Shark Bay das "Project Eden".
Am naechsten Morgen ging's erst frueh rueber nach Monkey Mia zu den weltberuehmten Delphinen. Die begeisterten mich aber nicht sehr, nachdem ich in Adelaide die tolle Delphintour mitgemacht hatte. Vielmehr waren es, wir schon der Name des Ortes sagt, Affen, die dort den Touristen zur Schau gestellt wurden. Weiter ging's an dem Tag bis Coral Bay, einem winzigen Ort in the middle of nowhere. Freitag schnorchelten wir morgens vom Strand aus, da Coral Bay am Ningaloo Reef liegt. Dieses ist das Westkuestenpendant zum Great Barrier Reef an der Ostkueste, aber viel schoener, ueberhaupt nicht kommerzialisiert und daher nicht ueberlaufen, und was das Beste ist: es ist direkt vom Strand aus zu sehen, man muss nicht erst mit Booten rausfahren! Das Schnorcheln in Coral Bay war super; wir sahen viele bunte Fische. Mittags erreichten wir Exmouth, checkten schnell ein, liehen nochmal Schnorchelzeug aus und fuhren in den Cape Range NP zur Turquoise Bay, deren Wasser wirklich tuerkis und glasklar war.

Das Schnorcheln dort war fantastisch, Korallen in allen Farben und Fische jeder Groesse... wow! Viel besser als am Great Barrier Reef!!! Abends glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen, als wir zum Campingplatz zurueckkehrten und ich James, den Idioten von der Great Ocean Road sah... der auch noch am naechsten Tag in unseren Bus einsteigen sollte - was hiess, dass ich ihn mindestens drei Tage am Hals haben wuerrde... grrr... aber meine anderen Reisegefaehrten, die mit mir seit Kalbarri im Bus waren, leisteten gute Arbeit:-) Und er war immer noch die gleiche beleidigte Leberwurst und ignorierte mich zu meiner Freude komplett! Gab nur oefters giftige Kommentare ueber "die Deutschen" ab:-)
Samstag war ein gaaanz langer Tag, wir fuhren zehn Stunden durch's Outback. Klasse. Ausserdem sahen wir ellenlange und schwere Roadtrains - einen anfahren zu sehen war besonders beeindruckend (alle 2 Sekunden ein hoeherer Gang, wobei das Gefaehrt kaum sichtbar an Geschwindigkeit gewann - 18 Gaenge insgesamt!), und in einer sass ich sogar im Fahrerhaeuschen. Abends campten wir in Auski, einem Campingplatz mit Roadhouse in der Naehe von Tom Price. Ich schlief draussen auf dem Rasen statt in einem der grossen Zelte - war fantastisch, besonders der Outback-Sternenhimmel!
Am naechsten Tag besuchten wir den Karijini NP, eine Stunde Fahrtzeit von Auski. Dort wanderten wir in der Dales Gorge, einer wunderschoenen tiefen roten Schlucht. An beiden Enden befand sich je ein Wasserloch, in dem wir schwammen. Besonders toll war, auf Felsvorspruengen zu sitzen und einen der Wasserfaelle auf sich herabprasseln zu lassen -herrlich erfrischend! Der Nationalpark war traumhaft schoen. Auf dem Foto zu sehen ist der Fern Pool, ein Paradies, eine Oase mitten im Nichts.

An diesem Tag ging's noch ueber Port Hedland bis zur Pardoo Cattle Station, wo wir uebernachteten. Und dort erlebten wir einen richtig krassen tropischen Gewittersturm!!! Von einer Sekunde auf die andere heulte der Sturm, und es goss wie aus Bottichen. Dazu wunderschoene riesige Blitze und gewaltiger Donner. Nach 2 Sekunden draussen war man klitschnass, und die Sachen komplett vollgesogen, aber es war herrlich. Als das Gewitter uns noch nicht ganz erreicht hatte, waren wir alle zusammen bei stroemendem Regen im großen Pool, sahen die Blitze und hörten den Donner grollen...
Kleiner Ersatz fuer den Zyklon, der uns um ca 200 km verfehlte... wir hatten alle gehofft, er wuerde unseren Wg kreuzen:-)
Und dann war auch schon der letzte Tag der Easyrider-Tour: wir fuhren nach Broome! Unterwegs hielten wir nur einmal am Eighty Mile Beach, um uns die Fuesse zu vertreten, an einem Roadhouse zum Tanken, und an einem einsamen Rastplatz (Goldwire), auf dem Chris, unser netter Tourguide, ein fast reines Kluempchen Eisenerz aufhob und mir gab. Die Gegend dort ist sehr reich an Bodenschaetzen, und die Bergbauindustrie boomt (schrecklich neudeutsch, was ich hier schreibe...).
Schliesslich erreichten wir nachmittags Broome, sahen den Cable Beach, der in Wirklichkeit gar keinen richtig weissen Sand hat, und verbrachten nach Einchecken etc. sechs Stunden im Pool des Backpacker-Resorts. Es ist hier naemlich richtig heiss und schwuel, selbst das Poolwasser ist eklig warm, aber immer noch besser als die Luft:-)
Die naechsten zwei Tage verbrachte ich in Broome, schaute mir die "Innenstadt" (Chinatown genannt) an (Broome ist ungefaher so gross wie Oestrich alleine..., aber eine der groessten Staedte der Westkueste!), ging zum Town Beach, was aber eher frustrierend war, da man nicht ins Wasser darf (niedliche kleine Wuerfel- und Irukandji-Quallen, und Man-o-wars/Portugiesische Galeeren... ausserdem bin ich wieder in Crocodile Country!!!).
Den Rest der Zeit verbrachte ich mit meinen Easyrider-Gefaehrten im Pool, und abends gingen wir zweimal in den Pub, was immer sehr lustig war.

Das Hostel, der "Kimberley Klub", ist eher ein Resort, mit einem riesigen tropischen Swimmingpool, ueberall Palmen, Bar direkt am Pool, Beach Volleyball-Feld, Badmintonplatz, Haengematten...; richtig toll!
Heute regnet es sehr heftig, schon seit gestern Abend, die ganze Nacht hindurch, und es ist kein Ende absehbar. Teilweise wird sogar die doch eher laute Musik der Bar vom Rauschen des Wassers uebertoent! Vorhin habe ich ausgecheckt, und jetzt warte ich darauf, dass es Zeit wird, zum Flughafen zu gehen, von dem aus gegen 15 Uhr mein Flugzeug nach Darwin abfliegt. Hoffentlich regnet es bis dann nicht mehr so heftig - der Flughafen ist zwar nur 5 min zu Fuss an der naechsten Strassenecke, aber bei dem Regen reicht eine Minute, um triefend nass zu sein!
Ich melde mich wieder aus Darwin!!!