Blue Mountains

Am 17.12. fuhr ich also mit einem Doppelstockzug von Sydney nach Katoomba, einem gemuetlichen ruhigen Dorf in den Blue Mountains. Die Fahrt dauerte ca. zwei Stunden und war nicht besonders aufregend. Bis auf die Tatsache, dass man die Lehnen der Sitze individuell ueber die gesamte Sitzflaeche hinwegschieben konnte, sodass man selbst entscheiden konnte, ob man vorwaerts oder rueckwaerts faehrt!
In Katoomba quartierte ich mich in der "Blue Mountains YHA" ein. Diese war sehr schoen und haeuslich; sie schien auf Wanderer ausgerichtet zu sein.
Sonntag deckte ich mich nur im Supermarkt mit Verpflegung fuer die Woche ein (endlich lohnte es sich mal wieder, selbst zu kochen, da ich laenger als eine oder zwei Naechte blieb!) und schaute mich ein bisschen im Dorf um. Dabei kam ich zu dem Schluss, dass mir Katoomba gefiel. Es wirkte wie ein Ueberbleibsel aus vergangenen Jahrzehnten, mit aeltlichen verblichenen Laden- und Haeuserfronten, nostalgischen roten englischen Telefonzellen, einem richtigen "Landbaecker" etc...
Abends, als es dunkel war, lief ich zum Echo Point, um die "Three Sisters" anzuschauen, die dann beleuchtet sein sollten. Die "Three Sisters" sind drei nebeneinander stehende Sandsteinfelstuermchen, um die es eine Sage bzw Legende der Aboriginals gibt, und die wohl die bekannteste Sehenswuerdigkeit der Blue Mountains sind. An diesem Abend wirkten sie nicht sehr imposant, die "Scheinwerfer" waren sehr schwach, und im fahlen Licht sah man nicht so sehr viel. Trotzdem war der Spaziergang in der angenehm kuehlen und frischen Abendluft sehr schoen.
Am naechsten Tag unternahm ich wieder nicht viel, ausser, mir die 'Three Sisters' bei Tageslicht anzuschauen. Und siehe da: im rechten Licht wirkten sie viel beeindruckender! Nachteil war, dass bei Tageslicht der Echo Point, der Aussichtspunkt, von dem aus man auf sie blickt, von vor allem Fotos schiessenden Japanern ueberfuellt war.
Da Katoomba auf dem Hochplateau liegt, und die Ortsgrenze auch gleichzeitig die Grenze des Plateaus ist, kann man von diversen Aussichtspunkten aus ins Regen- und Eukalyptuswald bewachsene Jamison Valley hinabblicken. Ist die Sicht gut, kann man unheimlich weit sehen, es ist einfach toll. Tief unter sich sieht man die gruenen Baumkronen des Regenwaldes, ueber denen ab und zu strahlend weisse Kakadus fliegen, und wenn man in die Ferne schaut, vor allem morgens und abends, verliert sich alles in dem blauen Dunst, von dem die Berge ihren Namen haben. Dieser Dunst entsteht dadurch, dass die unzaehligen Eukalyptusbaumblaetter das aetherische Eukalyptusoel ausduensten. Dieser Oeldampf ist blaeulich, und von Millionen von Baeumen zusammen, vereint sich alles zu einem blauen Nebel.
Dienstag bin ich dann aber endlich gewandert: zum "Einwandern" habe ich eine kuerzere mittelschwere Route gewaehlt. Zuerst ging's ueber die "Giant Staircase", 890 Stufen, hinab ins Jamison Valley. Die Treppe war zum Teil sehr sehr steil und sehr eng; ab und zu waren es auch einfach nur Felsen, ueber die man hinabkletterte, ohne richtige Stufen.
Unten im Tal lief man ca. eine Stunde eben durch den Regenwald, in dem auch viele Farnbaeume stehen, bis man zur "Scenic Railway", der steilsten Eisenbahn der Welt, kommt. Mit dieser fuhr ich wieder hoch auf's Plateau. Das war ein Erlebnis! Es war wirklich unglaublich steil, und wenn man genau das dachte, wurde es nochmal ein Stueck steiler! Ausserdem fuhr die Bahn ganz schoen schnell hinauf. Die maximale Steigung waren 52 Grad, d.h. dass man auf 1m Entfernung 1,27m an Hoehe gewinnt. Unglaublich! Unten am Tal-Bahnhof standen ein paar Oesterreicher, die darueber diskutierten, ob 52 Grad moeglich seien, und wenn ja, warum es dann so eine Bahn nicht in den Alpen gibt.
Nachmittags ging ich noch ins Kino in Katoomba, um mir "The Edge", einen Film ueber den Nationalpark und das Weltnaturerbe der Blue Mountains anzusehen. Darin ging es vor allem um die erst kuerzlich entdeckten ca. 40 Wollemi (?) Pines, Baeume, von denen man dachte, sie seien seit 40 Millionen Jahren ausgestorben. Der Standort wird allerdings geheim gehalten, um sie zu schuetzen.
Mittwoch wollte ich eine laut Wanderfuehrer schwierige Tageswanderung unternehmen. Da ich aber, als ich morgens aus dem Fenster blickte, nichts sah, verwarf ich den Plan fuer diesen Tag. Es war so neblig draussen, dass man keine 100 Meter weit sehen konnte und die Sicht im Canyon oder von oben in den Canyon ungefaehr null gewesen waere. Daher blieb ich in Katoomba und tat nicht viel, ausser mir nachmittags "Santa Clause 3 - The Escape Clause" im Kino anzuschauen. Dabei kam sogar ein bisschen Weihnachtsstimmung auf, und als ich dann aus dem Kino in den Nebel hinaustrat und die Naesse und "Kaelte" geradezu spuerte, war es gleich etwas adventlich;-) Man konnte wirklich die Wassertropfen des Nebels auf der Haut spueren und auf der Jacke sehen.
Donnerstag sah es morgens einigermassen gut aus, sodass ich beschloss, die Tageswanderung zum "Ruined Castle" in Angriff zu nehmen. Der Weg war wunderschoen; wirklich schwierig allerdings nur an drei Stellen insgesamt, da steil und glitschig und schmal. Aber es ging recht gut. Ruined Castle selbst ist ein einzelner Berg, der aus dem Tal aufragt, und der frueher wohl mal mit dem Plateau verbunden war. Auf dem Gipfel stehen verwitterte Felsen und Felsentuerme, die wirklich ein bisschen wie verwitterte Burgruinentuerme aussehen. Auf den hoechsten konnte man sogar hinaufklettern, da umliegende Felsen, Felsritzen und -vorspruenge genug Moeglichkeiten zum Festhalten boten. Die ca. 1 qm grosse Oberflaeche war ganz eben, sodass ich dort oben Mittag ass und den 360-Grad-Rundumblick genoss. Ganz in der Ferne sah man sogar einen der Staudaemme, die Sydney mit Wasser versorgen.
Der Rueckweg war ein anderer als der Hinweg, etwas kniffliger, da es ueber eine erodierte "land slide" ging, einen Felshang, auf dem alles irgendwie, wenn noch nicht weggerutscht, am Wegrutschen war und man keinen guten Halt hatte.
Am Ende nahm ich wieder die Scenic Railway hoch auf's Katoomba-Plateau.
Das war auch schon die Woche in den Blue Mountains kurz zusammengefasst; am Freitag, dem 22.12., fuhr ich vormittags wieder mit dem Zug zurueck nach Sydney, wo ich die naechsten 10 Tage verbringen wollte, unter anderem also auch Weihnachten und Silvester.
Und wie es in Sydney war, erfahrt ihr nach der naechsten Maus...
DAS BILD SOLLTE NICHT HIER SEIN, da es nicht gedreht werden kann!!!

2 Comments:
Hi Inken!
So jetzt hinterlasse ich auch mal endlich eine Nachricht.
Find ich toll, dass du uns von deiner Reise berichtest. Finde es sehr intressant, hab aber noch nciht alles gelesen, werd ich aber so schnell wie möglich machen.
Ansonsten: ein frohes Neues Jahr und viel Spaß noch auf deiner Reise.
hdl alex
Danke;-)
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