Bundaberg

So, die ersten drei Arbeitstage waeren geschafft! Und ich bin NICHT an der Tomatenmaschine!!!
Sondern bei Nielsens, einem kleinen Familienbetrieb, gelandet. Eigentlich sind es nur ein Farmer und seine Frau, die sich ab und zu ein paar Backpacker bestellen, die ihnen dann bei der nicht-maschinellen Arbeit helfen.
Und ich bin der Meinung, dass ich richtig Glueck gehabt habe! Im Gegensatz zu den Tomatenleuten, deren Transport um 4.20 Uhr losgeht, muessen wir erst um sechs Uhr weg.
Am ersten Tag waren wir zu dritt, Julia und ich aus Deutschland, und "Dutchy" (aus Holland).
Zuerst mussten wir auf's Feld, um Suesskartoffeln zu ernten. Das ist wirklich anstrengend, und am Anfang war mir der Bauer total unsympathisch, wie ein Sklaventreiber. Ausserdem befuerchteten wir, den ganzen Tag auf dem Feld stehen zu muessen! Es waren dann letztendlich nur zwei Stunden, die aber auch gereicht haben:-) Man muss sich naemlich breitbeinig ueber die Pflanzenreihe stellen und sich dann so weit nach unten beugen, dass man in der Erde wuehlen kann, um die Suesskartoffeln auszugraben. Und das geht in den Ruecken!!! Allerdings merkt man nach der Arbeit nichts mehr davon, nur solange, wie man sich bueckt.
Vom Feld aus ging's dann in den Shed, wo die Kartoffeln maschinell (!) gewaschen und dann auf ein lustiges manuell betriebenes Drehkarussell geleitet wurden. Julia, Carolyn (die Farmersfrau) und ich mussten nun die Enden abschneiden und sie in Kartons verpacken, geordnet nach sechs verschiedenen Groessen. Das war am Anfang ganz schoen schwierig, Groesse und Gewicht zu schaetzen. Nach fuenfeinhalb Stunden war auch das geschafft, und nachdem wir aufgeraeumt und saubergemacht hatten, wurden wir vom Hostelbus abgeholt.
Am naechsten Morgen staksten wir alle etwas merkwuerdig herum, da wir vom nach-vorne-gebeugt-auf-dem-Feld-stehen tierischen Muskelkater an der Oberschenkelrueckseite hatten (ich merke jetzt immer noch was davon!). Diesmal mussten wir ganze drei Reihen auf dem Feld abernten, nicht nur zwei wie am ersten Tag. Es war zwar gut, dass wir das gleich morgens gemacht haben, wenn es "noch nicht so heiss" ist -haha-, aber der Muskelkater hat das alles nochmal etwas erschwert.
Und es war um einiges heisser als am ersten Tag, sodass Nielsen (der Farmer) alle halbe Stunde mit dem Ute die Reihen entlangfuhr und "Water!!!" bruellte.
Hat mich sehr an 'Camp Green Lake' erinnert, fuer alle, die in meinem Englisch-Kurs waren oder sonst das Buch 'Holes' von Louis Sachar kennen:-)
Aber irgendwann waren auch diese drei Reihen abgeerntet, und es ging wieder in den Shed.
Wie auch am ersten Tag habe ich mir den Platz am Drehkarussell gesichert, der am naechsten an der Saeuberungsmaschine lag, da immer wieder feine Wassertroepfchen heruebergesprueht kamen; schoen erfrischend!
Diesmal ging es mit dem Sortieren schneller, da wir wussten, was zu tun war, und somit waren wir schon um halb eins fertig. Nach einer halben Stunde Mittagspause ("lunch" laut Carolyn, "dinner" laut Nielsen...) wurden wir zu einem anderen Feld gefahren, das noch total ueberwuchert war. Dort mussten wir eine Stunde lang Pflanzenenden abschneiden, eine oede Arbeit, wenn auch laengst nicht so hart wie das Suesskartoffeln ausgraben.
Mit dabei war noch ein Kanadier, der schon fast ein Jahr in Australien ist und schon sehr viel mehr fruit-picking gemacht hat als wir anderen, und sich trotzdem am meisten beschwert hat... was wir Maedels natuerlich gleich als Anlass zum Necken genommen haben:-)
Am zweiten Tag wurde der Farmer auch richtig sympathisch und hat sich viel mit uns unterhalten.
Der groesste Unterschied ist allerdings, dass wir beim Ernten und Sortieren nach Zeit bezahlt wurden, beim Schneiden allerdings nach Anzahl!!! Pro Pflanze gibt's drei Cent, wir muessen sie in Buendeln von 50 Stueck links neben uns legen, und sie werden dann von Nielsen eingesammelt. Man kann also bedingt beeinflussen, ob man mehr oder weniger verdient.
Und heute war's am Besten! Wir haben nur geschnitten, 18.000 Pflanzen war die Aufgabe. Wir waren zu viert, mit Carolyn fuenf.
Nach dreieinhalb Stunden waren wir fertig, und hatten einen Tageslohn sicher! Das ist das Gute am Schnippeln: netterweise hat Nielsen uns ausgerechnet, als wir fertig waren und er von jedem die Pflanzenanzahl wusste, was wir pro Stunde verdient haben: ich lag an der Spitze mit 29,70 AUD:-) Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass ich die zwei Tage davor siebeneinhalb Stunden fuer das Geld, das ich heute in dreieinhalb Stunden verdient habe, arbeiten musste!
Allerdings geht diese Arbeit auch tierisch auf den Ruecken, und die Zeit war wirklich genug! Teilweise habe ich im Knien bzw Sitzen gearbeitet, und meine Jeans ist jetzt fuchsfarben statt hellblau:-)
Erfreulicherweise waren wir somit schon wieder um zwoelf Uhr zurueck im Hostel!!!
Ich bin mal gespannt, was morgen dran ist.
"Smoko" (morning tea break) hatten wir im Garten von Nielsens, deren Haus direkt neben den Feldern liegt, und dort habe ich Bekanntschaft mit ihrer Katze gemacht. Ein goldiges Viech, das ganz wild auf Streicheleinheiten ist! Offensichtlich bekommt sie die nicht so haeufig. Ausserdem ist sie genauso wie Thea, gleiche Rasse, gleiches flauschiges Fell, gleiche niedliche Ohrhaare. Nur die Farbe ist anders, diese hier ist schwarz-braun-blond gescheckt. Aber goldig!!!:-)
Das Schoene ist, dass man hier so viele verschiedene Nationalitaeten trifft. Zwar sind im Hostel wirklich sehr viele Deutsche, aber der Hollaender und der Kanadier sind ganz witzig, und es ist wirklich interessant, wenn man sich so unterhaelt, und was man alles dabei lernt!
Der Kanadier erzaehlte, er sei Chemie-Student, was Julia gleich zu der Frage veranlasste, ob er denn schon gelernt haette, wie man eine Bombe baue. Als er dies verneinte, sagten wir beide wie aus einem Mund, das haetten wir sogar in der Schule schon gelernt!
Lustig, wenn er jetzt nach Kanada zurueckfuehre und erzaehlte, in Deutschland lerne man in der Schule, wie man Bomben baut...:-)
Jetzt ist Sonntag, und wir hatten schon um zwoelf Uhr mittags Feierabend. Fuenf Stunden lang waren wir auf dem Feld, um die Enden, die wir die letzten zwei Tage geschnitten hatten, in ein neues Feld einzupflanzen, sodass wieder neue Suesskartoffeln daran wachsen! Das Angenehme an der Sache war, dass wir dabei rueckwaerts auf einem anhaengeraehnlichen Teil sitzen durften, dass hinter dem Traktor hergezogen wurde. Vor uns lag ein Berg Pflanzenenden, die wir in Rekordtempo in rotierende Klauen einfuehren mussten, bevor diese sich schlossen und sie in die Erde befoerderten. War schon lustig, das Teil! Nach 20 Reihen war Schluss, weil alle 18.000 Pflanzen aufgebraucht waren. Mittwoch brauchen Nielsens uns erst wieder, aber da habe ich vor, weiterzufahren, nach Fraser Island (um mich von der schweren Arbeit zu erholen;-). Deshalb weiss ich nicht, was wir vier die naechsten zwei Tage machen muessen. Hoffentlich geht's nicht aufs Tomatenfeld!
Gerade eben war ich einkaufen, und als ich wiederkam, musste ich feststellen, dass irgendjemand Dreistes meine Milchgallone geoeffnet hat. Schweinerei! Naja, ist sowieso fraglich, ob ich die drei Liter in den letzten drei Tagen geschafft haette...
Hier im Hostel steht jetzt ein haesslicher Plastikweihnachtsbaum, der mit kitschigen Plastikengeln und Goldketten behaengt ist. Und meine Zimmergenossinnen haben sich heute auch einen kleinen Weihnachtsbaum gekauft, den sie nachher schmuecken wollen.
Bisher hing unter der Decke "nur" eine Girlande aus Glanzpapier-Tanne, seit gestern ein grosser Papp-Weihnachts-Hampelmann an der Wand, und heute kam der Baum dazu... gut, dass unser Zimmer so geraeumig ist:-)
Ich melde mich entweder nochmal aus Bundaberg, oder ansonsten irgendwann nach Fraser Island. Hooroo!

3 Comments:
hi inken schöne grüße aus dem kalt-nassen Oestrich
mhhh klingt ja nach harter arbeit aber ich stell mir das ganze auch total interessant vor!!! man lernt sicher viel über menschen aus anderen kulturen. hoffe dir geht es gut!!!
Hdggggggggggggggggggggsmdal
*bussi*
Tanja
Camp Green Lake???!!! KLAR, ich erinnere mich... Stanley Yelnats (wurd der so geschrieben?!^^) sag ich da nur! Ach das waren noch Zeiten, wo wir "Holes" gelesen haben! Ja ja...die Zeit beim Henn *in Erinnerungen schwelg*. Da fallen mir wieder so Sachen, wie "What's the meaning of the word passion?" ein *loooool*
Hdl,
Christina
Camp Green Lake???!!! KLAR, ich erinnere mich... Stanley Yelnats (wurd der so geschrieben?!^^) sag ich da nur! Ach das waren noch Zeiten, wo wir "Holes" gelesen haben! Ja ja...die Zeit beim Henn *in Erinnerungen schwelg*. Da fallen mir wieder so Sachen, wie "What's the meaning of the word passion?" ein *loooool*
Hdl,
Christina
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