
Die Tage auf der Farm sind vorbei - leider, leider. Von Montag bis Freitag wohnte ich mit den anderen Kursteilnehmern auf einer Farm mitten im Nichts, im Outback von New South Wales. Dort, wo die Hauptverbindungsstrasse ein staubiger steiniger Weg ist, der sich ueber die Huegel windet und wo abends absolute Stille herrscht, wenn die Tiere ruhig sind und auf der Farm alle schlafen.
Sonntag abend fuellte sich die YHA in Tamworth mit der Ankunft des Zuges aus Sydney explosionsartig. Etwa 40 Leute waren wir insgesamt, 20 fuer meinen fuenftaegigen Kurs, und 20, die einen elftaegigen Kurs belegen wuerden.
Montag wurden wir gegen neun Uhr morgens von Tim, dem Boss und Leiter der Kurse, und Besitzer der Farm, in einem kleinen Bus abgeholt. Nach zwei Stopps bei einem Second-Hand-Laden (wo wir Arbeitskleidung kaufen konnten, um unsere normalen Klamotten zu schuetzen) und bei einem "bottle shop" (Drogenverkauf=Alkohol und Zigaretten, da normale Supermaerkte keinen Alkohol verkaufen duerfen. Sollte man auch in Deutschland einfuehren.). Anschliessend ging's erstmal eine halbe Stunde ueber normale Strassen Richtung Farm, dann nochmal eine Dreiviertelstunde ueber eine sehr holprige, unasphaltierte (wie oben beschriebene) "Strasse".
Nachdem wir unser Gepaeck in den Schuppen, in dem wir alle schlafen wuerden, gebracht und uns farmgerecht umgezogen hatten, gab's fuer alle Tee, im Billy-Kessel ueber'm Lagerfeuer gekocht. Nach einer Vorstellungsrunde (Name, Nationalitaet, Reiterfahrung, weitere Reiseplaene) ging's auch schon los. (Uebrigens wurden hier zum ersten mal die Deutschen (wir waren drei) zahlenmaessig uebertroffen: es waren fuenf Hollaender dabei, und sieben Australier. Dazu zwei Daenen und zwei Schweden).
Als erstes bekamen wir jeder "unser" Pferd fuer die Woche zugewiesen, gefolgt von einer Demonstration, wie man Halfter/Geschirr/Sattel an-/auflegt.

Und dann hiess es auch schon, auf die Pferde, fertig, los, und ab ging's. Das kam fuer uns Reitanfaenger etwas ueberstuerzt, da wir quasi keine Ahnung hatten, wie man ein Pferd lenkt, antreibt etc. Zweieinhalb Stunden lang trotteten die Pferde hintereinander her, sodass wir ein Bruchstueck des riesigen Farmareals zu sehen bekamen (und einen Vorgeschmack auf das, was in den naechsten Tagen noch kommen wuerde: vor allem viel Zeit auf dem Ruecken der Pferde).
Nach diesem Ritt war ich von meinem Pferd ("Billy") nicht besonders angetan: er war SO faul und langsam, dass ich staendig irgendwo 100 Meter hinter den anderen entlangzockelte. Zumal ich ja nicht wusste, was man da so macht oder wie man das Pferd dazu bewegt, schneller zu laufen, da ja alle Pferde anders trainiert sind. Mistvieh:-)!
Da die Farmkueche nur aus Kuehlschrank und Waschbecken besteht, wurde alles Essen in extrem schweren, schwarzen gusseisernen Tiegeln ueber'm Lagerfeuer gekocht, das von morgens bis abends brennt. Der letzte, der ins Bett geht, muss es mit Wasser loeschen.
Das Essen war sehr, sehr lecker!!!
Bei Ankunft wurde uns erzaehlt, dass wir entweder im Schuppen schlafen koennten, in dem ca. 18 aus Holz selbstgebaute Doppelstockbetten standen und es auch recht gemuetlich war, oder in swags draussen irgendwo auf der Wiese.
Ein "swag" ist etwas typisch australisches: eine Art Ueberschlafsack aus schwerem, regendichten Canvas, in dessen Boden sich eine dicke Schaumstoffmatte befindet. Da ich, seit ich in Australien bin, in einem solchen schlafen wollte, nahm ich mir vor, gleich in der ersten Nacht draussen zu schlafen (im Schuppen hielt sich zudem die Hitze des Tages sehr gut). Leider konnte ich abends, nach einer gemuetlichen Runde am Lagerfeuer, die swags jedoch nicht finden, sodass ich quasi gezwungen war, auf dem Doppelstockbett zu schlafen.
Am naechsten Morgen, nachdem zwei Farmarbeiter die Pferde auf ihrer riesigen huegeligen Weide mit Gelaende-Motorraedern zusammengetrieben hatten, mussten wir, bewaffnet mit Geschirr oder Halfter, dorthinlaufen und unser Pferd einfangen. Anschliessend zu seinem Platz in der Naehe der Sattelkammer fuehren, striegeln, Hufe ueberpruefen und gegebenenfalls auskratzen, und satteln. Das ging besser, als ich dachte, und mit Hilfe von Bree, einer netten Kursteilnehmerin aus Victoria, die viel Erfahrung mit Pferden hat, war es kein Problem.
So gesattelt und reitfertig liessen wir die Pferde erstmal an ihren Plaetzen, da eine zweistuendige Unterrichtseinheit ueber Natural Horsemanship auf dem Programm stand. Das ueberspringe ich jetzt, da ich es auf Deutsch nicht richtig erklaeren koennte. Genauso wie den Reitstil: in Deutschland unterscheidet man wohl zwischen "Englisch" und "Western" (???), hier reitet man in australischem Stil, der keinem von beiden aehnelt, aber doch Elemente von beiden vereint.
Nach dieser wirklich sehr interessanten Stunde + Reitunterricht bekamen wir gezeigt, wie man die Hufe eines Pferdes mit Hufeisen beschlaegt, bevor wir uns selbst daran versuchen sollten. Mein Part war das Feilen der Hufe. Dazu benutzt man eine riesige Feile, wie man sie fuer Holzarbeiten verwendet. Zum Glueck hielt das Pferd einigermassen still.
Als Naechstes lernten wir, wie man eine Peitsche knallt und ein Lasso benutzt. Das mit dem Knallen habe ich nicht besonders gut hinbekommen, mein Knall war ziemlich leise. Allerdings glaube ich jetzt, nach ein paar unfreiwillig selbst verschuldeten Peitschenhieben, erahnen zu koennen, wie sich die Sklaven und die Straeflinge, die nach Australien transportiert wurden, gefuehlt haben muessen...;-)
Die Arbeit mit dem Lasso war sehr viel angenehmer. Geuebt wurde an einer zweikoepfigen Kuh (einem zwei Meter langen Holzzaun, an dessen Enden je ein Kuhschaedel hing).
Nach dem Mittagessen spielten wir ein paar "Natural Horsemanship"-Spiele mit unserem Pferd, bevor wir losritten. Ueber einen Huegel zu einer riesigen Schafweide, die sich ueber mehrere Huegel und Senken zog). Aufgabe war, die Schafe zusammenzutreiben, und einen Weg entlang zur Strasse, diese entlang, und schliesslich die Herde in einen kleinen Pferch direkt neben den Gebaeuden der Farm, zu treiben. Das hat sehr viel Spass gemacht, und dank des Unterrichts am Vormittag hatte ich mein Pferd besser im Griff. Langsam war es trotzdem, aber ich bekam es dazu, dorthinzulaufen, wo ich es haben wollte;-)
Wir ritten hufeisenfoermig hinter der Herde her, die wir durch Rufen und generellem Laerm vor uns herscheuchten. Wir loesten die Aufgabe, ohne dass ein Schaf ausbuexte.
Im Pferch sollten die Schafe erstmal zur Ruhe kommen, bevor wir uns weiter mit ihnen beschaeftigen wuerden. Fuer uns stand erstmal ein Wettrennen auf dem Programm! Und zwar auf dem Ruecken unserer Pferde. In einer kleinen Arena wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt, und das Ganze sah dann aus wie ein Staffellauf. Ich trieb Billy hart an, denn er fing sogar an zu traben, etwas, das ich vorher noch nie gemacht hatte. Trotzdem gewann die andere Gruppe:)
Anschliessend liessen wir unsere Pferde fuer den restlichen Tag in Ruhe, sattelten sie ab und fuehrten sie auf die Weide zurueck, wo wir sie freiliessen. Wir selbst gingen zum Schafpferch zurueck, und bekamen etwas ueber die Haltung von Schafen erzaehlt, sowie demonstriert, wie man ein Schaf faengt und seine Gesundheit und Alter prueft. Das war sehr lustig und hat riesigen Spass gemacht!!!
Nachdem wir wussten, wie man ein Schaf faengt, mussten wir zwei Tiere aus der Herde herausholen und auf je einen Ute hieven. Dann teilten wir uns auf, sodass auf der Ladeflaeche jeden Utes ein Schaf und ca. zehn Leute sassen, alle bemueht, dass Schaf festzuhalten, da ihm die ganze Situation sichtlich nicht geheuer war. Das ging aber ganz gut, da wir in der tiefen Wolle einen guten Griff hatten.
So fuhren wir ueber die "Strasse" zur naechsten Farm, die Tims (Besitzer und Leiter) Vater gehoert, und wo es ein Schurstall gibt. Zu viert mussten wir je ein Schaf eine schmale Holztreppe hinauftragen. Dann zeigten uns Ivan und Fiona, zwei Angestellte, wie man ein Scaf schert, bevor wir selbst Hand anlegen durften. Am Ende hatten wir in etwa zwei Kubikmeter loser Wolle und zwei sehr viel schlankere, oelig-glibschige Schafe, da sich das Lanolin-Oel scheinbar direkt ueber der Haut befindet. Nun wurde es erst knifflig, denn wir mussten diese glibschigen Schafe erst wieder die Treppe hinuntertragen, und dann versuchen, sie festzuhalten, waehrend wir auf dem Ute zu unserer Farm zurueckfuhren! Am Ende sass ich fast auf dem Schaf drauf;-)
Der Abend endete damit, dass alle Interessierten dabei zusehen konnten, wie ein Schaf geschlachtet und auseinandergenommen wurde. Zum Glueck ging es ganz schnell: Kehle durch und das war's. Das Auseinandernehmen war recht spannend, wie eine Anatomie-Stunde, da wir alles erklaert bekamen. Das Schaf hing kopfueber an einem von der decke des Sheds baumelnden Haken und Ivan, der das Ganze durchfuehrte, machte es mit viel Humor: es wollten nicht alle zusehen (zu seinem Unverstaendnis); er sagte grinsend: "well, take a seat, grab a beer, and enjoy the show!". Zuerst kam das Fell ab, dann wurde der Bauch aufgeschnitten, sodass die Organe zum Vorschein kamen. Als er die Lunge mit einem Stueck Luftroehre herausschnitt, kam gerade Tim vorbei und meinte grinsend, es sei immer ein Riesenspass, wenn jemand die Lungen durch die Luftroehre aufpuste und sie somit atmen liesse. Da von den Teilnehmern keiner wollte, sagte Ryan, ein Backpacker, der seit sechs Wochen auf der Farm arbeitete, er wolle es probieren. Er blies in die Luftroehre wie in einen Strohhalm, und es klappte! Nicht besonders gut, weil Ivan beim Zerlegen ein kleines Loch hineingeschnitten hatte, aber ein bisschen sah man es doch.
Alles endete damit, dass Ivan fragte, wer gut im Baseball oder Tennis sei. Marieke aus Holland meldete sich und somit durfte sie mit einem grossen Messer den Kopf abschlagen, als Leckerbissen fuer die Hunde.
Entgegen unserer Erwartungen gab es an dem Abend kein Schaf zu essen, aber es war wieder sehr lecker, was da ueber'm Feuer fuer uns zubereitet worden war. In dieser Nacht wollte ich nicht im Swag schlafen, da es die ganze Zeit regnete und der Boden sehr aufgeweicht war.
Mittwoch hatten die Pferde ihren Ruhetag. Vormittags stand etwas auf dem Programm, das sich "pasture improvement" nannte, als Verbesserung der Weideflaeche. Wir hatten zwei Optionen, "graben" und "spruehen". Ich dachte mir, ich weiss, wie man graebt, also waehlte ich spruehen, da ich es mir interessanter vorstellte. War es nicht. Drei Stunden lang liefen wir in einer Reihe ueber einen Huegel, hin und her, bewaffnet mit Latexhandschuhen, Gesichtsmaske und einer 5l-Flasche, in der ein pinkfarbenes Gift hin und her schwappte. Trotz der Hitze und des wolkenlosen Himmels (45 Grad in der Sonne?) mussten wir lange Hosen, geschlossene Schuhe und ueber'm T-Shirt etwas Langaermliges tragen. Es war leichter zu ertragen, als ich gedacht hatte. Wahrscheinlich hatte ich mich die letzten zwei Tage schon etwas an die Hitze gewoehnt, die doch sehr viel staerker war als an der Kueste. Aber im Outback ist die Luft auch trockener, sodass es besser zu ertragen ist.
Die Handschuhe bliesen sich richtig auf, da sie voller Wasser waren.
Das Gift war mir auch nicht so geheuer. Opfer waren gelbe Blumen, die, wenn von Pferden gefressen, diese krank machen bzw. die Pferde sogar daran sterben koennen.
Der Nachmittag war schon besser; wir bauten einen Zaun. Zuerst faellten wir einen Baum, schaelten ihn, und stiessen ihn wie einen Schlitten den Hang hinunter. Unten wurde er in drei ca. drei Meter lange Teile zersaegt, die wir auf den Ute hieven mussten. Ganz schoen schwer! Ryan und ich sassen auf den Staemmen, um sie vor'm hin- und herrollen zu bewahren, waehrend die anderen laufen mussten. Dann teilten wir uns in drei Gruppen auf. Meine grub ein Loch in den trockenen, steinharten Lehmboden und steckte anschliessend das groesste der Stammstuecke hinein, womit wir einen Eckpfosten hatten. Die Metall-Zwischenpfosten standen schon. Eine andere Gruppe spannte Draht, und wir bauten noch einen Stuetzpfeiler fuer unseren Pfosten.
An diesem Nachmittag sah ich zum ersten mal eine Rotrueckenspinne ("redback spider").
Dieser Tag war sehr interessant, aber die Arbeit war auch recht hart.
Und in der folgenden Nacht schlief ich zum ersten Mal im Swag. Es war toll, der Sternenhimmel im Outback ist grandios, zumal der Mond erst gegen vier Uhr morgens zum Vorschein kam und alles etwas erhellte. Nachts hoerte man nur ab und zu die Geraeusche der Tiere, sonst war es absolut still. Ab und zu wurde ich von kleinen Regenschauern etwas im Gesicht nass.
Donnerstag war meiner Meinung nach der beste Tag! Nach dem Einfangen, Satteln etc. der Pferde und einiger "Natural Horsemanship"-Spiele ritten wir gleich morgens los (nachdem wir uns Sandwiches fuer's Mittagessen gemacht hatten, das in Form von Picknick ausfallen wuerde). Wir ritten ca. zwei Stunden ueber steile Huegel, bis zu einer verteilten Rinderherde. Nachdem wir uns Dienstag an Schafen probiert hatten, mussten wir heute Rinder zusammentreiben, was um einiges schwieriger war, aber auch sehr viel Spass machte! Und ich war stolz auf Billy, da ich ihn oefters dazu bekam, steile Haenge hochzuklettern, um z.B. ein ausreissendes Kalb zu jagen.
Wir trieben die Herde ungefaehr drei Stunden vor uns her, zu einem abgelegenen Pferchsystem. Dort war unsere erste Aufgabe, nachdem sich die ganze Herde im gleichen Pferch befand, die Kaelber von den ausgewachsenen Kuehen zu trennen und in einen anderen, angrenzenden Pferch zu treiben. Mit dicken Stoecken bewaffnet machten wir uns ans Werk. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis es geschafft war. Nachdem wir die Kaelber in einem abgesonderten Pferch hatten, ueberprueften wir ihre Augen. Diejenigen mit Anzeichen einer Krankheit bekamen ein Puder in die Augen gestreut, dass die Heilung verbessern sollte.
Nach dem Mittagessen erzaehlte Tim uns ueber die Haltung von Rindern, ueber verschiedene Rassen und Krankheiten.
Naechster Punkt der Tagesordnung war ein Lasso-Wettkampf, bei dem wir echte Kaelber benutzten. Erste Aufgabe war, das Lasso aus drei Metern Entfernung ueber den Kopf des Kalbes zu werfen, zweite Aufgabe, aus vier Metern, und dritte Aufgabe war, ein rennendes Kalb zu fangen. Ich kam bis zur Runde drei, das rennende Kalb fing ich leider nur an den Hinterbeinen, nicht am Kopf;-)
Anschliessend lernten wir etwas, das sich calf wrestling nennt. Zu zweit mussten wir ein Kalb einfangen und auf die Seite auf den Boden legen. Das ist sehr schwer, und diese Kaelber sind staerker und schwerer, als man vielleicht denkt. Bree und ich nahmen uns zusammen eins vor, ich war am Schwanz, Bree am Kopf. Ich zog am Schwanz und stemmte meine Hacken in den Boden, und trotzdem zog mich das Kalb ein paar Meter weit, bis Bree den Kopf herumdrehte, ich die lose Haut an den Flanken ergriff und wir auf "drei" das Kalb hochhievten, in der Luft drehten, und auf die Seite warfen. Das muss sehr lustig ausgesehen haben. Bei den anderen war es zumindest so, und solange man zuschaute, war man nur am Lachen;-) Aber es macht dann fast noch mehr Spass, es selbst zu tun!
Nachdem jedes Zweierteam ein Kalb "besiegt" hatte, wurden einige der Kaelber in der gleichen Position gebrandmarkt und einige kastriert. Woraufhin Marieke (Krankenschwester) sagte, in dem Menschenkrankenhaus, in dem sie im OP arbeitet, machten sie es ganz genauso wie hier bei den Kaelbern...
Nach einer Demonstration, wie Hunde trainiert werden und wie sie Kuehe zusammentreiben, ritten wir nach einem langen Tag zurueck zur Farm. Zwoelf Stunden waren wir unterwegs gewesen.
Abends durfte, wer wollte, die ueber'm Feuer gebratenen Kalbshoden probieren. Schmeckte ein bisschen wie das schwabbelige Fett an Steaks. Nicht besonders gut, aber auch nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte. In dieser Nacht schlief ich wieder draussen im Swag.
Freitag regnete es morgens in Stroemen. Als erstes mussten wir sattel, Zaumzeug und alles, was aus Leder ist, mit geschmolzenem Lammfett (woher kam das nur....) einoelen, um es vor dem Bruechigwerden zu schuetzen. Dann fragte Tim uns, ob wir wieder picknicken wollten, da es sein koennte, dass es bis mittags regnete, oder ob wir mittags zur Farm zurueckkommen wollten. Auf die Frage: "Who wants to have lunch in the rain?" meldeten sich Marieke, Bree und ich, auf die Gegenfrage nur zwei andere, und der Rest hatte keine Meinung. Also picknickten wir wieder. Nach einigen Spielen mit unserem Pferd (wie jeden Tag) ritten wir los, wieder ca. zwei Stunden lang, bis zu einem Wasserloch. Dort durfte, wer wollte, sein Pferd schwimmen. Es hatte aufgehoert zu regnen, war auch nur gemaessigt warm, aber ich wollte es ausprobieren. Wir waren zu fuenft.
Etwas weigerte sich Billy schon, aber dann ging es. Ich musste rueckwaerts ins Wasser laufen, Billy am Zuegel haltend, und ihn bis zur Mitte locken, wo es so tief war, dass er schwimmen musste. Mit einer Hand hielt ich die Zuegel und fuehrte ihn, mit der anderen krallte ich mich in seiner Maehne fest und schwamm nebenher. Es war toll, erfrischend und eine einzigartige Erfahrung! Zweimal durften wir es machen, bevor wir Mittag assen.
Anschliessend ritten wir zur Farm von Tims Vater, auf deren Gelaende wir ein paar Spiele auf dem Ruecken der Pferde spielten. Wir teilten uns wieder in unsere beiden Gruppen vom Dienstag auf. Erstes Spiel war im Slalom um fuenf Stangen herum, und geradeaus wieder zurueck. Wieder wie Staffellauf. Diesmal gewannen wir. Beim "geradeaus zurueck" trieb ich Billy so sehr an, dass er wieder trabte! Juhu:-)!
Das dritte und letzte Spiel, das den Gewinner entscheiden wuerde, war sehr knifflig. In vier hintereinander aufgestellten, hohlen Stangen steckte ein kleiner Stock drin. Zuerst mussten wir geradeaus zur letzten Stange reiten, den Stock herausziehen, zurueck zur ersten, darum herum, wieder zur letzten, den Stock hineinstecken. Von dort aus zur vorletzten Stange, das gleiche Spiel, dann zur zweiten, das gleiche Spiel, bis zur ersten. Dann war der Naechste dran.
Da ich jetzt wusste, dass Billy einfach nur faul war, aber sehr wohl schneller konnte, nahm ich ihn wieder hart ran und konnte sogar einiges an Zeit herausholen, was meine Vorgaengerin vergeudet hatte (sie war auch deutsch, sehr willenlos und antriebslos, sass bei jedem Ritt nur auf dem Ruecken ihres Pferdes aber tat nichts, lenkte es nicht, trieb es nicht an, nichts. Und dann meinte sie immer nur mit monotoner Stimme :"I don't know what my horse is doing now."). Das Rennen war sehr, sehr knapp, aber am Ende gewann unsere Gruppe!
Der Nachmittag war optional, entweder konnten wir zur Farm zurueckreiten, unser Pferd versorgen und uns dann dort ausruhen, oder wir konnten nochmal zwei Stunden mit Tim reiten gehen, und dabei wuerden Trab und Galopp eingegliedert werden. Ratet, wozu ich mich entschloss...:-) Ich verstand nicht, dass nur acht Leute, davon vier erfahrene Reiter, mitkamen! Ich haette mich glaube ich gelangweilt, wenn ich den Nachmittag einfach nur auf der Farm herumgesessen haette! Und es hat einen Riesenspass gemacht!!!!! Das glaubt man gar nicht! Trab war schwieriger als Galopp, weil man sich dem Rythmus des Pferdes anpassen und sich in den Steigbuegeln auf und ab druecken musste. Beim Galopp stand man die ganze Zeit in den Steigbuegeln und stuetzte sich mit den Haenden auf dem Nacken des Pferdes ab.
Es war einfach toll, auch wenn ich den Stock, den ich zum Antreiben des faulen Billy hatte, benutzen musste, damit er galoppierte! Dann hielt er aber die ganze Strecke durch!!!
Im Schritt ritten wir zurueck zur Farm, von wo aus es mit dem Bus zurueck nach Tamworth ging. Es war sehr schade, die Farm und die Einsamkeit/Abgeschiedenheit zu verlassen, denn es war dort wunderschoen. Spaeter unterhielt ich mich mit Wendy aus Holland darueber, die es ganz genauso empfand.
Nach einer (notwendigen!) Dusche im Hostel (alles war staubig, staubig, staubig!) ging die Gruppe mit Ausnahme der zwei anderen Deutschen im noblen Services Club essen. All you can eat-Buffet! Lecker!!! Vor allem das Dessert-Buffet... *schleck*
Nach dem Essen gingen wir noch in zwei verschiedene Pubs, erzaehlten, und erlebten das Tamworther Nachtleben. Diese Nacht war sehr kurz, da um 3.30 Uhr mein Wecker klingelte, weil ich zum Bus laufen musste, der mich in sieben Stunden nach Sydney bringen wuerde. Zum Glueck war er, wie schon auf der Hinfahrt, sehr leer, da sich nicht viele Backpacker auf die Inlandroute verirren, sondern an der Kueste bleiben. Somit hatte ich eine ganze Viererreihe fuer mich und konnte mich zum Schlafen lang hinlegen.
Der Sonnenaufgang aus dem Busfenster war wunderschoen, und vormittags fuhren wir sogar durch Nebel und vorbei an Huegeln, in denen die Wolken ganz schwer, tief und grau hingen und scheinbar nicht loskamen.
Um 13.20 Uhr erreichten wir Sydney und als ich aus dem Busfenster den ersten Blick auf die Skyline und besonders den Sydney Tower warf, ueberkam mich ein sehr seltsames Gefuehl, als ob ich das alles kannte...
Jetzt ist meine Internet-Nutzungszeit fast vorbei, sodass ich ueber Sydney einen neuen Artikel verfassen werde... vielleicht morgen...oder uebermorgen...