Friday, July 27, 2007

Hong Kong und das Ende einer Reise

Mittlererweile bin ich zurueck in Deutschland, und fasse nun von hier aus die letzten Tage meiner Reise zusammen.



Die Ankunft des Cathay Pacific-Fluges in Hong Kong war fruehmorgens, noch vor Sonnenaufgang. Da wir eine der ersten Maschinen ueberhaupt waren, die landeten, ging es bei der Passkontrolle auch schoen schnell. Mein Ziel war nun, den Bahnhof zu finden und ein Ticket in die Stadt zu kaufen.Das war leichter getan als gesagt, da Hong Kongs Flughafen sehr modern und erstklassig beschildert ist. Gluecklicherweise findet man unter den chinesischen Schriftzeichen durchgehend englische Uebersetzungen:-) Der erste Zug wuerde in einer halben Stunde fahren; noch waren die Bahnsteige mit Rolllaeden verbarrikadiert.Puenktlich auf die Minute rollte der Zug, wie die Skyline des Frankfurter Flughafens, hinter Glasscheiben ein. Die Tueren des Zuges befinden sich exakt hinter den Glasschiebetueren, die sich automatisch alle zeitgleich oeffnen.Waehrend der Fahrt daemmert es draussen und ich nehme erstaunt zur Kenntnis, dass die Gegend sehr bergig und sehr gruen ist. Ziemlich hoch und steil sogar, was sich mir da auftut!Mein Zielbahnhof heisst 'Hong Kong'. Die Stadt besteht aus mehreren Teilen: einem Festlandteil, 'Wan Chai', und mehreren Inseln, von denen Hong Kong Island die groesste und wohl auch bedeutsamste ist. Die markante Skyline der Stadt befindet sich dort, sowie auch das Crewhotel der Lufthansa, das ich nun ausfindig machen wollte.

Dem Stadtplan, den ich mir noch am Flughafen zu Eigen gemacht hatte, entnahm ich, dass es vom Bahnhof zum Hotel noch gute drei Kilometer waeren. Das Glueck war auf meiner Seite: am Metrobahnhof wartete ein kostenloser Shuttlebus, der die Passagiere zu ausgewaehlten Hotels chauffierte. Wie nicht anders zu erwarten, stand auch das Crewhotel auf der Liste:-) Etwas fehl am Platze kam ich mir schon vor, als ich in ausgefranster Jeans und Flipflops sowie meinem Drizabone-Outbackmantel und mit Rucksack auf dem Ruecken aus dem Bus ausstieg und auf das noble grosse Gebaeude zusteuerte - und dann auch noch ein geschniegelter Page in weinroter Uniform hinzukam, um mir die in Gold eingefasste Glastuer zu oeffnen und offen zu halten, bis ich durch war! Innen im Hotel fuehrt erstmal eine Rolltreppe hoch zur Lobby, neben der sich Rezeption, Concierge und Bell Captain befinden (ich weiss immer noch nicht genau, wer wofuer zustaendig ist:-). Ich behaupte, gespuert zu haben, wie die Blicke des Personals und der anderen Gaeste meine unangemessene Erscheinung durchbohrten - nachdem ich jedoch an der Rezeption erklaert hatte, ich sei hier mit meinem Vater verabredet, der mittags mit der Lufthansa-Crew aus Frankfurt eintreffen wuerde, war man ausserst zuvorkommend und bot mir an, meinen Rucksack beim Gepaeckaufbewahrungsservice unterzustellen. Dieses Angebot nahm ich gerne an, da der Rucksack mit der Zeit immer schwerer zu werden schien.


Den Vormittags verbrachte ich teils damit, die Umgebung des Hotels zu erkunden, Tai Chi-ausuebende Chinesen in diversen Parks zu beobachten, zu fruehstuecken und mich in den bequemen Sesseln der Hotellobby auszuruhen.Gegen Mittag traf dann die Lufthansa-Crew ein und ich sah Papi nach einem Jahr wieder! Aus den Augenwinkeln hatte ich ihn gerade schraeg hinter mir erspaeht, aber zum Umdrehen blieb mir keine Zeit mehr: er hatte mich bereits von hinten gepackt und hielt mich in seinen Faengen fest. Das war schoen!!! Da er sich nachmittags vom langen Flug ausruhen wollte, erkundete ich nochmal die Gegend und gelangte auf einen chinesischen Markt mit Lebensmitteln, denen man die Herkunft noch deutlich ansah.
Abends fuhren wir mit einem Bus eine enge, steile Bergstrasse hinauf, ueber den Pass und auf der anderen Seite wieder hinunter zu den Stanley Markets. Die Fahrt war wunderschoen, auch wenn die Berge teilweise wolkenverhangen waren und wir auch durch diese hindurchfuhren.Da Hong Kong flaechenmaessig begrenzt ist, baut man dort in die Hoehe. Fuer deutsche Augen sind die hohen Wohnhaeuser bedenklich schlank; wie Schaschlikspiesse ragen sie auf. Einige sehen aus wie der 'Grande Arche' in Paris - die freie Mitte ist ein Feng Shui-Fenster, durch welches die boesen Geister hindurchfliegen koennen, ohne durch die Wohnungen zu muessen und diese so heimzusuchen. Da Hong Kong Island eigentlich nur aus Gebirge besteht, ist der Bauplatz natuerlich begrenzt: frueher muss es wunderschoen ausgesehen haben: das blaue Wasser, dann ein paar Gebaeude, hinter denen steil und hoch die regenwaldbewachsenen Berge aufragten.Heute schuettet man zusaetzlich Land vor der natuerlichen Kueste auf, und das hoechste Gebaeude Hong Kongs erreicht die Hoehe des hoechsten Berggipfels. Wo bleiben da die Dimensionen?
An diesem Abend reservierten wir noch Plaetze fuer morgen in einem Restaurant, in dem ein Teil der Crew 'beggar chicken' essen wollte. Anschliessend fuhren wir mit der Faehre rueber nach Wan Chai, wo wir in einem Restaurant fast an der Spitze eines Wolkenkratzers zu Abend assen. Erst schuettete es wie aus Eimern, aber puenktlich um viertel neun hoerte es auf, und wir konnten die allabendliche 'light show' bestaunen, die sich uns vom Ufer Hong Kong Islands bot: die vielen Gebaeude stahlen sich gegenseitig die Schau (oder ergaenzten sich, wie man's nimmt), indem sie mithilfe von Laserstrahlen unglaubliche Lichteffekte und -spiele erzeugten. Wahnsinn! Nach einer Viertelstunde war das Spektakel vorbei, aber auch die normale bunte und helle Nachtbeleuchtung der Hochhaeuser fesselte immer wieder den Blick des Besuchers.

Am naechsten Morgen fuhren wir erneut mit der Faehre nach Wan Chai, und stiegen dort in die Metro, um den groessten buddhistischen Tempel Hong Kongs zu besuchen. Dort roch es stark nach Raeucherstaebchen; da viele Glaeubige zeitgleich eine ganze Hand voll waehrend des Gebets entzuendeten. Ausserdem fuhren wir oefters mit der einwaggonigen, doppelstoeckigen Strassenbahn, deren einfache Fahrt 20 HKG-Cent kostet, egal, wie weit man faehrt, und deren Fenster sich auch im Obergeschoss oeffnen lassen und aus denen man sich so weit hinauslehnen kann, wie man moechte. Stoert niemanden.Abends ging ein Teil der Crew (wir waren zu acht) 'beggar chicken', Bettlerhuhn, essen. Dazu wird ein Huhn in Alufolie gewickelt und mit Lehm umhuellt, bevor es stundenlang gegart wird. Beim Servieren schlaegt man dann mit einem Hammer die harte Lehmkruste auf und wickelt das Huhn aus. Hat gut geschmeckt, und vor allem war das Fleisch ganz zart! Anschliessend fuhren Papi, der Copilot Helge und ich mit einer Strassenbahn ein steiles Ende zum Victoria Peak hinauf. Von oben hat man einen gigantischen Ausblick ueber die ganze Stadt, die wie ein riesiges Lichtermeer, unterbrochen nur durch das schwarze Wasser des Meeres, zu unseren Fuessen lag.




Zu guter Letzt sahen wir uns noch eine Stunde im Vergnuegungsviertel der Stadt um, bevor wir mit der Strassenbahn zum Hotel zurueck fuhren und in den Sesseln der Lounge einer Live-Band zuhoerten.

19.April. Papi wollte bis zum 'wake-up', dem offiziellen Weckruf fuer die gesamte Crew, ausschlafen, um fuer den langen Flug geruestet zu sein. So lief ich noch ein letztes Mal durch den Grossstadtdschungel von Hong Kong Island, betrachtete ein letztes Mal den berufsverkehrbedingten Stau, schoss noch einige Fotos und besorgte Muffins zum Fruestueck.Dann ging's mit dem Crewbus ab zum Flughafen!

Dort wurde mir aergerlicherweise eine furchtbare Dame aufgehalst, die wohl die Freundin einer Stewardess war und diese begleitet hatte. Jedenfalls war sie schrecklich unbeholfen und konnte kein Englisch, sodass es letztendlich darauf hinauslief, dass ich fuer sie uebersetzen musste. Natuerlich hatte sie dann auch noch einen zerlegten Bilderrahmen dabei, den sie unter gar keinen Umstaenden mit ihrem Koffer zusammen aufgeben wollte, sondern der unbedingt mit in die Kabine sollte.Auf den Hinweis an der Gepaeckkontrolle, dass der Rahmen die zulaessigen Masse ueberschreite und viel zu gross fuer die Kabine sei, reagierte sie nur mit dem dreimaligen Ausruf, sie sei Angehoerige der Crew und das MUESSE ja wohl gehen.Ich uebersetzte ihr, dass wir zurueck zum Check-In gehen und uns eine Sondergenehmigung geben lassen sollten, was sie zuerst ablehnte mit der Begruendung, es sei eine Zumutung, uns zurueckLAUFEN zu lassen, bloss weil hier irgendeine Angestellte nicht akzeptierte, dass Mitglieder der Crew (ihrer Auffassung nach) Sonderrechte haben. Schliesslich ueberzeugte ich sie doch noch, indem ich sagte, die Zeit wuerde knapp und ich selbst wuerde mich gleich zum Gate begeben. Da gab sie nach.
Hatte ich gehofft, sie beim Einsteigen abzuschuetteln, so lag ich falsch. Zwar hatte ich eine Bordkarte fuer die Business Class und sie eine fuer die Eco - das hinderte sie jedoch nicht daran, sich beim BusinessClass-Aufruf ebenfalls einzureihen. Sie habe ja schliesslich eine Bordkarte und deshalb koenne niemand sie am Einsteigen hindern, und ueberhaupt - sie allein bestimme, wann sie das Flugzeug betreten wolle.

Im Flugzeug drin entwischte ich ihr dann, indem ich mich schleunigst die Treppe hinauf verdrueckte, um waehrend des Starts im Cockpit zu sitzen. Spaeter begab ich mich dann zu meinem Sitzplatz, schaute mir diverse Filme an, spielte 'Wer wird Millionaer' auf der Bordkonsole, und lernte Englisch mit einem Anfaenger-Lernprogramm. Jetzt kann ich die Zahlen von eins bis zwanzig und die wichtigsten Saetze, die man waehrend einer Reise braucht. Mit dem Sitz konnte man auch herumspielen, da er sich wie ein Zahnarztstuhl annaehernd in die Waagrechte legen liess:-)
Was ich nur ueberhaupt nicht verstand, war die Sache mit der Zeit: wir waren mittags gestartet (Ortszeit) und sollten um 19.20 Uhr deutscher Zeit, also gegen ein Uhr nachts nach HKG-Zeit, in Frankfurt landen. Ein Tagflug mit spaeter Landung also. Nach dem Start wurde warmes Essen serviert, Mittagessen in meinen Augen. Danach wurden allerdings die Kabinenleuchten ausgeschaltet und die Menschen schlossen die Sonnenblenden an den Fenstern und schliefen!!! Warum??? Ich verstand es nicht - dann waren sie doch abends, wenn wir in Frankfurt landeten, ausgeschlafen!Etwa drei Stunden vor der Landung wurde tatsaechlich Fruehstueck (17 Uhr deutscher Zeit!) serviert! Anschliessend begab ich mich umgehend ins Cockpit, um Europa von oben zu betrachten (unten in der Kabine hatte ich einen Mittelplatz gehabt), und um die Landung im Cockpit zu erleben. Dort erzaehlte ich den dreien erstmal von der, ja, Aufforderung an die Passagiere, sich schlafen zu legen. Sie verstanden es auch nicht. Wie anders sah doch Europa von oben aus, verglichen mit Australien! Wir naeherten uns Frankfurt ueber Moskau, Polen und Berlin. Alles sah so kultiviert, so dicht besiedelt, und vom Ackerbau gepraegt, aus. Waehrend der Landungsvorbereitung begann irgendetwas im Cockpit zu piepen. Ich hatte dieses Geraeusch noch nie gehoert; die Crew aber scheinbar auch nicht, was mich amuesierte:
Captain: "Was piept denn da?"
Copilot: "Keine Ahnung, weisst du es nicht?"
Captain: "Noe, weiss ich jetzt auch nicht."
Somit wurde das Piepen zu seinem Aerger ignoriert, sodass es auch bald wieder schwieg.Ich fand es nur schade, dieses Gespraech nicht aufgezeichnet zu haben, immerhin hatte ich meine Kamera auf dem Schoss. Dafuer drehte ich ein Kurzvideo von der Landung:-)



19 Uhr. Ueberpuenktliche Landung in Frankfurt/Main. Die Passkontrolle geht schnell, da fuer EU-Buerger doppelt so viele Durchgaenge geoeffnet sind wie fuer 'Sonstige'. Hinter der Gepaeckannahme holt mich Mami ab. Aeusserlich hat sie sich in dem einen Jahr ganz schoen veraendert, die Haare sind kinnlang geworden, so kenne ich sie gar nicht:-) Trotzdem erkennen wir uns wieder:-) und schliessen uns in die Arme.

Epilog: "Das Schoenste, was der Mensch hat, ist seine Freiheit." Dieser Satz stand auf einem Willkommensposter, und wenn ich an die Zeit in Australien, in der ich ungebunden war, zurueckdenke, kann ich das nur bestaetigen. Egal, wie man fuer sich selbst Freiheit definiert. Das Eingewoehnen in Deutschland war teilweise recht schwierig, vor allem der Rechtsverkehr war gewoehnungsbeduerftig. An ihn traute ich mich die erste Woche nur mit dem Fahrrad heran, und selbst da war es manchmal verwirrend. Ausserdem war es komisch, dass ploetzlich alle Welt Deutsch sprach. Dass ich oft noch auf Englisch dachte fuehrte dazu, dass mir deutsche Woerter nicht auf Anhieb einfielen. Inzwischen habe ich damit keine Schwierigkeiten mehr, was ich manchmal sogar bedauere.
Auch vermisste ich es, unter Menschen zu sein. Natuerlich kann man ein "normales" Privatleben nie mit einem Leben in Hostels vergleichen, in dem man tagtaeglich neue Leute trifft und immer Menschen da sind, mit denen man sich unterhalten und Erfahrungen austauschen kann.Obwohl ich vieles aus Australien vermisse (in einem Jahr denke ich sicher anders, aber noch sind die Erinnerungen so frisch und lebendig) bin ich dankbar, dass ich eine fremde Kultur so lange und so intensiv erleben durfte.
Auf jeden Fall habe ich viel gelernt, nicht nur, was Daten und Fakten betrifft, sondern vor allem ueber Menschen. Diese Erfahrung vermag ich mit nichts gleichzusetzen, was ich ansonsten bisher erlebt habe.Ich denke, dass man ueberall gluecklich leben kann, solange man sich und seine Umwelt und Mitmenschen respektiert und mit sich selbst zufrieden ist, indem man etwas schafft, das einem einen Weg, ein Ziel und damit einen Sinn gibt.
In diesem Sinne: Hoo-roo, mates!

Thursday, July 26, 2007

Goodbye Australia

Dienstag gab es dann doch keine Ostereier mehr...

Ostermontag war mein letzter Tag in Adelaide. Da es ein hoher australischer Feiertag ist, war die Stadt wie ausgestorben. Und heiss war es, heiss, heiss, heiss! Die Sonne brannte erbarmungslos vom blauen Himmel, sodass man es sich zweimal ueberlegte, ob man draussen spazieren ging oder nicht! Ich unterhielt mich ein bisschen mit Paul und Stefan, einem Deutschen, den ich in Alice Springs kennengelernt hatte, und der jetzt zufaellig auch hier war, bevor ich mit der Strassenbahn nach Glenelg fuhr, um ein erfrischendes Bad im Meer zu nehmen.
Nicht, ohne vorher noch einmal auf die Gefahren des Ozeans hingewiesen zu werden, der bei Glenelg normalerweise spiegelglatt und ohne jede Stroemung ist:-)
Paul:"What are you doing today?"
ich: "I'm going for a swim."
Paul:"Where?"
ich: "In the sea."
Paul:"In Glenelg???!!!"
Ich hebe fragend die Augenbrauen.
Paul:"I hope you're a good swimmer - you know, there are sharks, and the rips are really dangerous - beware, and take care!"
:-)

Das Meer war schoen erfrischend, nur eben, wie gesagt, fehlen aufgrund der geschützten Bucht-Lage jegliche Wellen.
Abends, nach Kartenspielen, Abendessen und einem letzten Mal Apple Pie mit Eis, machte ich einen kleinen Spaziergang um die Haeuser. In einem Restaurant, in dem eine geschlossene Gesellschaft stattfand, spielten zwei Maenner Dudelsack. Es war so schoen, dass ich mich draussen hinsetzte und einfach zuhoerte. Eine vorbeikommende Polizeistreife hielt an und fragte, ob alles in Ordnung sei, weil ich hier draussen im Dunkeln saesse!

Und dann wurde es Dienstag, und es gab keine Ostereier. Ich hatte es naemlich schon total vergessen! Um neun Uhr morgens brachte mich Chris mit dem Hostelbus zum Keswick Rail Terminal, von welchem um zehn Uhr der Indian Pacific nach Sydney abfuhr. Neben mir sass eine aeltere Dame, die bis Broken Hill fuhr, wo wir am fruehen Abend eintreffen wuerden. Die Fahrt war sehr schoen, und als wir endlich in Broken Hill (der "Silver City") eintrafen, stand die Sonne schon tief. Auch hier nahm ich an einer "Off-train tour" teil; mit einem Bus fuhren wir durch die Stadt, bekamen Geschichten zu diversen Bauwerken erzaehlt, und besuchten die Royal Flying Doctor Base. Das Buero mit dem Funkraum sah genauso aus wie das in Alice Springs. Das Besondere hier war, dass sich direkt dahinter der Hangar mit den drei kleinen Flugzeugen befand, in den wir hinein durften! Alle drei Maschinen waren zuhause, was bedeutete, dass momentan alles in Ordnung war.


Waehrend der Ruckfahrt zum Bahnhof sahen wir aus dem Busfenster einen wunderschoenen -fuer mich allerletzten- Outback-Sonnenuntergang! So einen hatte ich das ganze Jahr ueber nicht gesehen: ein in allen nur denkbaren Farben gluehender Himmel, von koenigsblau ueber quietschgelb und knallpink, orange, rot und violett war alles vertreten. Waere es ein gemaltes Bild gewesen, haette ich es vermutlich fuer unnatuerlich und kitschig befunden. Wir stoppten noch kurz an einer Kunstgalerie, da Broken Hill eine fuer ihre Kuenstler beruehmte Stadt ist, aber ich ging nicht hinein; die Ausstellungsstuecke im Schaufenster reichten schon:-)

Nachts naeherte sich der Indian Pacific immer mehr der Kueste, und als ich morgens aufwachte, befanden wir uns schon in den westlichen Auslaeufern der Blue Mountains. Langsam schlaengelte sich der lange Zug durch Schluchten und an Kanten entlang; ueberall stieg von der Kuehle der Nacht Nebel auf; es sah wunderschoen aus. Wir passierten Katoomba, das ich vier Monate zuvor besucht hatte, und erreichten schliesslich um viertel elf Sydney Central.
Der Indian Pacific hatte seine Reise beendet, aber fuer mich sollte es dabei nicht bleiben, ich hatte nicht vor, ganze fuenf Tage in Sydney zu bleiben.

Seit Alice Springs hatte mich dieses Thema beschaeftigt, ich wollte noch moeglichst viel unternehmen. Da ich noch drei verbleibende Tage auf meinem Bahnpass hatte entschloss ich mich, diese auch zu nutzen.
Kaum in Sydney angekommen, begab ich mich ins Country Link-Buero und buchte noch fuer denselben Abend einen Platz im XPT nach Brisbane, Ankunft am naechsten Morgen. Den Tag wuerde ich noch einmal in der Stadt, die ich mittlererweile so gut kannte, verbringen, bevor ich in der darauffolgenden Nacht abermals im Zug, naemlich nach Sydney zurueck, schlafen wollte.
Damit schlug ich zwei Fliegen mit einer Klappe: meinen Bahnpass nutzte ich noch aus, und sparte zudem das Geld fuer zwei Hosteluebernachtungen. Ausserdem stellte ich meinen eigenen Rekord auf: drei Naechte hintereinander im Zug!

Die Zeit bis zum spaeten Nachmittag verbrachte ich in Sydneys Innenstadt; ich holte mir beim General Post Office meine Rueckflugtickets und Post aus Deutschland ab, und buchte drei Naechte im "George", in dem ich auch schon ueber Weihnachten und Silvester gewohnt hatte.
Dann war es Zeit, in den XPT einzusteigen. Diese Strecke kannte ich per Bahn ja noch gar nicht, aber sie war toll. Noerdlich von Sydney wanden sich die Gleise entlang von Bergen umgebenen Seen, durch Tunnel hindurch, bis Newcastle. Ab dann war es dunkel. Gluecklicherweise hatte ich eine Zweierreihe fuer mich; der Waggon war insgesamt recht leer.
Als wir morgens (mit einer Stunde Verspaetung, die mir aber egal war)gegen sieben Uhr Brisbane erreichten, war ich noch nicht annaehernd ausgeschlafen. Meinen grossen Rucksack verstaute ich in einem Schliessfach im Roma St Transit Centre, waehrend ich den kleinen mit in die Stadt nahm.
Es war toll, noch einmal in Brisbane zu sein, die mir vetrauten Strassen entlangzulaufen, am Flussufer spazieren zu gehen, in der Queen St Mall zu sitzen und im Food Court des Myer Centre noch einmal einen frisch gebackenen Cookie von Mrs Fields zu geniessen:-)
Mit meinem gelben Peter Pan-Armband durfte ich kostenlos ins Internet, bis es dann ploetzlich schon wieder Zeit zur Rueckfahrt nach New South Wales wurde. Diesmal fuhr leider kein Zug direkt von Brisbane durch bis Sydney; wir mussten erst mit einem Country Link-Reisebus bis Casino (das liegt kurz hinter der NSW'schen Grenze) fahren und dort auf den XPT nach Sydney warten.

Das Schoene daran war, dass dieser Bus am 'Hyperdome' vorbei, durch Beenleigh, Surfers Paradise und Coolangatta fuhr. So sah ich durch das Busfenster nochmal all jene Orte, an denen so viele Erinnerungen haengen. In Casino angekommen war es schon dunkel, wir hatten drei Stunden gebraucht. Der Zug, so teilte man uns mit, habe eine Stunde Verspaetung. Als er dann nach 20 Minuten in den Bahnhof einfuhr, freuten wir uns. Wir durften jedoch nicht einsteigen. Der Zug, so hiess es, muesse erst gereinigt werden. Nach weiteren 25 Minuten liess man uns hinein. Ich hatte wieder zwei Sitze fuer mich, was nachts ein schoener Luxus ist, da es sich so gleich viel besser schlaeft.

Am Freitag, dem 13. April war ich zurueck in Sydney, checkte im "George" ein, und ging einkaufen. Montag Abend wollte ich versuchen, standby mit Cathay Pacific nach Hong Kong zu fliegen; und bis es so weit war, hatte ich mir noch viel vorgenommen.

Freitag und Samstag machte ich letzte Besorgungen, ging nochmal zur Didgeridoo-Show ins Outback Centre am Darling Harbour, schlenderte durch den Botanischen Garten und unternahm mehrere Versuche, mich bei Qantas und Cathay Pacific zu listen, die aber allesamt fehlschlugen. Bei Cathay, so sagte man mir, solle ich einfach drei Stunden vor Abflug am Schalter auftauchen, das sei dann schon ok. Na, hoffentlich!

Sonntag fuhr ich mit dem Bus nach Bronte, um mich vom Pazifik zu verabschieden. Ich schwamm ueber eine Stunde draussen in der Brandung der grossen Brecher und konnte mich nicht dazu durchringen, zum Strand zurueckzuschwimmen. Da die Sonne jedoch unbarmherzig brannte und ich nicht am letzten Tag -mal wieder- einen Sonnenband vom Schwimmen bekommen wollte, nahm ich schweren Herzens Abschied vom Meer und fuhr zurueck in die Stadt.

Das war auch ganz gut so, denn nach einer notwendigen Dusche, um das Salz abzuspuelen, nahm das Packen dann doch mehr Zeit in Anspruch, als ich gedacht haette.

Als alles soweit fertig war, war es schon dunkel draussen, und ich machte einen Spaziergang; erstens, um etwas zu essen, zweitens, um das naechtlich erleuchtete Sydney zu sehen und zu fotografieren, und drittens, um am Darling Harbour unten noch ein echt australisches Ginger Beer zu trinken. Mein Spaziergang fuehrte mich erst zum Darling Harbour, wo ich bestimmt eine Stunde lang, wie viele andere auch, sass, um einfach nur auf die erleuchtete Skyline zu blicken, und fasziniert das Wetterleuchten zu beobachten, das aus Richtung Port Jackson / Parramatta zu kommen schien.

Weiter ging's durch ein dunkles Industriegebiet zu den 'Rocks', dem Stadtteil, das Sydneys Anfaenge wiederspiegelt. Nachts in den steilen holprigen Strassen der 'Rocks'; da konnte ich mich ploetzlich problemlos in der Handlung von "Abby Lynn" wiederfinden!

Letztendlich kam ich doch noch am Circular Quay heraus, blickte auf das stille, dunkle Wasser des Hafens; auf die Faehren, die noch jetzt fast geraeuschlos in den Circular Quay hineinfuhren, betrachtete das weiss strahlende Opernhaus auf der anderen Seite des Wassers und fragte mich, warum mich Staedte bei Nacht immer wieder faszinieren.



Viel zu schnell war es Montag, ich musste um zehn Uhr auschecken, konnte mein Gepaeck aber zum Glueck in einem Raeumchen abstellen, bis ich abends zum Flughafen musste. Eigentlich hatte ich mit dem Zug dorthin fahren wollen, entdeckte aber noch rechtzeitig ein Schild "Airport Shuttle Bus, 12 AUD".
Die nette Dame an der Rezeption fragte nur, wann ich denn abgeholt werden wolle. Um 22 Uhr sollte das Flugzeug starten, ich war also grosszuegig und sagte, 17 Uhr. Sie regelte alles fuer mich, und ich verbrachte den Tag nochmal in der Innenstadt, u.a. am World Square, im Hyde Park und an Mrs Macquaries Chair im Botanischen Garten, von dem aus man einen wunderschoenen Blick ueber das klare blaue Wasser des Hafens auf Opernhaus vor Harbour Bridge hat. Postkarten-Motiv.

Die letzte Stunde vor Abfahrt sass ich im Hostel am Computer und ueberpruefte noch einmal die Buchungslage fuer meinen Wunschflug nach Hong Kong. Sah soweit ganz gut aus. Puenktlich auf die Minute sammelte mich der Fahrer des Shuttle Busses ein. Anstatt jedoch direkt zum Flughafen zu fahren, klapperten wir ueber eine Stunde lang diverse Hotels in Sydney ab; der Fahrer in konstanter Hoffnung, es wuerden sich doch noch irgendwelche weiteren zahlenden Gaeste finden, die zum Flughafen wollten. So sah ich noch einige Vororte der Stadt. Am Ende gesellte sich dann doch noch eine fuenfkoepfige Familie zu uns, sodass wir dann gegen halb sieben am Sydney Airport aufkreuzten. Gerade richtig, denn bis ich am Schalter war, waren es noch genau die drei Stunden bis zum Abflug, die ich vorher hatte dort sein sollen.

Was die Angestellten von Cathay Pacific allerdings nicht so genau nahmen, sie selbst erschienen naemlich erst um 20 Uhr, um die Check-in-Schalter zu oeffnen. Mit meinem Standby-Ticket wussten sie zuerst nichts anzufangen, bis dann ein netter Herr einfach meinte, ach was, ich check dich jetzt einfach ein, und damit hat sich's, was soll denn der ganze Heckmeck. Und damit hatte ich direkt einen Sitzplatz!

Puenktlich starteten wir in die Nacht hinein, von oben warf ich einen letzten Blick auf das sich entfernende Sydney - die naechsten Stunden wuerden wir noch ueber's australische Outback fliegen, wovon man allerdings nachts nichts sehen konnte. Nur auf den Bildschirmen, auf denen die Flugroute mitverfolgt werden kann, sah ich, wie weit es noch war, bis wir Australien endgueltig hinter uns lassen wuerden.
Mir schlichen sich diverse Lieder in den Sinn, Lieder wie "Home Among the Gum Trees", "And the Band Played Waltzing Matilda", oder "I Still Call Australia Home"; und mir war ploetzlich klar, dass der Abschied von diesem wunderschoenen Land, so schwer er auch fiel, bestimmt nicht fuer immer sein wuerde. Mir wurde ganz leicht ums Herz und ich schaute nach vorne, waehrend wir uns wie ein Vogel im Wind unserem Ziel, Hong Kong, naeherten.